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Der Rebell, der keiner sein mag

CDU und CSU haben Ralph Brinkhaus zum neuen Fraktionsvorsitzenden der Union gewählt. Eine schwere Schlappe für Kanzlerin Angela Merkel.
Christoph Reichmuth, Berlin
Der neue Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU). Bild: Kay Nietfeld/Keystone (Berlin, 25. September 2018)

Der neue Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU).
Bild: Kay Nietfeld/Keystone (Berlin, 25. September 2018)

«Ralph wer?», fragte die «Süddeutsche Zeitung» in ihrer gestrigen Ausgabe. Das trifft den Nagel auf den Kopf: Der neue Chef der Fraktion von CDU und CSU im Bundestag, Ralph Brinkhaus, war bis Dienstag kurz vor 17 Uhr einer breiten Öffentlichkeit überhaupt nicht bekannt. Dann verbreiteten Eilmeldungen und Push-Nachrichten die Sensation: Der absolute No-Name Ralph Brinkhaus bugsiert Merkels Vertrauten Volker Kauder nach 13 Jahren von der Unionsfraktionsspitze.

Nun steht der 50-jährige Steuerberater der mit 246 Abgeordneten grössten Bundestagsfraktion vor. Vor allem aber ist Brinkhaus zum Synonym geworden für Merkels schwindende Macht, er gilt nun als der glatzköpfige Rebell. Schliesslich hat es der Ostwestfale gewagt, sich bei der Wahl zur Fraktionsspitze Merkels Vertrautem Volker Kauder in den Weg zu stellen. Mahnungen der Kanzlerin, Brinkhaus möge auf die Kampfkandidatur verzichten, schlug der Wirtschaftswissenschafter schon im August aus. Er wolle einen personellen Neuanfang an der Fraktionsspitze. Ein Signal des Aufbruchs senden. Dass sie in der Union trotz schwindender Zustimmungswerten nicht einfach weiterwursteln wie bis anhin. Brinkhaus’ Botschaft reichte, um ein politisches Beben auszulösen.

Während Kommentatoren bereits über das Ende der Ära Merkel sinnieren, wird Brinkhaus medial gefeiert. Immerhin hat der Mann aus der zweiten Reihe im stillen Kämmerlein und ganz ohne Seilschaften den Mega-Coup gelandet. Weil er weder ins Lager der Merkel-Gegner noch zu den treuen Merkelianern gehört, war er am Ende für alle wählbar. «Brinkhaus hat Ton und Stil gewahrt. Das hat es ihm ermöglicht, bei Merkel-Gegnern wie Merkel-Sympathisanten zu punkten. Anders wäre dieser Sieg kaum möglich gewesen», attestiert die SZ und sieht in dem hochanständigen Vorgehen Brinkhaus’ ein erstrebenswertes Gegenmodell zu einer Politik, in der zunehmend auf den Mann gespielt wird.

Den Anstand behielt er auch in der Stunde seines grössten Erfolges. Interpretationen, wonach seine Wahl das Ende Merkels einläuteten, widersprach er deutlich. Er wolle die Fraktion eigenständiger positionieren, seine Kandidatur sei keine Kandidatur gegen Merkel. «Eines ist klar: Die Fraktion steht ganz fest hinter Angela Merkel», sagte er. Rufen aus der Opposition, wonach die Kanzlerin nun die Vertrauensfrage stellen müsse, entgegnete er: «Das ist Blödsinn.» Auch wenn man gerne die Geschichte des Revoluzzers erzählen würde, Brinkhaus taugt nicht dazu. Brinkhaus wollte bloss ­frischen Wind in die Fraktion bringen. Sein Vorgehen war demokratisch, von Aufstand mag er selbst nicht sprechen. Der 50-Jährige hat nun etwas gemein mit Konrad Adenauer, Helmut Kohl und Angela Merkel. Die waren auch mal Fraktionschefs der Union. Und wurden später Kanzler.

Hinweis

Eine Analyse zu Angela Merkels geschwächter Position finden Sie auf Seite 7.

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