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«Die Abrechnung hat begonnen»: Neun Aussagen der mutmasslichen Epstein-Opfer vor Gericht

Zahlreiche mutmassliche Missbrauchsopfer des verstorbenen US-Millionärs Jeffrey Epstein haben bei einer emotionalen Gerichtsanhörung über ihr Leid berichtet.

(ohe/watson/sda) Vor einem Bundesgericht in Manhattan sagten am Dienstag 16 Frauen aus, sieben weitere Frauen liessen sich von Anwälten vertreten.

Neun der eindrücklichsten Aussagen, die vor Gericht gemacht wurden:

Anouska De Georgiou

(Bild: epa)

(Bild: epa)

«Heute stehen wir zusammen», sagte die Schauspielerin Anouska De Georgiou, die nach eigenen Angaben von Epstein sexuell missbraucht wurde.

«Ich werde nicht weiter ein Opfer sein und nicht einen Tag länger schweigen.»

Chauntae Davies

(Bild: epa)

(Bild: epa)

Chauntae Davies schilderte vor Gericht, sie habe sich in einem Krankenhaus zwei Wochen lang übergeben müssen, nachdem sie von Epstein vergewaltigt worden sei. Der Investment-Millionär habe «krankhaft» junge Frauen missbraucht.

«Ich begann meine Massage und versuchte, meine Angst nicht zu zeigen. Bevor ich wusste, was passierte, packte er mich an den Handgelenken und zerrte mich zum Bett. Ich versuchte mich zu wehren, aber er öffnete meine Shorts und zog meinen Körper schneller an sich, als ich reagieren konnte. Ich suchte nach Worten, aber alles was ich sagen konnte war: ‹Nein, bitte hör auf.› Aber das schien ihn nur noch mehr zu begeistern.»

Unbekannte #1

Nicht alle Frauen sagten mit Klarnamen vor dem Gericht aus, einige liessen sich von ihren Anwälten vertreten. Viele berichteten von den Konsequenzen die Epsteins mutmassliche Taten nach sich zogen.

«Wir werden immer irreparable Schäden und Schmerzen mit uns tragen. Es ist etwas, das nie verschwinden wird. Egal, wen wir in unserem Leben heiraten, welche Zukunft uns noch bevor steht: Es wird immer da sein.»

Unbekannte #2

Eine andere Frau sagte, sie sei Epsteins «Sklavin» gewesen. Epstein habe gedroht, sie zu töten, sollte sie nicht mehr Jungfrau sein.

«Ich habe mich machtlos und beschämt gefühlt.»

Unbekannte #3

«Jeffrey Epstein hat mir meine Unschuld genommen. Er hat mich zu einem Leben voller Schuld und Scham verdammt. Ich halte mich nicht für ein Opfer. Ich sehe mich als Überlebende.»

Jennifer Araoz

(Bild: epa)

(Bild: epa)

Jennifer Araoz sagte, Epstein wolle ihr selbst nach seinem Tod Leid zufügen. Dass sie dem Sexualverbrecher nicht vor Gericht entgegentreten könne, «zerfrisst meine Seele».

«Er hat mich meiner Träume beraubt. Er raubte mir die Chance, eine Karriere zu verfolgen, die ich liebte. Er stahl mir die Chance, wirklich Liebe fühlen zu können, weil ich so viele Jahre Angst hatte, jemandem zu vertrauen. Ich wollte mein Haus nicht mehr verlassen.»

Courtney Wild

(Bild: ap)

(Bild: ap)

Die meisten der Frauen zeigten sich wütend darüber, dass Epstein nicht mehr vor Gericht gestellt werden kann. Darunter auch Courtney Wild vor Gericht sagte sie:

«Ich bin sehr wütend und traurig, weil der Gerechtigkeit in diesem Fall nie Genüge getan wurde. Wir werden ihn nie einzeln konfrontieren können. Er ist ein Feigling.»

Unbekannte #4

Eine weitere nicht namentlich genannte Frau griff Epstein direkt an:

«Du hast dir deine Freiheit mit Geld geholt. Du hast meine Rechte verletzt. Du hättest dafür bezahlen müssen, genau wie alle anderen auch. (...) Du hast dein Geld benutzt, anstatt den gerechten Preis für deine Taten zahlen zu müssen.»

Virginia Roberts Giuffre

Virginia Roberts Giuffre im Bild rechts. (Bild: epa)

Virginia Roberts Giuffre im Bild rechts. (Bild: epa)

«Er wird seinen Tag vor Gericht nicht haben, aber die Zeit der Abrechnung hat begonnen – unterstützt von den Stimmen dieser tapferen Frauen in diesem Gerichtssaal heute. Die Abrechnung muss weitergehen. Epstein handelte nicht alleine und wir, die Opfer, wissen das.»

Hintergrund

Epstein soll jahrelang minderjährige Mädchen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Der Investmentbanker war bereits 2008 wegen der Prostitution junger Frauen zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt worden und wurde seitdem als Sexualverbrecher geführt.

Nach einer erneuten Festnahme wurde der 66-Jährige am 10. August tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach Angaben des US-Justizministeriums nahm er sich das Leben.

Bei einer Verurteilung hätten dem US-Multimillionär, der gute Kontakte zu zahlreichen Politikern und Prominenten hatte, bis zu 45 Jahre Haft gedroht.

Mit der Gerichtsanhörung von Dienstag wollte Richter Richard Berman den mutmasslichen Missbrauchsopfern Gelegenheit geben, über ihr Leid zu sprechen, weil es nun nie zu einem Prozess gegen Epstein kommen wird. Er würdigte den «Mut» der Frauen, von denen sich viele nie zuvor öffentlich geäussert hatten.

Die Frauen riefen zudem die Justiz auf, mögliche Mittäter zu verfolgen. «Bitte, bitte, bitte, bringen Sie zu Ende, was sie begonnen haben», sagte Sarah Ransome. «Er hat nicht allein gehandelt.» Epstein habe vielmehr einen internationalen Ring von Frauenhändlern geführt.

In dem Fall sind unter anderem Vorwürfe gegen den britischen Prinzen Andrew und gegen Epsteins frühere Freundin Ghislaine Maxwell laut geworden. Beide haben die Vorwürfe bestritten.

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