Deutschland
Zwei bissige Kandidaten und ein Buddha: So lief das Kanzler-Triell am TV – und das bedeutet es für Merkels Nachfolge

Am Sonntagabend traten die drei Bewerber um die Nachfolge von Angela Merkel zum verbalen Schlagabtausch an. CDU-Chef Armin Laschet stand mit dem Rücken zur Wand. Olaf Scholz war die Ruhe selbst - nur einmal kam er ins Schlingern. Und wie schlug sich Annalena Baerbock?

Fabian Hock
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Zeit für eine Aufholjagd ist nicht mehr viel: CDU-Chef Armin Laschet während des TV-Duells am Sonntag.

Zeit für eine Aufholjagd ist nicht mehr viel: CDU-Chef Armin Laschet während des TV-Duells am Sonntag.

Michael Kappeler / dpa Pool

Näher mit dem Rücken zur Wand als Armin Laschet kann man als Kanzlerkandidat der Union gar nicht stehen. Hatten CDU und CSU vor einem Jahr noch einen komfortablen Vorsprung in der Wählergunst vor der SPD, hat Laschet binnen Monaten alles verspielt.

Zuletzt gabs den schlechtesten Umfragewert für die Union jemals. SPD-Kandidat Olaf Scholz schaffte das Unmögliche - und holte Laschet nicht nur ein, sondern überflügelte ihn sogar.

Ein zufriedenes Lächeln huschte Annalena Baerbock mehrmals übers Gesicht - sie schaffte es wiederholt, gegen Armin Laschet auszuteilen.

Ein zufriedenes Lächeln huschte Annalena Baerbock mehrmals übers Gesicht - sie schaffte es wiederholt, gegen Armin Laschet auszuteilen.

Michael Kappeler / Pool / EPA

Mit diesem Selbstverständnis und um ihre jeweilige Position wissend, zogen die beiden Kandidaten der (ehemaligen) grossen deutschen Volksparteien ins TV-Duell am Sonntagabend. Laschet, plötzlich Underdog, war bissig. Scholz, der Buddha aus dem Norden, tiefenentspannt.

Die GroKo war nicht gut fürs Land, sagt Baerbock

Und die (einstige) Hoffnungsträgerin der Grünen, Annalena Baerbock? Kabbelte sich mit Laschet bei jeder Gelegenheit. Das Land muss erneuert werden - das war Baerbocks Botschaft. Abteilung Attacke von Anfang an: «Die Jahre des Abwartens der grossen Koalition von SPD und CDU haben diesem Land nicht gut getan», schmetterte sie Laschet und Scholz um die Ohren. Ein Satz, den die überwiegende Mehrheit der Deutschen so tatsächlich unterschreiben würde.

Buddha Scholz: Der SPD-Kandidat strahlte Ruhe aus. Nur einmal kam er ins Schlingern.

Buddha Scholz: Der SPD-Kandidat strahlte Ruhe aus. Nur einmal kam er ins Schlingern.

Michael Kappeler / dpa Pool

Laschet wiederum versuchte Baerbock (und auch Scholz) das Label des wirtschaftlichen Stillstands anzupinnen. Mit Steuererhöhungen würden die Menschen geplagt, mit immer weiteren Auflagen die Unternehmen, so Laschet. «Töricht» nannte Laschet die Pläne der Grünen, die Schuldenbremse über Bord zu werfen.

«Machen Sie mal Vorschläge, statt nur Fragen zu stellen»

Baerbock liess sich von solchen Angriffen nicht aus dem Konzept bringen. Sie boxte ihre Strategie durch, die da hiess: Immer feste drauf auf Laschet und die CDU. Als Laschet in Richtung Baerbock fragte, wie sie denn das mit der Rückzahlung des Energiegelds an die Bürger eigentlich bewerkstelligen wolle, gab die zurück: Es wäre schön, würde Laschet auch mal Vorschläge machen, «statt nur Fragen zu stellen».

Und Buddha Scholz? Der wartete in aller Seelenruhe ab, während sich Baerbock und Laschet an den Kragen gingen. Damit gelang ihm etwas eigentlich Unfassbares: Der Mann, der eine immer weiter nach links abdriftende SPD im Wahlkampf anführt, stand plötzlich als Kandidat der Mitte da.

Laschet gab den Mann der Wirtschaft, Baerbock die Sozialstaat-Ausbauerin. Und Scholz, der mit Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans zwei Parteivorsitzende über sich hat, die am allerliebsten mit der Linkspartei politisch anbandeln würden, holte sich Minute um Minute spürbar mehr Vertrauen im Volk ab. Der Kandidat macht fast vergessen, dass die SPD ihren Wesenskern der Arbeiterpartei eigentlich längst zu Gunsten von linken Inhalten aufgegeben hat.

Vier Wochen bleiben für die Trendwende

Aber eben auch nur fast vergessen. Denn Armin Laschet weiss natürlich um die inhaltliche Nähe von SPD und Grünen. Und erinnerte Scholz während des TV-Triells auch gerne daran, dass er, wenn er einem linken Bündnis als Kanzler vorstehen will, ja auch die Linkspartei ins Boot holen müsste. Eine vor allem aussenpolitisch irrlichternde Partei, die am liebsten die Nato abschaffen würde. Der in sich ruhende Scholz kam dann doch nochmal ins Schlingern, denn ausschliessen wollte er ein solches Bündnis trotzdem nicht.

Hat dieser Angriff gereicht, um den Deutschen hinreichend Angst vor dem linken Geist einer rot-rot-grünen Regierung zu machen? Der erste Eindruck lautet: Nein. Und erste Umfragen bestätigen das. Demnach sieht eine kleine, aber letztlich doch deutliche Mehrheit Scholz als Sieger des Duells. Baerbock landete knapp dahinter auf Rang zwei. Laschet konnte zwar punkten, aber nicht in der Qualität, die er gebraucht hätte.

Die SPD unter Olaf Scholz marschiert weiter stramm in Richtung Wahlsieg. Oder besser: Buddha Scholz ruht sich dort hin. Baerbock und Laschet haben noch knapp 4 Wochen Zeit, den Trend zu kehren.

Armin Laschet, Annalena Baerbook und Olaf Scholz.

Armin Laschet, Annalena Baerbook und Olaf Scholz.

Bild: Michael Kappeler / dpa Pool

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