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Ein TV-Moderator gibt den Wahlkämpfer

Regelmässig deckt Präsident Donald Trump die Massenmedien mit scharfer Kritik ein. Auch sucht er die Nähe zum Nachrichtensender «Fox News Channel» – und Moderatoren mit rechter Schlagseite. Von dieser Strategie profitiert aber auch die Konkurrenz.
Renzo Ruf, Washington
Donald Trump begrüsst Moderator Sean Hannity bei einem Wahlkampfauftritt. Bild: Jim Watson/Getty (Cape Girardeau, 5. November 2018)

Donald Trump begrüsst Moderator Sean Hannity bei einem Wahlkampfauftritt. Bild: Jim Watson/Getty (Cape Girardeau, 5. November 2018)

Die Stimme des Fernsehmoderators klang vorwurfsvoll. «Du hast meinen Eröffnungsmonolog verpasst», sagte Sean Hannity seinem hochrangigen Gast während eines Live-Interviews auf dem Nachrichtensender «Fox News Channel». Stimmt nicht, gab dieser zurück, er habe sich Hannitys «Opening Monologue» – ein Destillat sämtlicher Argumente, die für eine Stimmenabgabe zu Gunsten der Republikanischen Partei sprächen – in seinem Flugzeug zu Gemüte geführt. Denn er gehöre zum Stammpublikum von Hannity und habe «noch nie» einen Monolog des rechten Moderators verpasst. «Ich würde das nie tun», sagte der Gast, bei dem es sich um Präsident Donald Trump handelte.

Sollten noch Zweifel über die Nähe einiger «Fox News»-Aushängeschilder zum Weissen Haus bestanden haben, wurden sie am Montagabend ausgeräumt. Nicht nur sendete Hannity live aus der Sportarena in Cape Girardeau im Bundesstaat Missouri, und interviewte Trump kurz vor seinem vorerst letzten Wahlkampfauftritt. Auch folgte Hannity der Einladung des Präsidenten, mit dem er schon lange freundschaftlich verbunden ist, und richtete einige Worte an die Tausenden von johlenden Zuschauern. Trump habe sämtliche Versprechen gehalten, die er gemacht habe, sagte Hannity während seines 70 Sekunden dauernden Auftrittes.

Abfällige Äusserungen über Journalisten

Auch äusserte sich der Mode- rator abfällig über die versammelte Journalistenschar («Fake News»), zur grossen Freude des Präsidenten. Dieser Auftritt erfolgte, nachdem derselbe Hannity wenige Stunden zuvor auf dem Kurznachrichtendienst Twitter behauptet hatte: Die Berichte, wonach er in Cape Girardeau gemeinsam mit dem Präsidenten auf der Bühne um Stimmen für die Republikaner werben werde, seien falsch. Er werde am Rande der Veranstaltung nur seine Fernsehsendung moderieren, die täglich von mehr als 3 Millionen Menschen konsumiert wird. Dass die Einladung für die Trump-Veranstaltung ihn als Ehrengast («Special Guest») angekündigt hatte, ignorierte Hannity beim Verfassen seines Dementis geflissentlich.

Aber eigentlich sollten Zweifel über die Quasi-Symbiose zwischen dem erfolgreichen Nachrichtensender und dem Präsidenten schon lange nicht mehr bestehen. In den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit hat Trump «Fox News Channel», der zum Medienimperium von Rupert Murdoch gehört, insgesamt 39 Interviews gewährt. Dies entspricht rund einem Viertel sämtlicher Gespräche des Präsidenten mit Medienschaffenden, wie einer Statistik des «CBS»-Korrespondenten Mark Knoller zu entnehmen ist. Die bevorzugten Fragesteller waren dabei Hannity und Jeanine Pirro, die jeden Samstag das Programm «Justice with Judge Jeanine» moderiert. Beide Moderatoren leisten Gewähr, dass der Präsident nicht mit allzu kritischen Fragen konfrontiert wird.

Intern ist diese devote Haltung nicht ganz unbestritten. So beklagte sich die «Fox»-Nachrichtensprecherin Martha MacCallum diese Woche in einem Interview mit einer Zeitung in Philadelphia darüber, dass die Kritiker ihrem Sender den Schmähtitel «Staatsfernsehen» verliehen haben. Einzelne Moderatoren verträten rechte Positionen, sagte MacCallum, aber dies bedeute nicht, dass sämtliche «Fox»-Programme eine Schlagseite aufwiesen.

Zweifelsohne ist der Präsident aber der Meinung, dass ihm «Fox News» freundlich gesinnt ist. So verbreitet er über Twitter häufig Neuigkeiten und Gerüchte, die er während seines täglichen Fernsehkonsums aufschnappte. Auch greift er bei der Rekrutierung des politischen Personals seiner Regierung regelmässig auf den Sender zurück. So war Heather Nauert, die Sprecherin des Aussenministeriums und Anwärterin auf den Posten der amerikanischen Botschafterin am Hauptsitz der Vereinten Nationen, bis 2017 eine «Fox News»-Moderatorin.

Trump-kritische Medien profitieren

Interessanterweise profitiert auch die Konkurrenz von dieser Symbiose und davon, dass Trump die Massenmedien konstant mit Kritik eindeckt. So bringt es Rachel Maddow, die auf dem Nachrichtensender «MSNBC» zur gleichen Uhrzeit wie Sean Hannity auf «Fox News» das Tagesgeschehen analysiert, auf ähnlich gute Einschaltquoten. Maddow ist ungefähr so links wie Hannity rechts ist. Und dem Sender «MSBNC», der in der Präsidentschaft von Barack Obama zuletzt ein Nischendasein fristete, geht es blendend.

Auch die landesweit führenden Tageszeitungen, die der Regierung Trump kritisch auf die Finger schauen, registrieren eine grössere Nachfrage. Zuletzt verkündete die «New York Times», das führende Blatt der Ostküste, einen Zuwachs der Abo-Einnahmen von 246,6 Millionen Dollar im 3. Quartal 2017 auf 257,8 Millionen Dollar im 3. Quartal 2018 – auch dank eines starken Wachstums bei den digitalen Abonnementen. Auch der Präsident gehört zu den Lesern der «Times». Seine Begründung? «Ich muss wissen, was der Feind denkt.»

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