Der japanische Prinz

«Verbeugen, Bedauern und Entschuldigen» – er hat das japanische Ritual bei Fehlern und Versagen oft wiederholt in den zurückliegenden Wochen. Nun feiert der «Prinz», wie er in den japanischen Medien genannt wird, sein Comeback.

Drucken
Teilen
Shinzo Abe muss als Premierminister mehr Stehvermögen zeigen. (Bild: Franck Robichon/epa)

Shinzo Abe muss als Premierminister mehr Stehvermögen zeigen. (Bild: Franck Robichon/epa)

«Verbeugen, Bedauern und Entschuldigen» – er hat das japanische Ritual bei Fehlern und Versagen oft wiederholt in den zurückliegenden Wochen. Nun feiert der «Prinz», wie er in den japanischen Medien genannt wird, sein Comeback. Schon 2006 war Shinzo Abe der starke Mann des Landes, punktete als jüngster Premier der Nachkriegsgeschichte und als «der schickste Mann des Landes». Aber nach nur einem Jahr quittierte der Regierungschef «aus gesundheitlichen Gründen» völlig überraschend seinen Dienst am Volk.

Insider sagen, der heute 58-Jährige sei überfordert gewesen und vor einer schwierigen Plenartagung mit MagenDarm-Problemen in ein Krankenhaus geflüchtet. Nach seinem unrühmlichen Abgang ging zwei Jahre später auch seine Partei im Wahlkampf unter.

Wie Phönix aus der Asche

So verblüffend wie er aus der grossen Politik verschwand, tauchte Shinzo Abe im September wieder auf, erfand sich neu und trat als Kandidat für den Parteivorsitz der Liberaldemokraten an, gewann in einem zweiten Wahlgang unerwartet gegen den eigentlichen Favoriten und wurde damit zum Spitzenkandidaten der LDP. Für viele Parteimitglieder war dieses Votum ein Schock. Abe selbst gestand, dass auch Freunde dringend abgeraten hatten. Die erste Amtszeit, die er als «Weichei» beendete, war ihnen noch in peinlicher Erinnerung. Heute erklärt Abe, er bedaure sehr, sein Amt als Premierminister 2007 im Stich gelassen zu haben. Aber er habe sich geändert und verdiene eine neue Chance. Der damals Entnervte will willensstärker sein als damals, topfit und entschlossen, die drittgrösste Volkswirtschaft aus der Krise zu führen, sagt er. «Als eine Person, die in der Politik bereits einmal gescheitert ist, möchte ich jetzt alles für Japan geben.» Beim Wähler ist die traditionelle Reue offenbar gut angekommen. Diese Erfahrung, seine Vernetzung in der politischen Szene, seine Versprechen und vor allem seine Herkunft sind für viele Japaner ein Hoffnungsschimmer nach drei Jahren Stagnation.

Den Traditionen verpflichtet

Der künftige Premier, der sein Berufsleben in der Privatwirtschaft als Jurist begonnen hat, stammt aus dem politischen Adel des Landes. Sein Grossvater Nobosuke Kishi musste zwar als wichtiger Minister im Zweiten Weltkrieg drei Jahre im Gefängnis verbringen, prägte aber dann als Regierungschef von 1957 bis 1960 das Japan der Nachkriegsgeschichte und beeindruckte seinen Enkel stark. In Japan schwärmen Abe-Anhänger von der «politischen DNA» der Familienmitglieder. Sein Grossonkel Eisaku Sato war ebenfalls Regierungschef, und sein Vater Shintaro Abe fungierte als Aussenminister und galt als Anwärter für das höchste Regierungsamt, bevor er an einer schweren Krankheit starb.

Das «Blaublut der japanischen Politik» folgte bei seiner ersten Mission 2006 als 57. Regierungschef Nippons dem charismatischen Junichiro Koizumi. Damals wie heute steht Abe für die Bewahrung konservativer Traditionen.

Angela Köhler

Aktuelle Nachrichten