Der schwierige Marathon ins Weisse Haus

Wer in die Pennsylvania Avenue mit der Hausnummer 1600 einziehen möchte, muss im Wahlkampf möglichst viel Abstand von Washington suchen. Dieses Paradox macht Iowa geradezu zum idealen Startpunkt für den Marathon ins Weisse Haus.

Thomas Spang/Washington
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Wer in die Pennsylvania Avenue mit der Hausnummer 1600 einziehen möchte, muss im Wahlkampf möglichst viel Abstand von Washington suchen. Dieses Paradox macht Iowa geradezu zum idealen Startpunkt für den Marathon ins Weisse Haus. Der Farmer-Staat im Mittleren Westen liegt weit genug entfernt, damit die Kandidaten hier richtig gegen Washington vom Leder ziehen können. Repräsentativ ist die Wählerschaft aber nicht. Der blütenweisse Bundesstaat mit seiner stark evangelikal angehauchten Bevölkerung spiegelt wenig von den demographischen Realitäten des modernen Amerika. Was erklären mag, warum sich hier mit Einwanderung und Terrorismus besonders gut Stimmung machen lässt. Zudem wählen Republikaner und Demokraten in Iowa ihre Delegierten für die Nominierungsparteitage im Juli nicht in der Wahlkabine. Stattdessen werden sie auf lokalen Versammlungen bestimmt, die als «Caucuses» bekannt sind.

Überraschungen möglich

Die Vorwahlen in Iowa vom kommenden Montag haben deshalb nur begrenzte Aussagekraft. Die letzten beiden Sieger bei den Republikanern, Mike Huckabee (2008) und Rick Santorum (2012), verschwanden schnell wieder von der Bildfläche. Iowa ist dennoch wichtig, weil Kandidaten wie einst Barack Obama in der Ausmarchung mit Hillary Clinton für Überraschungen sorgen können.

In diesem Jahr wäre dies ein herausragendes Abschneiden von Bernie Sanders, des Herausforderers der früheren First Lady. Oder ein starker Auftritt eines moderateren republikanischen Bewerbers wie Marco Rubio. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Zweikampf zwischen dem Rechtspopulisten Donald Trump und Ted Cruz, dem nicht weniger radikalen Senator aus Texas. Kann der Milliardär aus New York die Aufmerksamkeit der vergangenen Monate in Wählerstimmen umsetzen?

Die andere wichtige Funktion der Vorwahl in Iowa besteht im Verkleinern des Kandidatenfelds, das auf Seiten der Republikaner mit 14 immer noch ungewöhnlich gross ist.

Entscheidung im März

Bei den Vorwahlen in New Hampshire, «Primaries» genannt, dürfte am 9. Februar ein sehr viel kleineres Feld ankommen. Im kleinen Neuengland-Staat werden geheime Wahlen durchgeführt. Hier sind Aussenseiter aufgestiegen und haben Verlierer von Iowa ihr Comeback gefeiert. Für weniger konservative Republikaner wie Jeb Bush, Chris Christie, Marco Rubio und John Kasich schlägt im moderaten New Hampshire die Stunde der Wahrheit. Während der aus dem Nachbarstaat Vermont stammende Bernie Sanders zeigen muss, dass er gegen Clinton gewinnen kann. Wenn nicht hier, wo dann?

In South Carolina steht dann am 20. Februar für die Republikaner der wichtige Stimmungstest für den Süden an. Dort schlägt das konservative Herz der «Grand Old Party». Wer sich hier behaupten kann, geht mit Rückenwind in den «Super-Dienstag» am 1. März, an dem dreizehn Staaten ihre Delegierten-Stimmen vergeben.

Dann findet der Wahlkampf auf einer nationalen Bühne statt. Was zählt, sind die Geldreserven der Kandidaten für teure TV-Werbung und die Organisation vor Ort. Spätestens dann der kleine «Super-Dienstag» am 15. März sollte die Ausgangslage für die Nominierungsparteitage im Juli klären.

Nach einer kurzen Sommerpause tritt der Wahlkampf Anfang September mit den drei TV-Debatten in die heisse Phase. Am 8. November schliesslich wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten bestimmt.

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