Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der wandelbare Markus Söder: Hardliner, Wahlkämpfer, Landesvater

Grau ist er geworden, der Markus Söder. Nicht erst im Wahlkampf. Da aber auch, denn die letzten Monate haben dem 51-Jährigen alles abverlangt.
Ministerpräsident Markus Söder. (Bild: Keystone)

Ministerpräsident Markus Söder. (Bild: Keystone)

(sda dpa/Von Marco Hadem und Christoph Trost, DPA) Nicht nur in seiner Rolle als bayerischer Ministerpräsident, auch als oberster Wahlkämpfer der Christsozialen musste Söder alles geben. «Es war eine spannende Zeit, eine anstrengende Zeit», beschreibt er am Freitag am Rande seines letzten grossen Wahlkampftermins in München die sieben Monate seit seiner Wahl zum jüngsten Regierungschef in der Geschichte Bayerns.

Wer derzeit den Menschen hinter dem Politiker Markus Söder finden will, der muss tiefer graben als je zuvor. Nicht etwa, weil Söder im Wahlkampf sein Naturell absichtlich versteckte, oder weil es für die CSU derzeit so schlecht läuft, sondern weil er sich in den vergangenen Monaten in einem Tunnel auf dem Weg zu seinem grossen Lebensziel befindet: gewählter Ministerpräsident des Freistaats Bayern bleiben. Alles was ihn davon ablenkt, wird ausgeblendet.

Seine Konzentrationsfähigkeit hat Söder weit gebracht. Seit 1983 ist der Jurist CSU-Mitglied, von 1995 bis 2003 war er Chef der Jungen Union Bayern. Seit 1994 ist er Landtagsabgeordneter, seit 1995 Teil des Präsidiums, von 2003 bis 2007 war er Generalsekretär unter Ministerpräsident Edmund Stoiber ("mein Mentor und eine politische Vaterfigur»), seitdem im Kabinett.

Im März 2018 war es dann soweit: die CSU-Landtagsfraktion wählt Söder nach einem langen Machtkampf mit Parteichef Horst Seehofer zum neuen Ministerpräsidenten.

Paradoxe Situation

Wer sich dieser Tage dem Politiker Markus Söder annähern will, wird Zeuge einer paradoxen Situation. Der vierfache Vater geniesst schon lange deutschlandweit Bekanntheit.

Durch markige Aussagen hat sich der Fan des 1. FC Nürnberg über die Jahre das Image des Hardliners erworben. Dies hat zweifelsohne seinen Marktwert schnell in die Höhe schnellen lassen. Auf dem Zenit der Landespolitik angekommen, hat sich genau dieses Image aber auch als ein Bumerang entpuppt.

Auch wenn Söder sich seit Monaten bemüht, die Rolle des Landesvaters auszufüllen, ist sein Image ein anderes. Ausserhalb der CSU sehen ihn die meisten als Populisten, Scharfmacher und Rechtsaussen, vor Wochen wurde er per Umfrage zum unbeliebtesten Ministerpräsidenten in Deutschland gekürt.

Neuste Metamorphose

Während Söder solche Kritiken früher scheinbar rückstandslos an sich abperlen liess, verlangt seine neue Rolle einen anderen Umgang. Denn als Ministerpräsident, insbesondere in Zeiten absoluter CSU-Mehrheit, ist er auf ein besseres Image angewiesen. Dies zeigt Söder auch in der Stunde der Wahlniederlage am Sonntagabend, als er erklärt, die CSU werde das Ergebnis mit Demut annehmen.

Egal ob Söders neuste Metamorphose aus eigener Überzeugung oder nur aus wahltaktischen Gründen erfolgt. Fakt ist, Söder ist ein wahrlich wandelbarer Mann.

Dies zeigte sich alleine in den vergangenen Monaten mehrfach. So wurde Söder zur Bundestagswahl 2017 plötzlich leise. Keine verbalen Angriffe, selbst während der monatelangen Geduldsprobe bis zu seiner Wahl zum Ministerpräsidenten, schluckt er all seinen Ärger über seinen ewigen Kontrahenten Horst Seehofer herunter.

Zu Beginn des Landtagswahlkampfes ermöglicht Söder Interessierten sogar einen wohl dosierten Einblick in sein Privatleben. Und dies nicht irgendwo, sondern in Kinosälen.

Das Kalkül: Wer Sorge hat, seine Stimme einem Hardliner zu geben, kann dies bei einem Schüler mit Einser-Abitur und Fan von Hunden, Science-Fiction, ausgefallener Faschingsverkleidung sowie bekennenden Christen eher. Anfangs scheint die Strategie aufzugehen. Söders Sympathiewerte steigen.

Schuss nach hinten

Erst als im Frühsommer im Bund die Asylpolitik wiederholt für Streit sorgt, geht Söder wieder in die Offensive, spricht gar von «Asyltourismus», vom «Endspiel um die Glaubwürdigkeit» und sagt nebenbei das Ende des Multilateralismus voraus.

Doch der Schuss geht nach hinten los, der harte Kurs gegen die Politik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verfängt nicht mehrheitlich. Also schwenkt Söder wieder um, doch so sehr er auch um verbale Abrüstung bemüht ist, der angestrebte Imagewandel ist damit verpufft. Vorerst.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.