Der lästige Leibwächter Macrons meldet sich zurück

Ein alter Bekannter ruft sich dem französischen Präsidenten Macron in Erinnerung: Sein entlassener Sicherheitsmann Alexandre Benalla beansprucht weiterhin eine offizielle Rolle.

Stefan Brändle, Paris
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Der französische Ex-Sicherheitschef Alexandre Benalla bei seiner Anhörung in Paris. (Bild: Thibault Camus/AP (19. September 2018))

Der französische Ex-Sicherheitschef Alexandre Benalla bei seiner Anhörung in Paris. (Bild: Thibault Camus/AP (19. September 2018))

Emmanuel Macron bemühte sich in seiner Silvesteransprache wort- und gestenreich, Optimismus zu verströmen – und den Ausdruck «gilets jaune» zu vermeiden. «Wir können es besser machen und wir müssen es besser machen», erklärte er im Versuch, einen Schlussstrich unter die zu einer Sozialkrise ausgewachsene Steuerrevolte zu ziehen. Auf der Champs-Élysées demonstrierten derweil nur noch einige hundert «Gelbwesten»; in der Masse der Zaungäste, Touristen und 12000 Polizisten ging ihr Ruf «Macron démission» aber weitgehend unter. Ob die Bürgerbewegung nach der Festtagspause zu einer zweiten Jugend finden kann, muss sich erst noch weisen.

Eine Rückkehr mit Posaunen feiert hingegen Alexandre Benalla, Ex-Sicherheitschef im Élysée-Palast. Nachdem der 27-Jährige im letzten Sommer mit einer Prügelattacke auf Demonstranten eine kleinere Staatsaffäre losgetreten hatte, meldet er sich nun in der Pariser Politik zurück. Und schon wird er dem Präsidenten von neuem lästig.

Verwirrung um Diplomatenpass

Zuerst in N’Djamena, der Hauptstadt der Republik Tschad, wo Macron mit französischen Anti-Dschihad-Einheiten Weihnachten feierte: Wie sich erwies, hatte der geschasste Leibwächter wenige Tage zuvor N’Djamena besucht und dort Sondierungen vorgenommen. Das sei im Beisein katarischer und libanesischer Geschäftsleute passiert, hiess es zwar; in Paris wird aber nur die Frage diskutiert, ob Benalla wohl im Auftrag des Élysées den Präsidentenbesuch vorbereitet habe. Er reiste nämlich mit einem Diplomatenpass dorthin.

Das Präsidialamt erklärte darauf, Benalla hätte diesen Ausweis nach seiner Entlassung eigentlich zurückgeben müssen. Der Angesprochene widersprach durch seinen Anwalt: Ein Élysée-Beamter habe ihm den Diplomatenpass im Oktober bei einem Geheimtreffen auf offener Strasse ausgehändigt – und angefügt, er solle damit «keine Dummheiten» machen.

In einem Interview mit dem Enthüllungsportal Mediapart fügte Alexandre Benalla über die Feiertage an, er habe sich mit Macron bis vor kurzem noch regelmässig über das gesicherte Kommunikationsmittel Telegram Messenger unterhalten. Gesprächsthemen seien etwa «die Gelbwesten, einzelne Personen oder Sicherheitsfragen» gewesen. Wohl wissend, wie brisant diese Kontakte wären, fügte Benalla an: «Ein Dementi wird nur schwer zu erbringen sein, da ich diese Gespräche auf meinem Handy gespeichert habe.»

Das Élysée tut die Gespräche dagegen als «purer Wahn» ab. Wie gross die Nervosität ist, zeigte sich in der Feststellung eines Präsidialsprechers, das Élysée wolle nicht auf jede Wortmeldung Benallas öffentlich reagieren – obwohl es genau dies seit Tagen schon macht.

Benalla werden Groll und Rachegefühle nachgesagt

Mediapart-Gründer Edwy Plenel, der noch nie als Fürsprecher Macrons aufgefallen ist, meinte hingegen, er habe allen Grund zur Annahme, dass Benalla die Wahrheit sage. Unbeteiligte Stimmen wenden ein, dass Benalla von Rachegefühlen getrieben sei: In dem Mediapart-Interview prangert er voller Groll die «Technokraten-Familie» im Élysée an, die «schlimmer als die Mafia» sei. Der Ex-Kommunikationschef des früheren Staatschefs François Hollande, Gaspard Gantzer, spricht von einem «schlechten Agentenfilm», bei dem das Élysée die Fakten unter den Teppich zu kehren versuche. Die Sozialisten verlangen auf reichlich theatralische Weise die Wiedereinberufung der Benalla-Untersuchungskommission, um zu eruieren, ob die Diplomatenpässe wirklich vom Élysée ausgegeben worden sind.

Der zweite Akt der Benalla-Affäre würde an sich nicht mehr Aufmerksamkeit als eine Politposse verdienen – wenn sie nicht alle Anstrengungen des geschwächten Präsidenten zunichte machen würde, mit neuer Kraft in das neue Jahr zu starten. Gegenüber der Zeitung «Le Parisien» bemerkte ein Vertreter der Macron-Partei La République en marche nur: «Es wird Zeit, dass diese Geschichte zu Ende geht.» Es sei denn, dass Alexandre Benalla seine Telefongespräche mit Macron wirklich veröffentlicht. Das würde die ohnehin lädierte Autorität des Staatschefs noch ganz untergraben.

«Gelbwesten» demonstrieren am siebten Wochenende in Folge

Die französischen «Gelbwesten» sind am Samstag aus Protest gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron erneut auf die Strasse gegangen. Blockaden, Kundgebungen und andere Aktionen waren etwa in Paris, Lyon, Nantes, Toulouse, Bordeaux und Marseille geplant.

Macron reagiert im Fall Benalla trotzig

Präsident Emmanuel Macron kommt in der Bodyguard-Affäre von allen Seiten unter Beschuss: Linke wie Rechte haben in Paris zwei Misstrauensanträge wegen Vertuschungsversuchen und Geheimpraktiken eingereicht.
Stefan Brändle, Paris