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Die Hochsicherheits-Weltmeisterschaft

Trotz grosser Ängste vor allem in der britischen Presse droht ausländischen Fans bei der Fussball-WM in Russland kaum Gefahr. Eher könnte dort mehr Sicherheit produziert werden, als nötig ist.
Stefan Scholl, Moskau
Polizisten bei einer Übung vor dem WM-Stadion in Sankt Petersburg. (Bild: Dimitri Lowetski/AP (17. April 2018))

Polizisten bei einer Übung vor dem WM-Stadion in Sankt Petersburg. (Bild: Dimitri Lowetski/AP (17. April 2018))

Man werde den Russen einen dritten, vierten und fünften Weltkrieg liefern, verkündete kürzlich die englische Hooligan-Gruppe Smoggies Elite dem Boulevardblatt «Daily Star»: «Soll der Gegner Eisenstangen, Messer und Baseballschläger verwenden, uns Briten reichen die eigenen Fäuste.»

Wladimir Markin, Fan-Beauftragter des russischen Fussballverbandes konterte ebenfalls kriegerisch. Gegenüber Radio Goworit Moskwa riet er «böswilligen ausländischen Fans», die russische Geschichte zu studieren. «Und sich aufmerksam den Krieg gegen die deutschen Faschisten anzusehen. Wie viele solcher Herren haben wir schon empfangen, und wie sind sie geendet?» Verbal ist das Thema Sicherheit bei der bevorstehenden Fussball-Weltmeisterschaft in Russland heftig umstritten.

Image des Landes steht auf dem Spiel

Vergangenes Jahr warnte ein Film der BBC vor Russen mit Kampfsporterfahrung, die Fussballspiele als Anlass für Massenschlägereien nähmen und bei der EM 2016 in Frankreich Totschlag­attacken auf englische Fans veranstaltet hätten. Aber der Unterschied ist, dass bei dieser WM die Russen als Gastgeber selbst die Verantwortung tragen. Maximale Sicherheit für Sportler und Fans sei der Schlüssel für eine erfolgreiche Weltmeisterschaft, erklärte Staatspräsident Wladimir Putin im Februar der Polizeiführung. «Von der Gründlichkeit Ihrer Arbeit hängt das Image des Landes ab.» Russland wird eine Hochsicherheits-WM ausrichten. Allein 40 000 Katastrophenschützer und 14 000 Mitarbeiter privater Sicherheitsdienste kommen zum Einsatz.

Die genaue Zahl der Polizisten, Nationalgardisten, Geheimdienstler und Militärs, die Städte und Stadien schützen, ist nicht bekannt, es werden mehrere hunderttausend sein, mit zehntausenden Überwachungskameras. Und Experten verweisen ­darauf, dass die «Organe» die russischen Hooligans längst unschädlich gemacht haben. «Die Leute, die zu Gewalttätigkeiten neigen, sind Polizei und Sicherheitsdiensten seit Jahren bekannt, haben Stadionverbot. Mit den Führern der Ultras führt man die nötigen prophylaktischen Gespräche», sagt Samwel Awakjan, Chefredakteur des Sportportals «Championat.com» unserer Zeitung. Tatsächlich liegt die letzte öffentliche Massenprügelei zwischen russischen Fussballfans drei Jahre zurück.

Vielleicht produziert die Staatsmacht sogar mehr Sicherheit als nötig. Es hagelt Verbote, vor allem für die eigenen Bürger. Schon im Mai verschärft man in den WM-Städten die Meldebestimmungen für Privatbesucher drastisch. Sie müssen sich innert drei Tagen bei der Polizei registrieren. Warteschlangen drohen. So wie beim Testspiel gegen Argentinien letzten November, als laut Internetzeitung «Swobod­naja Pressa» ein Grossteil der Zuschauer aus Sicherheitserwägungen das Stadion erst zwei Stunden nach Spielende verlassen konnte.

Das Aufgebot an Sicherheitskräften wirkt nach Blockbuster-Kino, vor allem der Einsatz sogenannter Registerkosaken in den Austragungs-Städten. Mitglieder para­militärischer Vereine, die oft nur wenig mit den Nachfahren der freiheitsliebenden Grenzkrieger gemeinsam haben. Moskauer «Kosaken» blamierten Anfang Mai die Staatsmacht, als sie bei einer Anti-Putin-Kundgebung Demonstranten mit Peitschen ­angriffen. Der Donkosake Andrei Dorodnizyn schätzt den polizeilichen Professionalismus der Registerkosaken «auf null». Um des nationalen Kolorits willen habe man in der Region Rostow zur WM sogar eine berittene Kosaken-Hundertschaft aufgestellt. «Sie werden bezahlt, aber sie sitzen schon jetzt auf Koffern, weil es heisst, ihre Hundertschaft würde mangels Geld nach der WM wieder aufgelöst.»

«Wodka nicht mit Bier mischen»

Bleibt zu hoffen, dass niemandem die Pferde durchgehen. Auch während des Confederations Cup im vergangenen Jahr wachten in Sotschi über 700 Kuban-Kosaken. Allerdings zu Fuss. Und bei den Spielen dort wie in den anderen Austragungsorten war die Stimmung oft fröhlich und stets friedlich.

Die Londoner Boulevardzeitung «Sun» stellt in einem Merkblatt für WM-Fahrer fest, die Russen seien gutmütige Menschen ohne Vorurteile. Und man werde trotz aller Alkoholverbote während des Grossanlasses von ihnen sehr viele Trinksprüche hören. Wichtigster Sicherheitshinweis der «Sun»: «Mischen Sie Wodka nicht mit Bier.» Diese WM könnte mehr Völkerfreundschaft erleben als erwartet.

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