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DHAKA: Angriff auf das säkulare Bangladesch

Der Überfall auf den Hochschullehrer und Jugendbuchautor schockiert eine Nation, in der Intellektuelle ihres Lebens nicht mehr sicher sind. Radikalislamische Gewalttäter kommen regelmässig ungeschoren davon.
Ulrike Putz, Singapur
In Bangladesch wird traditionell eine gemässigte Form des Islam gelebt. Auf dem Bild lenkt ein Mann Menschenmassen, die zur jährlichen muslimischen Zusammenkunft Biswa Ijtema in Tongi, nördlich der Hauptstadt Dhaka, strömen. (Bild: A. M. Ahad/AP (Tongi, 13. Januar 2018))

In Bangladesch wird traditionell eine gemässigte Form des Islam gelebt. Auf dem Bild lenkt ein Mann Menschenmassen, die zur jährlichen muslimischen Zusammenkunft Biswa Ijtema in Tongi, nördlich der Hauptstadt Dhaka, strömen. (Bild: A. M. Ahad/AP (Tongi, 13. Januar 2018))

Ulrike Putz, Singapur

Es sollte eine Veranstaltung werden, die zukünftige Erfinder feiert: Am Samstag letzter Woche versammelten sich Studenten und Professoren der Shahjalal- Universität in Sylhet im Nordosten Bangladeshs, um die besten Abschlussprojekte der Absolventen der Robotik zu prämieren. Unter den Gästen war ein Mann, dessen weissen Schopf und Schnauz viele im Land kennen: Zapfer Iqbal ist nicht nur ein in akademischen Kreisen hoch geachteter Physikprofessor, der aus einer Schriftstellerfamilie stammende 65-Jährige ist auch einer der bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren Bangladeshs. Zusätzlich ist Iqbal einer der ­prominentesten Rationalisten des Landes – eine Tatsache, die ihm nun fast das Leben gekostet hätte.

Ein Anhänger des Salafismus, einer extremistischen Auslegung des Islam, ging während der Feierstunde an der Uni mit einem Messer auf Iqbal los. Mehrmals stach er auf ihn ein und verletzte ihn dabei schwer an Kopf und Rücken. Erst als sich mehrere Studenten auf ihn stürzten, liess Foyzur Rahman von seinem Opfer ab. Im Polizeigewahrsam erklärte er, er habe Iqbal töten wollen, weil dieser«ein Feind des Islam» sei.

Mindestens 50 Tote in den letzten fünf Jahren

Bangladeshs Intellektuelle rea­gierten mit Entsetzen auf den Überfall auf einen der ihren. Der Angriff auf Iqbal sei ein Angriff auf jeden unabhängig Denkenden im Land, protestierten die Chefredakteure der wichtigsten Zeitungen der 162-Millionen-Einwohner-Nation. Die Regierung täte viel zu wenig, um die Elite sowie die einfachen Leute in Bangladesh zu schützen.

Tatsächlich ist es in den vergangenen fünf Jahren zu einer Welle der Gewalt gegen Vertreter des säkularen Bangladesh gekommen, in deren Zuge mindestens 50 Menschen starben. Im ­Visier der radikalislamischen ­Täter standen dabei atheistische Blogger und Publizisten, Ausländer und Angehörige von religiösen Minderheiten.

Der bis dato blutigste Überfall ereignete sich im Juli 2016, als Extremisten bei einer Geiselnahme in einem Café in Dhakas Diplomatenviertel 20 Menschen, darunter 18 Ausländer, töteten. Für Aufsehen und Angst sorgte auch eine Serie von Attacken auf Blogger, die zumeist in aller Öffentlichkeit mit Macheten angegriffen und zu Tode gehackt wurden. Bis heute veröffentlichen verschiedene lokale Terrorgruppen Todeslisten und rufen zum Mord an islamkritischen Meinungsmachern und Ausländern auf.

Armut und politische Unfähigkeit

Traditionell wird in Bangladesh eine gemässigte Form des Islam gelebt. Doch die international ausgestreute Saat des Dschihadismus fällt in dem armen Land auf fruchtbaren Boden. Dass gewalttätige radikale Gruppen am Golf von Bengalen weitgehend ungestraft ihr Unwesen treiben können, liegt einerseits an der notorischen Unfähigkeit von Sicherheitskräften und Justiz, andererseits an der komplizierten politischen Gemengelage im Land. Bangladesh wird von zwei Parteien dominiert: der säkularen Awami League der aktuellen Premierministern Sheikh Hasina und der Bangladesh National Party der ehemaligen Premier­ministerin Zia Khaleda. Beide Frauen stammen aus politischen Dynastien, wechseln sich seit Jahrzehnten an der Staatsspitze ab und gelten als Erzfeindinnen.

Die Parteien und ihre Anführerinnen schieben sich gegenseitig die Schuld für die Zustände im Land zu: Hasina behauptet, die Islamisten hätten Auftrieb, seit ihre Rivalin mit der Jamaat-e Islami, der wichtigsten islamischen Partei im Land, zusammengearbeitet habe. Das Erstarken gewaltbereiter Fundamen­talisten sei das Ergebnis einer Politik, die versuche, sich der Radikalen zu bedienen. Regierungsgegner wiederum behaupten, der immer repressivere Kurs der jetzigen Regierung leiste einer Radikalisierung islamistischer Kreise Vorschub. In den vergangenen Jahren sind Hunderte Regierungsgegner in Bangladesh spurlos verschwunden. Andere landen vor Gericht, können aber nicht auf einen fairen Prozess hoffen. So auch Zia Khaleda: Im Februar wurde die Ex-Regierungschefin in einem augenscheinlich politisch motivierten Korruptionsprozess zu fünf Jahren Haft verurteilt. Heute soll über ihren Berufungsantrag entschieden werden.

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