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Die letzten Stunden des Carles Puigdemont

Entmachtung Carles Puigdemont, 54-jähriger Ministerpräsident und Anführer der Unabhängigkeitsbewegung Kataloniens, bereitet sich auf die schwierigsten und vermutlich letzten Stunden im Amt vor: Sein Haus in Sant Julià de Ramis ist verrammelt. Er lebt derzeit in der schwer bewachten offiziellen Residenz im Regierungspalast in Barcelona. Dort sitzt er auf gepackten Koffern. ­Puigdemont weiss, dass er wohl bald unfreiwillig auf die Reise gehen muss: Weil er bald wegen Ungehorsams und Rebellion gegen den spanischen Staat fest­genommen werden könnte. Dieser ­Moment rückt näher, nachdem er sich geweigert hatte, den gegen die spanische Verfassung verstossenden Unabhängigkeitsprozess in Katalonien zu stoppen.

Die spanische Regierung will Puigdemont entmachten und seine Region vorübergehend unter die Kontrolle ­Madrids stellen. Am Freitag billigte der Senat, das Oberhaus des spanischen Parlaments, die von der Verfassung gedeckten Zwangsmassnahmen gegen Puigdemont. Schon heute Samstag könnte dem Rebellen dann übermittelt werden, dass er wegen seiner fortgesetzten Rechtsbrüche mit sofortiger Wirkung abgesetzt ist. Puigdemont scheint dies bisher nicht sonderlich zu beeindrucken. Statt einzulenken, gibt er bis zuletzt Durchhalte­parolen aus: «Wenn wir uns treu bleiben, werden wir gewinnen», rief er dieser Tage seinen Anhängern zu. Die katalanischen Bürger, sagte er, müssten sich entscheiden zwischen einem «freien Land» oder dem, was Madrid wolle: «ein unterwürfiges, eingeschüchtertes und erniedrigtes Katalonien».

Puigdemont ist bereit, für seine Überzeugung hinter Gitter zu gehen. Dort sitzen bereits die beiden Unabhängigkeitsaktivisten Jordi Sánchez und ­Jordi Cuixart. Sie wurden Mitte Oktober wegen des Verdachts, an einem Aufstand gegen Spanien beteiligt zu sein, in Untersuchungshaft genommen. Sie seien «politische Gefangene», sagte Puigdemont. Und sie seien Opfer der «Repression» des spanischen Staates, der wie in der Franco-Diktatur «friedliche Menschen wegen ihrer Ideen verfolgt».

Schon einmal sass ein katalanischer Ministerpräsident im Gefängnis: und zwar Lluís Companys, nach dem viele Strassen und Plätze in Katalonien benannt sind. Er war von 1934–1940 Kataloniens Regierungschef. Companys wurde verhaftet, nachdem er im Oktober 1934 einen «katalanischen Staat» ausgerufen hatte. 1940 wurde der Republikaner Companys, der sich auch gegen die 1939 beginnende Rechtsdiktatur von General Franco gestemmt hatte, wegen «Unterstützung einer Rebellion» zum Tode verurteilt. (ze)

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