DEUTSCHLAND–USA: Warme Worte und Bekenntnisse

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel im Weissen Haus empfangen. Heikle Punkte wurden während des ersten Treffens ausgeklammert.

Renzo Ruf, Washington
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Angela Merkel und Donald Trump tauschten gestern vor allem Nettigkeiten aus. (Bild: Clemens Bilan/EPA (Washington, 17. März 2017))

Angela Merkel und Donald Trump tauschten gestern vor allem Nettigkeiten aus. (Bild: Clemens Bilan/EPA (Washington, 17. März 2017))

Renzo Ruf, Washington

Die wichtigste Regel im Umgang mit dem neuen US-Präsidenten hat die deutsche Kanzlerin bereits verinnerlicht. Donald Trump ist im Kern ein Geschäftsmann geblieben und er strebt nach dem schnellen Erfolg. Wer sein Vertrauen gewinnen will, der ist deshalb gut beraten, ihm bei der Verwirklichung seiner politischen Pläne zu helfen.

Als Angela Merkel gestern zum Antrittsbesuch im Weissen Haus aufkreuzte, brachte sie deshalb drei deutsche Konzernchefs mit, die über die Vorzüge des dualen Bildungssystems sprachen. Damit weckte sie die Aufmerksamkeit eines Präsidenten, der seinem Land eine Industrie-Renaissance verspricht. Deutschland habe in diesem Bereich einen «unglaublichen Job» gemacht, so Trump. Und er deutete an, dass die amerikanische Regierung «eine Partnerschaft» mit Deutschland eingehen und stärker in die Ausbildung von Lehrlingen investieren werde.

Nun sind solche Bekenntnisse nicht neu: Bereits der Vorgänger von Präsident Trump interessierte sich sehr für das duale Bildungssystem. Trump aber will nun noch einen Gang höher schalten – was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass er vor seinem Einstieg in die Politik als Star der Fernsehsendung «The Apprentice» (auf Deutsch: «Der Lehrling») wirkte. Wie dem auch sei. Merkel jedenfalls versicherte dem Präsidenten, dass die deutsche Industrie – die gemäss offiziellen Zahlen in den USA für 670000 Arbeitsstellen verantwortlich ist – ihm helfen werde.

Nebenbemerkung verschiebt den Fokus

Soweit die positive Nachricht für die Kanzlerin. Das erste Treffen zwischen Merkel und Trump verdeutlichte aber einmal mehr, wie unberechenbar der amerikanische Präsident ist: Eine Nebenbemerkung Trumps und sämtliche Argumentationshilfen werden zur Makulatur, weil sich die gesamte Medienberichterstattung um ein Thema dreht, über das niemand sprechen wollte.

Im konkreten Fall war es eine Anspielung des Präsidenten, mit dem er eine Frage des «Welt»-Korrespondenten Ansgar Graw beantwortete. Der deutsche Journalist hatte Trump gefragt, ob er nach wie vor an seiner Behauptung festhalte, dass sein Trump Tower in New York City während des Wahlkampfes 2016 Ziel eines Lauschangriffes geworden sei, angeordnet durch Barack Obama höchstpersönlich. Der Präsident deutete erneut an, dass Obama den Lauschangriff an den britischen Geheimdienst ausgelagert haben könnte, und sagte an die Adresse Merkels gerichtet: «Wenigstens haben wir vielleicht etwas gemeinsam.» Die Kanzlerin machte grosse Augen und sortierte peinlich berührt ihre Notizen. Bekanntlich hatte Merkel im Jahr 2013 erfahren, dass der Geheimdienst NSA unter Präsident Obama ihr Handy abgehört hatte. Sie reagierte damals mit den Worten: «Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht.»

Was bleibt damit vom Besuch der Kanzlerin in Washington? Einige warme Worte über die bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland und ein gemeinsames Bekenntnis zur Sicherheitspartnerschaft, zu der auch eine starke Nato gehört.

Die strittigen Punkte im Verhältnis zwischen dem nationalistischen Präsidenten und der Kanzlerin, die der Globalisierung grundsätzlich positiv gegenübersteht, wurden aber beim ersten Treffen vorerst ausgeklammert.