Der graue Mann im Weissen Haus

Walter Brehm
Drucken
Teilen

Chefstratege Er hat auf die wütenden weissen Männer Amerikas gesetzt und so den Wahlkampf Donald Trumps zum Erfolg geführt. Heute trägt er den stolzen Titel «Chefstratege des Präsidenten». Als er dieses neu geschaffene Amt im Weissen Haus antrat, war Steve Bannon der Mehrheit der amerikanischen Öffentlichkeit unbekannt. Sehr wohl bekannt war er mit seiner Internetplattform «Breitbart-News» allerdings in der breit gefächerten Szene rechts des politischen Establishments.

Heute glaubt die ganze Welt den Mann zu kennen, der jederzeit Zugang zum Oval Office des Präsidenten hat. Getrübt wurde das Verhältnis zwischen Trump und seinem Strategen für die Öffentlichkeit erkennbar bisher nur einmal: als im Internetdienst Twitter plötzlich von Präsident Bannon die Rede war. Trump reagierte gekränkt und warf seinen Chefstrategen aus dem Nationalen Sicherheitsrat, den er kurz zuvor gegen den Widerstand aus dem Kabinett, dem Militär und der Republikanischen Partei in den Rat gehievt hatte.

Was aber blieb, war der Eindruck, was Trump sage, sei oft Bannon pur. Etwa als der Trump am G-20-Gipfel verkündete: «Der Westen ist nur mit dem Blut von Patrioten zu retten.» Steve Bannon wird von politischen Beobachtern in Washington nicht nur als gebildet und belesen bezeichnet, sondern auch als gefährlich: Er halte Chaos für etwas Positives und wolle die bestehende Ordnung stürzen. Für Bannon sei nicht Nordkorea der grösste Feind, sondern China. Im Originalton Bannon: «Spätestens in zehn Jahren wird es Krieg im südchinesischen Meer geben.»

Trump definiert Loyalität nach dem Nutzen für sich selber

Ob Bannon selber rechtsextrem, antisemitisch oder homophob ist, bleibt unklar. In seiner Breitbart-Plattform aber tolerierte er diese Positionen immer. Seine Redaktion trieb er an, ständig über Themen zu schreiben, die eine entsprechende Weltsicht vermittelten: Einwanderung als Gefahr, Bedrohung durch den Islam, Verfall traditioneller Werte und immer wieder die korrupte Hillary Clinton. Die Hauptthemen von Breitbart waren zeitgleich immer auch die Hauptthemen in der Trump-Wahlkampagne. Vor allem aber hatte Bannon ein untrügliches Gespür für die wütenden weissen Männer im Land. Er hatte erkannt, wie frustrierte und wirtschaftlich Abgehängte aus dem Mittleren Westen der USA ticken. Deren Emotionen nutzte er, um Hillary Clinton als ignorant gegenüber den Sorgen des kleines Mannes zu denunzieren und für Trump als deren Retter zu trommeln.

Steve Bannon ist Trumps Mann für das Elektorat am rechten Rand der US-Gesellschaft. Heute bringt dies Trump allerdings eher in Verlegenheit. Er muss zischen rechten Positionen dieser Wähler und einem Verlust der Unterstützung bürgerlicher Konservativer lavieren. So gesehen ist Bannons Stellung keineswegs unantastbar. Denn Loyalität definiert der US-Präsident nach dem Nutzen für sich selber. Für den Sturz Bannons braucht es keine politische Einsicht Trumps – nur entsprechend schlechte Umfragen.

Walter Brehm