Der Haussegen bei den Chiracs hängt schief

Soll Nicolas Sarkozy ein Comeback als französischer Präsident feiern? Diese Frage sorgt für Unmut zwischen dem früheren Präsidenten des Landes, Jacques Chirac, und seiner Frau Bernadette.

Merken
Drucken
Teilen
Ein Paar der speziellen Sorte: Frankreichs Ex-Präsident Jacques Chirac und seine Frau Bernadette. (Bild: Keystone)

Ein Paar der speziellen Sorte: Frankreichs Ex-Präsident Jacques Chirac und seine Frau Bernadette. (Bild: Keystone)

Frankreichs 81-jähriger Ex-Staatschef Jacques Chirac sorgt für Aufsehen: Mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2017 wirbt er öffentlich für seinen einstigen Premier Alain Juppé. Und bezieht damit Position gegen dessen Konkurrenten Nicolas Sarkozy, den Chiracs Ehefrau Bernadette notabene bewundert.

Freude über Juppés Kandidatur
"Wenn ich noch die Energie hätte, hätte ich schon meinen Platz − auch wenn es nur ein kleiner wäre − in seinem Hauptquartier reserviert", sagte der gebrechliche Chirac der konservativen Tageszeitung "Le Figaro" vom Donnerstag über Juppé. Dass sein einstiger Premier bei den Präsidentschaftswahlen 2017 für die Konservativen antreten will, kommentierte der Ex-Präsident mit überschwänglichen Worten: "Wenige Dinge hätten mir mehr Freude bereiten können − für mich, für ihn, und vor allem für unser Land."

Es wirkte wie eine Replik auf seine ebenfalls 81-jährige Gattin, die sich erst vor wenigen Tagen höchst abfällig über Juppé geäussert hatte: "Alain Juppé? Wer ist schon Alain Juppé im Vergleich zu Nicolas Sarkozy?" Das vernichtende Urteil der Ex-Première-Dame über den Bürgermeister von Bordeaux: "Er ist sehr, sehr kalt, er zieht die Menschen nicht an."

Spiegelbild für Machtkampf in der UMP
Der Machtkampf bei Frankreichs Konservativen im Rennen um den Elysée-Palast spiegelt sich im Kleinen im Ehepaar Chirac, das zwischen 1995 und 2007 in eben diesem Palast residiert hatte. Denn Juppé und der erst vor zwei Wochen in die Politik zurückgekehrte Sarkozy sind die aussichtsreichsten Anwärter der UMP-Partei auf eine Präsidentschaftskandidatur 2017.

Und auch wenn 2017 noch in weiter Ferne liegt und Sarkozy seine Ambitionen auf das Präsidentenamt noch gar nicht offiziell gemacht hat: Mit seinem Comeback ist der Wettkampf eröffnet. Es wird deshalb sehr genau beobachtet, wer sich hinter wen stellt oder sich wie über wen äussert.

Graue Eminenz
Deswegen fand Chiracs Loblied auf Juppé so viel Widerhall, provozierte wütende Reaktionen im Sarkozy-Lager und wurde von Sarkozy-Gegnern begrüsst. Chirac geniesst bei vielen hohes Ansehen, das Wort des greisen Ex-Präsidenten hat immer noch Gewicht − zumal er sich wegen seiner Gebrechlichkeit und seiner Erinnerungsprobleme nur noch sehr selten öffentlich äussert oder zeigt.

Neu sind die Präferenzen von Jacques und Bernadette Chirac nicht: Er lobte Juppé einst als "den Besten unter uns" und machte nie einen Hehl aus seiner Verachtung für Sarkozy. Dieser hatte es unter anderem gewagt, Chirac wegen seiner trägen letzten Amtsmonate als "faulen König" zu verspotten. Chirac rächte sich, als er ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen 2012 verkündete, er werde für Sarkozys sozialistischen Widersacher François Hollande stimmen.

Chiracs treue "Soldatin"
Bernadette Chirac wiederum ist eine eifrige Fürsprecherin Sarkozys und bezeichnet sich gerne als dessen "Soldatin". Vielleicht rächt sie sich damit an ihrem Ehemann, an dessen Seite sie viel erleiden musste: Nicht nur die zahlreichen Seitensprünge des konservativen Politikers, die er selbst mit den Worten "Ich war kein Kostverächter" kommentierte, sondern auch, dass sie ihr Leben seiner Karriere unterordnete und bei familiären Problemen − insbesondere der psychischen Krankheit der ältesten Tochter Laurence − alleine gelassen wurde.

Sie hielt aber stets zu ihrem Ehemann − und schaut heute mit humorvoller Zärtlichkeit auf ihn. Manchmal gebe er ihr "einen kleinen Schlag" mit seinem Gehstock, "wenn er nicht zufrieden mit mir ist", sagte sie unlängst. Ob es dabei auch um ihre Unterstützung für Sarkozy geht, verriet die Ex-Première-Dame nicht. (sda)