Der neue Premier heisst Philippe

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Paris Frankreichs neuer Premierminister heisst Edouard Philippe. Der wenig bekannte Konservative ist Bürgermeister der nordfranzösischen Hafenstadt Le Havre – und eine taktische Wahl: Er soll die bürgerliche Rechte auf die Seite von Präsident Emmanuel Macron holen.

Philippe, Sohn eines Lehrerpaares, das zum Teil in Deutschland tätig war, ist zwar Mitglied der konservativen Republikaner. Aber er absolvierte wie Emmanuel Macron die Ecole Nationale d’Administration (ENA), die Kaderschmiede der französischen Politelite.

Im Präsidentschaftswahlkampf schrieb Philippe in einer Kolumne noch gegen Macron an: Dieser werde oft mit Kennedy verglichen, doch fehle es ihm an Charisma. Auch könne man nicht behaupten, dass er als Wirtschaftsminister «sehr viel bewegt hätte». Sehr böse klang das mitnichten. In einem Zeitungsinterview erklärte Philippe sogar: «Macron denkt zu 90 Prozent wie ich.»

Die intellektuelle Nähe ist allerdings nicht der einzige Grund, warum der politisch unabhängige Präsident den Kon­servativen zu seinem Premier ­gemacht hat. Es geschah auch, gerade weil Philippe den gegnerischen Republikanern angehört. Der neue Staatschef braucht bei den Parlamentswahlen im Juni eine Regierungsmehrheit. Die moderate Linke hat er bereits auf seiner Seite, aber er muss auch bürgerliche Wähler anziehen.

Macron wurde unlängst gefilmt, wie er seinen Mitarbeitern erklärte: «Wir müssen jenen Teil der Rechten destabilisieren, der sich nicht in François Fillon wiedererkennt.» Also jene Fraktion der Republikaner, die dem gemässigten Fillon-Widersacher Alain Juppé zuneigt. Das trifft sich gut: Philippe ist ein Parteigänger Juppés. Und für Macron ist er nun das Werkzeug zur Aushebelung der Républicains. (sbp)