In Spanien steht die komplette Regierung wegen des Corona-Virus unter Quarantäne

In Spanien steigt die Zahl der Corona-Infizierten dramatisch. Die gesamte Regierung befindet sich in Isolation.

Ralph Schulze aus Madrid
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Figur mit Maske: Am Fallas Festival gilt auch für Statuen besondere Vorsicht.

Figur mit Maske: Am Fallas Festival gilt auch für Statuen besondere Vorsicht.

Bild: AP/Keystone (Valencia, 13. März 2020)

Leere Regale in den Supermärkten, überfüllte Krankenhäuser: Die massive Ausbreitung des Corona-Virus sorgt in der spanischen Hauptstadt Madrid für Katastrophenstimmung. Die Metropolregion, in der sieben Millionen Menschen leben, ist das spanische Zentrum der Covid-19-Epidemie.

Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida schloss am Freitag nicht mehr aus, dass ganz Madrid abgeriegelt und unter Quarantäne gestellt werden muss.

Die Zahl der bestätigten Fälle schnellt in Spanien mit einer Geschwindigkeit in die Höhe, wie man es bisher nur in Italien sah. Am Freitagmorgen registrierten die Gesundheitsbehörden bereits mehr als 4000 Infektionen im ganzen Land, davon rund die Hälfte in Madrid.

Inzwischen ist Spanien nach Italien das europäische Land mit den meisten Corona-Fällen. Bis zum Freitag wurden im Zusammenhang mit den Krankheitsfällen im ganzen Land annähernd 100 Todesfälle gemeldet.

«Das Ostergeschäft auf Mallorca ist ruiniert»

Die spanische Regierung rief die Menschen dazu auf, möglichst zu Hause zu bleiben und Reisen zu vermeiden, um das Virus nicht weiter zu verbreiten. Ein Appell, der auch für ausländische Touristen gilt, welche nach Spanien kommen wollen oder sich bereits im Land befinden.

«Das Ostergeschäft ist ruiniert», heisst es seitens der Tourismusbranche auf der Urlaubsinsel Mallorca, die Buchungen seien im Keller. Hinzu kommt ein Bann für Kreuzfahrtschiffe: Sie dürfen, unabhängig von ihrer Herkunft, nicht mehr in spanischen Häfen anlegen.

Nach dem Vorbild Italiens wurden am Freitag die ersten spanischen Orte komplett abgesperrt. 70'000 Menschen dürfen die Risikzone in den nächsten 14 Tagen nicht verlassen.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez liess keinen Zweifel daran, dass mit der Einrichtung weiterer Sperrzonen gerechnet werden muss – zum Beispiel im Grossraum Madrid.

«Die Regierung wird im ganzen Land alles unternehmen, was notwendig ist», erklärte Sánchez in einer Rede an die Nation. Auch die Ausrufung des nationalen Notstandes, mit dem die Bewegungsfreiheit der Bürger eingeschränkt werden kann, sei nicht mehr ausgeschlossen.

Die Virusangst erfasste inzwischen sogar das Königshaus: Königin Letizia befindet sich in Quarantäne. Die 47-jährige Ehefrau von König Felipe war dieser Tage mit Spaniens Frauenministerin Irene Montero unterwegs.

Wenig später war bei Ministerin Montero die Viruserkrankung festgestellt worden. Ein erster Test bei Letizia und bei Felipe verlief negativ. «Königin Letizia hat alle Verpflichtungen abgesagt und wird regelmässige Fiebermessungen vornehmen», hiess es dazu aus dem Königshaus.

Weitere Ministerin positiv getestet

Wegen der Viruserkrankung von Ministerin Montero befindet sich Spaniens gesamte Regierung in Selbstisolierung. Kabinettssitzungen finden nur noch per Videoschaltung statt. Inzwischen wurde ein weiteres Kabinettsmitglied positiv getestet. Dabei handelt es sich um die Ministerin für Öffentliche Verwaltung, Carolina Darias.

Bei Premier Sánchez und den übrigen 20 Ministerinnen und Ministern verlief ein erster Test bisher negativ – auch bei Vizeregierungschef Pablo Iglesias, dem Lebensgefährten von Frauenministerin Montero. Spaniens Parlament wurde wegen der Erkrankung etlicher Abgeordneter geschlossen.

Seit Freitagmittag sind in Madrid auch alle Cafés, Bars und Restaurants, welche die Madrileños bisher so gerne bevölkerten, geschlossen. «Bleiben Sie zu Hause», appellierte Bürgermeister Martínez-Almeida an die Menschen, «das ist der beste Weg, um eine Ansteckung zu vermeiden».