Der Secret Service der USA erhält erstmals eine Chefin

Die 53jährige Julia A. Pierson ist von US-Präsident Obama als erste Frau an die Spitze des Secret Service berufen worden.

Thomas Spang
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Julia A. Pierson (Bild: epa)

Julia A. Pierson (Bild: epa)

WASHINGTON. Julia Pierson verdiente als Schülerin in Florida einmal ihr Geld damit, Kinder in Disneyworld zu belustigen. Als Direktorin des United States Secret Service liegt es künftig in ihrer Verantwortung, den Präsidenten, führende Politiker und Staatsgäste zu schützen. Vor allem aber muss sie im eigenen Dienst aufräumen, der an zu viel Testosteron leidet.

Chefin von 5000 Angestellten

Seit letztes Jahr öffentlich wurde, wie sich 13 Secret-Service-Agenten in Kolumbien mit Prostituierten verlustierten, statt den anstehenden Staatsbesuch Obamas vorzubereiten, leidet die 148 Jahre alte Institution unter einer Vertrauenskrise. Langjährige Vertraute Piersons sagen ihr aber die nötige Durchsetzungsfähigkeit nach, um den Männerverein reformieren zu können. Jedenfalls bedeutet ihre Berufung eine neue Ära für die Institution, in der gerade einmal jede zehnte der rund 5000 Angestellten eine Frau ist.

Pierson studierte Strafrecht und arbeitete danach zuerst als Agentin im Büro des Secret Service in Miami. Während der Amtszeit von Präsident Bush senior (1988–92) stieg sie in den erlauchten Kreis der Agenten auf, die den Präsidenten schützten. Danach erhielt sie eine Beförderung ins Management. Kritiker halten ihr deshalb vor, seitdem nur noch am Schreibtisch gesessen zu haben.

Männlicher Kandidat fiel durch

Dem Vernehmen zog Obama sie einem männlichen Kandidaten vor. «Julia ist enorm qualifiziert, die Agentur zu führen, die für die Sicherheit der Amerikaner bei grossen Veranstaltungen sorgt», lobte der Präsident die Neue an der Spitze der Organisation, die im letzten Haushaltsjahr für die Sicherheit hochrangiger Politiker und deren Gästen auf 5600 Inland- und fast 400 Ausland-Reisen sorgte.

Der Secret Service sollte ursprünglich den Umlauf von Dollar-Blüten bekämpfen. Erst nach dem Mord an Präsident William McKinley 1901 übernahm er den Schutz des Präsidenten. «Eine kleine Agentur, mit einer grossen Aufgabe», sagt Pierson.

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