Mitglied der Handelskammer Schweiz-China: «Die Chancen der Seidenstrasse überwiegen für die Schweiz klar»

Investitionen in eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur seien für die Schweiz nur von Vorteil, sagt Kurt Haerri, Vorstandsmitglied der Handelskammer Schweiz-China. Vom Handelswachstum würden insbesondere auch die Schweizer Banken profitieren.

Interview: Fabian Hock
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Kurt Haerri (56) ist Manager bei der Firma Schindler und Mitglied des Vorstands der Handelskammer Schweiz-China, die er von 2006 bis 2014 präsidierte. (Bild: PD)

Kurt Haerri (56) ist Manager bei der Firma Schindler und Mitglied des Vorstands der Handelskammer Schweiz-China, die er von 2006 bis 2014 präsidierte. (Bild: PD)

China drängt über die neue Seidenstrasse nach Europa. Was bedeutet das für die Schweiz?

Kurt Haerri: Für ein Land wie die Schweiz, welches sehr vom internationalen Handel lebt, sind Investitionen in eine effizientere Infrastruktur grundsätzlich sehr positiv zu werten.

Worin unterscheidet sich die Schweizer Rolle von jener anderer europäischer Staaten?

Der Schweizer Anteil am Chinesischen Aussenhandel beträgt weniger als ein halbes Prozent. Aufgrund des weitaus grösseren Anteils ist die EU strategisch für China viel wichtiger.

Überwiegen die Chancen oder die Risiken?

Die Chancen für die Schweiz überwiegen klar. Wir sind sehr auf den Zugang zu den weltweiten Märkten angewiesen und somit sind Investitionen in eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur für die Schweiz nur von Vorteil. Aufgrund unserer guten Wettbewerbsfähigkeit schafft der Handel für unser Land Arbeit und Wohlstand.

Bundespräsident Ueli Maurer hebt hervor, dass besonders die Banken von der chinesischen Initiative profitieren könnten. Wie genau?

Wenn der internationale Handel blüht, dann müssen auch Zahlungen in verschiedensten Währungen abgewickelt werden. Davon profitieren selbstverständlich auch die Banken, und das ist gut so. Bei der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung, eine der Stärken unserer Banken, bin ich im Zusammenhang mit China eher zurückhaltend. Diese Öffnung steht nicht unmittelbar bevor.

Was erhofft sich die Wirtschaft von Maurers Teilnahme am Seidenstrassen-Forum in Peking Ende Woche?

Dieser bilaterale Austausch auf höchster Ebene ist wichtig, insbesondere mit China, da sehr viele wichtige Impulse für die Wirtschaft von der chinesischen Regierung ausgehen. Eines dürfen wir nicht vergessen: Die Schweiz braucht China, China braucht die Schweiz viel weniger. Gerade wegen dem guten Dialog mit China haben die Schweiz und die hiesigen Unternehmen in China immer wieder offene Türen und ein gutes Klima vorgefunden. Deshalb ist die Chinareise von Bundesrat Maurer ein weiterer Mosaikstein dieses guten Dialogs und somit sehr wichtig für unser Land.

Gefährdet das Schweizer Engagement nicht das Verhältnis zu den USA, die die Initiative der Chinesen sehr kritisch sehen?

Nein, das glaube ich nicht. Wir halten uns ja an die international geltenden Regeln des Welthandels. Natürlich sind gute wirtschaftliche Beziehungen zu den USA auch sehr wichtig. Vielleicht geht ja die nächste Reise unseres Finanzministers über den Atlantik. Für ein Land wie die Schweiz ist der Zugang zu den grossen Märkten dieser Welt überlebensnotwendig. Das ist eine Realität, und der Bundesrat handelt danach.

Sehen Sie eine Öffnung Chinas in letzter Zeit?

Ja, beispielsweise in der Automobilindustrie. Bis heute darf ein ausländisches Unternehmen nur maximal 50 Prozent an einem ortsansässigen Automobilhersteller besitzen, die anderen mindestens 50 Prozent mussten bis in diesem Jahr einem staatlichen Unternehmen gehören. Diese Beschränkung wird nun schrittweise bis im Jahr 2022 abgebaut.