Der Traum von der Unabhängigkeit

Separatismus Hunderttausende haben am Sonntagnachmittag in Katalonien für die Loslösung von Spanien demonstriert. In gleich fünf Städten gab es Kundgebungen.

Ralph Schulze/Barcelona
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Die Kundgebungsteilnehmer forderten das Recht ein, über die Unabhängigkeit von Spanien abstimmen zu dürfen – eine Forderung, die von der spanischen Regierung mit Hinweis auf die Verfassung abgelehnt wird, in der die Einheit des Königreichs verankert ist. Durch den Widerstand von Spaniens Zentralregierung in Madrid haben sich die katalanischen Separatisten, welche die Regionalregierung stellen, bisher aber nicht stoppen lassen.

Die grösste Kundgebung fand in der katalanischen Regionalhauptstadt Barcelona statt, wo an vielen Häusern Unabhängigkeitsfahnen wehten und sich auch viele Demonstranten in katalanische Flaggen hüllten. Weitere Protestmärsche zogen durch Tarragona, Lleida, Salt und Berga. Die Demonstrationen, zu denen sich 360 000 Menschen angemeldet hatten, standen unter dem Motto «Wir sind kurz davor, unseren Traum zu erfüllen – die katalanische Republik».

Katalanische Regierung will Abspaltung 2017

Der Unabhängigkeitsfahrplan der katalanischen Separatistenregierung sieht vor, innerhalb der nächsten zwölf Monate vollendete Tatsachen zu schaffen. Bereits seit Monaten wird an einer eigenen Verfassung und an der Schaffung staatlicher Strukturen wie etwa einem Sozialversicherungssystem gearbeitet. Bis September 2017 soll Katalonien durch eine einseitige Unabhängigkeitserklärung von Spanien abgenabelt werden.

Katalonien pflegt seine eigene Kultur sowie Sprache und ist eine der wirtschaftsstärksten Regionen Spaniens.

Anlass der jüngsten Massendemonstrationen war der katalanische Regionalfeiertag am 11. September. Dieses Datum erinnert an jenen Tag, an dem im Jahr 1714 die katalanischen Truppen von den königlichen spanischen Soldaten besiegt wurden. Mit dieser Niederlage verlor Katalonien seine weitreichende Selbstverwaltung und wurde in das spanische Königreich eingegliedert.

Regierungschef Rajoy lehnt Zugeständnisse ab

Die Sezessionisten haben im Regionalparlament nur eine knappe Mehrheit der Abgeordneten hinter sich. Die 7,5 Millionen Katalanen sind in der Unabhängigkeitsfrage geteilt. Allerdings befürwortet – Umfragen zufolge – eine breite Mehrheit der katalanischen Bevölkerung, den sich verschärfenden Konflikt mit einer Volksabstimmung zu lösen.

Auch ganz Spanien streitet darüber, ob man den Katalanen ein Referendum erlauben soll. Jene Parteien, welche ein regionales Selbstbestimmungsrecht unterstützen, haben ein Drittel der spanischen Wähler hinter sich. Die grösste Oppositionspartei, die Sozialisten, sind uneins. Der in Spanien regierende Konservative Mariano Rajoy, der seit dem Verlust der absoluten Mehrheit nur geschäftsführend im Amt ist, lehnt derweil jegliche Zugeständnisse ab.