Die Frage ist: Wem nützt es?

Die Afrikanische Union unterbreitet einen Friedensplan. Der Oberst in Tripolis stimmt sofort zu, die Rebellen lehnen kategorisch ab. Zwängerei oder Verkennung der eigenen Lage?

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Die Afrikanische Union unterbreitet einen Friedensplan. Der Oberst in Tripolis stimmt sofort zu, die Rebellen lehnen kategorisch ab. Zwängerei oder Verkennung der eigenen Lage?

Weder noch – nur Realismus. Weshalb sollten die Rebellen in Benghasi auf eine Waffenruhe von Gadhafis Gnaden vertrauen? Zu oft hat er eine solche versprochen und gebrochen. Und warum sollten die Aufständischen einem Plan der Afrikanischen Union zustimmen? Gadhafi war deren Vorsitzender und ist immer noch ihr wichtigster Financier.

Ein Friedensplan nach seinem Gusto könnte Gadhafi einiges Wert gewesen sein. Das ist zwar Spekulation – aus Sicht der Aufständischen aber ein nachvollziehbarer Verdacht. Gadhafi gewänne Zeit zur Reorganisierung seines durch prominente Flüchtlinge und Überläufer dezimierten Regimes.

Dem Plan der Afrikaner zuzustimmen mag – mit Sicht auf die Belastung durch die internationale Militäraktion – für manchen europäischen Politiker verführerisch sein. Doch dies wäre wahrlich zu kurz gedacht. So schwer, wie sich Europa mit den Flüchtlingen aus Nordafrika schon heute tut, ist zu bedenken, ein weiterer Machterhalt Gadhafis machte die Fluchtbewegung erst zur Massenflucht.

Es gibt kaum eine europäische Regierung, die nicht lauthals das Ende der Gadhafi-Diktatur gefordert hat. Nun ist das Land in einer kurzfristig kaum auflösbaren militärischen Pattsituation – und politisch de facto geteilt. Dieses Faktum vorerst zu akzeptieren, die Rebellengebiete unter dem bestehenden Mandat der UNO vor Gadhafis Soldateska zu schützen und Tripolis weiter zu isolieren ist immer noch besser, als die Aufständischen der Rache Gadhafis auszuliefern. Walter Brehm

w.brehm@tagblatt.ch

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