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Die EU ist auf den Hund gekommen

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Martin A. Senn

Über den Brexit wollten wir uns hier eigentlich nicht auch noch auslassen. Das tun andere schon genug. Und würde die EU mit den Briten weiterhin nur um ein paar Dutzend Milliarden Euro feilschen, gäbe es ja keinen wirklich triftigen Grund dafür.

Nun aber hat EU-Chefunterhändler Michel Barnier – so ganz beiläufig – ein Thema auf den Verhandlungstisch gebracht, das Millionen von Briten wirklich ans Lebendige geht: ihre Hunde nämlich.

Wenn man in den EU-Austrittsverhandlungen mit dem Vereinigten Königreich keine Einigung erziele, drohte Barnier an einer Pressekonferenz, dann dürften britische Hunde und Katzen bald nicht mehr frei über den Kanal nach Europa reisen. Ohne Personenfreizügigkeit sei auch Schluss mit dem freien Hundeverkehr. Dicke Post! Denn Briten, das muss man wissen, sind Hundenarren. Während es sonst fast überall auf der Welt mehr Katzen gibt als Hunde – in der Schweiz zum Beispiel dreimal mehr –, schwören die Briten auf Hunde. Über 8 Millionen der treuen Vier­beiner halten sie. Das sind mehr als in jedem andern europäischen Land. Gut möglich, dass diese Vorliebe am britischen Hundewetter liegt. Katzen sind jedenfalls nicht bekannt dafür, dass sie unbedingt raus wollen, wenn es aus Kübeln giesst. Hunde schon.

Bei britischen Tierfreunden kann ein beiläufiger Satz, wie jener Barniers, traurige Folgen haben, wie die Geschichte gezeigt hat: 1939 hatte eine behördennahe Kommission in London eine kleine Broschüre mit Ratschlägen für den Umgang mit Haustieren im Krieg publiziert. Weil die Nahrungsmittel knapp werden könnten, stand da, solle man die Tiere zur Sicherheit aufs Land bringen, damit sie am Ende nicht noch in der Stadt verhungerten. Sollte das nicht möglich sein, hiess es dann, vermeintlich unscheinbar im allerletzten Satz, wäre es vielleicht gescheiter, die Tiere zu «vernichten».

Viele Tierhalter brachte das völlig aus der Fassung. Zu Tausenden marschierten sie in die Veterinärkliniken und liessen ihre Lieblinge einschläfern – oder euthanasieren, wie man heute sagt. Insgesamt sollen so während des Zweiten Weltkriegs 750000 britische Haustiere ihr Leben gelassen haben. Gleichzeitig schossen aber auch allenthalben Wohl­tätigkeitsorganisationen für Haustiere aus dem Boden. Die bekannteste von ihnen nahm 145000 Vierbeiner auf und fütterte sie wohl behütet durch die Kriegsjahre. So drastisch wird’s diesmal natürlich nicht. Wegfallen würde aber immerhin der EU-Hundepass, der den britischen Vierbeinern seit 2012 die freie Einreise nach Europa garantiert. Eine Million Hunde und Katzen sind seither mit ihren Leuten ferienhalber auf den Kontinent gereist. Sollte dies künftig nicht mehr möglich sein, haben Frauchen und Herrchen ein Problem.

Den Hunden freilich dürfte es ziemlich egal sein. Zuhause gefällt es ihnen sowieso besser, und von den letzten Ferien in Frankreich wissen sie längst nichts mehr. Hunde, so behaupten nämlich Verhaltensforscher, haben ein extrem kurzes Gedächtnis. Hunde­narren werden das allerdings nie und nimmer glauben.

Martin A. Senn

Publizist

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