Der Unmut der Pegida bleibt

Die «Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» sind plötzlich in eine Krise geraten. Davon könnte die Partei Alternative für Deutschland profitieren.

Fritz Dinkelmann
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BERLIN. Nun droht den «Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes» (Pegida) eine Götterdämmerung. Denn in der nordischen Mythologie bedeutete das den Untergang der Götter im Weltenbrand, aus dem eine schönere Welt hervorgeht. So poetisch kann Wikipedia formulieren, was Pegida jetzt Hässliches widerfuhr und ihrer Protestbewegung einen Untergang vorhersagen lässt, der aber in einer Auferstehung münden könnte.

In Dresden mobilisierte Pegida noch am 12. Januar 40 000 Menschen, die auf der Strasse ihr Unwohlsein kundtaten, wütend auf eine Politik, von der sie sich nicht vertreten fühlen. Ein Grossprotest, der die Regierenden in Berlin so erschreckte, dass sich am letzten Sonntag in Günther Jauchs Talkshow fast ein Wunder zu ereignen schien. Erstmals stellte sich mit Kathrin Oerthel ein Pegida-Führungsmitglied der «Lügenpresse», und danach gab es immerhin einige führende Politiker, die sich gesprächsbereit gaben und damit die Hoffnung nährten, sie würden mit den in Dresden protestierenden Leuten reden.

Wählerpotenzial der AfD

Daraus wird vorerst aber nichts. Das, was sich in Dresden mit Pegida gezeigt hat, könnte verschwinden, noch ehe das Phänomen ergründet worden ist, das Politik und Medien schon fast mystisch angezogen hat. Pegida beherrschte die politische Agenda. Und nicht nur die CSU war beunruhigt, dass rechts der bayrischen Freistaats-Partei doch noch Politik gemacht werden könnte. Die Linke wendete sich angeekelt ab mit Verweis auf die Neonazi-Truppe in der Pegida, SPD und Grüne schlotterten, weil sich in Dresden das Wählerpotenzial zeigte, das die Alternative für Deutschland (AfD) hat.

So blieb die AfD bis jetzt eine fremde, von allen andern gemiedene Partei. Ihre Wahlerfolge verstärkten die Abwehrhaltung. Dieser arroganten und ignoranten Haltung machten die Pegida-Proteste den Garaus. Jeden Montag dokumentierten ihre Kundgebungen einen Frust, der schon lange da ist in einem Land, das mit Kanzlerin Angela Merkel eine ebenso populäre wie autoritäre Regierungschefin hat. Sie hat das Wort, und sie erteilt es – und plötzlich redeten in Dresden einige ungefragt? «Wenn man in diesen Pegida-und-Legida-Tagen von direkter Demokratie spricht, laufen viele Politiker schreiend davon», schrieb die «Süddeutsche» und fragte: «Kann, soll, darf man die Demokratie wirklich der Strasse ausliefern?»

Initiant zurückgetreten

Einem wie Lutz Bachmann? Ihm muss sich die Politik nicht mehr ausgeliefert fühlen, denn der Pegida-Initiant ist jetzt zurückgetreten. Er scheitelte sich wie Hitler, klebte sich einen Sieg-Heil-Schnauz auf und publizierte ein Selfie. Und weil die Staatsanwaltschaft auch auf Facebook ist und dort unter seinem Namen Asylbewerber als «Viehzeug», «Dreckspack» und «Gelumpe» beschimpft sah – und jetzt ermittelt. Wer die Beerdigungsglocken für Pegida jetzt schon hört, sollte versuchen, sich die Morgenröte bei der AfD vorzustellen.