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Die Frau, die dem Kalifen die Hauptstadt genommen hat

Walter Brehm

RakkaRojda Felat hat eine grosse Schlacht gewonnen. Wer hat sie gewonnen, sie allein, würde Bertolt Brecht in seinem Gedicht «Fragen eines lesenden Arbeiters» monieren. Natürlich die 15000 Kämpfer der Syrisch Demokratischen Kräfte (SDF). Aber diese Kämpfer haben auf Rojdas Kommando gehört. Die kurdische Kommandantin leitete die Operation «Der Zorn des Euphrat» zur Eroberung der syrischen IS-Hauptstadt Rakka.

Biografisch ist über Rojda Felat wenig bekannt. Als Hauptgrund, warum sie an der Spitze der Rakka-Offensive gestanden ist, sagt die Kommandantin: «Die Dschihadisten wollen auf keinen Fall von einer Frau besiegt werden.» Die Kurdin in ihren 30er-Jahren nennt die Kommunistin Rosa Luxemburg als eines ihrer Vorbilder, aber auch Feldherren wie Napoleon oder den historischen Kurdenführer Saladin aus dem 12. Jahrhundert. Sie selber bezeichnet sich als «radikale Feministin» und meint damit die radikale Gleichberechtigung kurdischer Kämpferinnen und Kämpfer. Der Internet-Plattform «Al Monitor» hat sie erklärt: «In den kurdischen Selbstverteidigungseinheiten (YPG) gibt es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Beide können Operationen führen.» Ihre Kampf- und Führungserfahrung hat ­Rojda Felat vor allem in der ­Offensive zur Befreiung der kurdischen Stadt Kobane aus den Fängen des IS ­gewonnen. Der Kampf im Nahen Osten sei aber nicht nur ein militärischer, erklärt die Kommandantin. Er gelte auch dem Machismo vieler Männer und dem patriarchalischen System in der ganzen Region. «Der Wiederaufbau der syrischen Gesellschaft muss auf Gleich­berechtigung basieren.»

Kritik am stalinistischen Bündnispartner PKK

Dem Vorwurf, die linksgerichteten YPG seien nur die syrische Variante der türkisch-kurdischen PKK, begegnet Rojda Felat gelassen: «Natürlich sind wir Verbündete. Aber die PKK ist im Gegensatz zu den YPG stalinistisch, mit einer rigiden Hierarchie aufgebaut. Das lehne ich ab.» Auch zu einem anderen Kritikpunkt am Kampf der syrischen Kurden hat sie eine klare Position: «Uns wird vorgeworfen, wir wollten nur unseren Einfluss und unser Territorium erweitern. Rakka gehört nicht zum traditionellen Siedlungsgebiet der syrischen Kurden. Wir sind hierher marschiert, um die Region zu ­befreien und ihre Menschen vor dem IS zu schützen. Nun sollen die Bewohner Rakkas ihre Verwaltung selber organisieren. Die YPG macht das immer so, wenn ein Ort befreit worden ist – egal, ob kurdisch oder arabisch.»

Bangen um westliche Unterstützung

Rojda Felat weiss, dass weder die YPG noch das Bündnis SDF mit syrischen Sunniten gegen den IS allein so erfolgreich sein könnten. Auch Rakka wurde mit Luftunterstützung und Waffen der von den USA geführten internationalen Koalition erobert. Zur Zukunft dieser Unterstützung nach dem Sieg über den IS will die Kommandantin nichts sagen. Sie weiss aber um die möglichen nächsten Konflikte – vor allem mit der Türkei.

Walter Brehm

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