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Die Abkehr vom grossen Bruder

Für Präsident Rodrigo Duterte haben die USA als wichtigster Verbündeter ausgedient. Der philippinische Staatschef kündigt Washington die Freundschaft auf und wendet sich Peking zu – möglicherweise mit weitreichenden Folgen.
Finn Mayer-Kuckuk/Peking
Wollen künftig näher zusammenrücken: die Präsidenten Duterte und Xi Jinping. (Bild: Ng Han Guan/EPA)

Wollen künftig näher zusammenrücken: die Präsidenten Duterte und Xi Jinping. (Bild: Ng Han Guan/EPA)

China und die Philippinen gehen auf Schmusekurs. Anfang dieses Monats hat die Regierung in Peking bekanntgegeben, nach einem zweijährigen Boykott wieder Bananen aus dem südostasiatischen Land zu importieren – ein Milliardengeschäft.

Die Aufhebung der Sanktionen ist ein gewaltiger Erfolg für die Strategie des neuen philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte. Er setzt auf gute Beziehungen zum grossen Nachbarn China und zeigt dafür dem einstigen grossen Bruder Amerika die kalte Schulter.

Noch bis heute ist Duterte auf Staatsbesuch in Peking. Die Visite sieht er als Test für seine geopolitische Strategie, die beiden Grossmächte gegeneinander auszuspielen und sich dafür mehr bei China anzubiedern. Dazu hat er gestern bei einem Treffen mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping sogar darauf verzichtet, den grössten aussenpolitischen Disput mit China nicht anzusprechen: den Streit um Inseln, die beide Länder für sich beanspruchen.

Dutertes Vorgänger war in dieser Sache noch vor ein internationales Schiedsgericht gezogen und hat eine Eiszeit in den Beziehungen zwischen Manila und Peking ausgelöst.

Xi Jinping kann Türen zu grossen Geschäften öffnen

Nun nimmt Peking die Wende Dutertes wohlwollend zur Kenntnis. Das Einfuhrverbot für philippinische Bananen war nur Teil eines Pakets von Sanktionen, mit denen die chinesische Regierung darauf reagiert hat. Peking hatte auch eine Reisewarnung für die Philippinen ausgesprochen und damit den Zustrom zahlungskräftiger Touristen gestoppt. Viel schwerer wogt aber der Ausfall von Investitionen. Andere Nachbarländer Chinas, vor allem Pakistan, sind in den Genuss von zinsgünstigen Krediten in Milliardenhöhe gekommen. Die Philippinen sind bisher leer ausgegangen. Doch die Sanktionen gegen Manila sollen jetzt der Vergangenheit angehören.

Der 71jährige Duterte will anscheinend also über den Verlust der Inseln hinwegsehen und künftig die Vorteile guter Beziehungen zu China geniessen. Er hat eine 400köpfige Wirtschaftsdelegation mit nach Peking genommen – allesamt Geschäftsleute, die ganz wild darauf sind, den gigantischen Markt des Nachbarlandes endlich zu erschliessen. In China kann ein Staatsbesuch in geradezu magischer Weise Türen öffnen. Im direkten Kontakt mit Xi sind Wirtschaftsabkommen möglich, von denen die Unternehmen vorher nur träumen konnten. Auch philippinischen Unternehmen winken nun glänzende Geschäfte.

Die Rückkehr der Dominotheorie

Die Kehrseite der neuen Politik Dutertes ist die Abkehr von der bisherigen Schutzmacht USA. Duterte hatte diese Absicht bereits klar gemacht, als er Präsident Barack Obama als «Hurensohn» beschimpft und ein geplantes Treffen mit ihm platzen liess.

Experten sehen in der allzu schnellen Annäherung an Peking jedoch einen strategischen Fehler. Duterte opfere zu früh seine Trumpfkarte, sagt Zhang Baohui von der Lingnan-Universität in Hongkong. Umgekehrt reiben aussenpolitische Strategen in Peking sich die Hände: «Mit den Philippinen kippt ein wichtiger Pfeiler der Asien-Strategie der USA», sagt Zhang.

Ausser den Philippinen neigen nun auch andere südostasiatische Länder zum Umfallen. Die Militärherrscher in Thailand beispielsweise suchen ebenfalls die Nähe zu China. Da sie auf undemokratische Weise an die Macht gekommen sind, akzeptieren die Länder des Westens sie nicht als Gesprächspartner. Peking hat da keine Probleme – fordert aber Gegenleistungen. Thailand hat zuletzt mehrfach chinesische Menschenrechtler und Mitglieder verfolgter Minderheiten nach China abgeschoben und sie damit Folter, langer Haft- oder gar Todesstrafe ausgeliefert.

Um China in Schach zu halten, hatte US-Präsident Obama vor drei Jahren eine «Hinwendung zu Asien» als wichtiges Ziel seiner Aussenpolitik genannt. Die Philippinen waren einst faktisch von den USA kolonialisiert und beherbergen noch immer fünf Militärbasen der Weltmacht. Duterte hat nun angedeutet, den gemeinsamen Verteidigungsvertrag möglicherweise annullieren zu können.

Ein Pokerspiel für möglichst grossen Nutzen

Die Strategie Dutertes könnte ihm gleichwohl den grösstmöglichen Nutzen bringen. Aus Peking ist zu hören, dass philippinische Fischer bald wieder die Gewässer rund um die umstrittenen Inseln anlaufen können. Und die USA erwägen nun, den Philippinen grössere Hilfeleistungen und modernere Waffen zuzusagen. Wenn Duterte das Spiel geschickt spielt, überschütten ihn die zwei stärksten Volkswirtschaften der Welt weiterhin mit Gunstbezeugungen. Eines hat er bereits erreicht: Manila ist international plötzlich ein gefragter Partner.

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