Der Traum vom starken Mann

In den USA läuft derzeit auf allen Kanälen die Donald-Trump-Show. Der Immobilien-Milliardär und Fernsehunterhalter will ins Weisse Haus.

Frank Herrmann
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Donald Trump (Bild: ap)

Donald Trump (Bild: ap)

Washington. Im Mai, spätestens im Juni, will er Farbe bekennen, der Magnat, der in der Talentshow «The Apprentice» pfiffige Manager sucht und vermeintlich ungeeignete Lehrlinge resolut feuert. Früher flirtete er mit den Demokraten, aber das ist vorbei. Falls er ins Rennen geht, dann für die Republikaner. Dort hält sich der Andrang der Bewerber vorerst in Grenzen. Trump füllt ein Vakuum. Und klopft Stammtischsprüche.

Dem Sieger gehört alles

Nach Libyen würde er Bodentruppen entsenden, aber nur, wenn Amerika das libysche Öl behalten darf. So sei es schliesslich «in den alten Tagen» gewesen: «Wenn du Krieg führst und gewinnst, gehört dir die besiegte Nation.» Gleiches gilt für Irak. Die geschätzten 1,5 Billionen Dollar, die der neunjährige Militäreinsatz im Zweistromland den US-Steuerzahler bis dato kostete – Trump will sie zurückholen, indem er irakische Öleinnahmen auf US-Konten umleitet, bis die Summe beglichen ist. Auch im Handelsstreit mit China würde er nicht lange fackeln, sondern kurzerhand 25 Prozent Zoll auf alle Importe draufschlagen, falls Peking nicht endlich seine Währung aufwertet.

Detektive gegen Obama

Und was Barack Obama angeht, so vollzieht der 64-Jährige eine spektakuläre Kehrtwende. Sprach er früher voller Respekt vom Aufstieg des Senkrechtstarters, so verbündet er sich jetzt mit rechten Neidern. Die glauben trotz gegenteiliger Beweise noch immer, dass Obama statt auf Hawaii in Kenia geboren wurde und daher gar nicht im Oval Office sitzen darf. Trump hat sogar Privatdetektive angeheuert, um dem Verdacht nachzugehen.

«Der Gospel des Erfolgs»

So verschroben das alles wirkt, in Umfragen der Republikaner liegt Trump als möglicher Kandidat derzeit auf Platz zwei, dicht hinter dem Geschäftsmann Mitt Romney. Trump predige «den Gospel des Erfolgs», erklärt David Brooks, ein renommierter Kolumnist, das Phänomen. Zudem bediene er eine diffuse Sehnsucht nach dem starken Mann, der die Nation durch schwere Zeiten führe. Wie ausgeprägt sein Ego ist, hat Donald Trump in einem seiner Bücher («Think Like a Champion/Denke wie ein Sieger») beschrieben: «Mein Name ist so gross, dass er mit dem Goldstandard gleichgesetzt wird.»