Der General ist zurück

Sieben Wochen vor der Parlamentswahl in Pakistan ist der frühere Militärmachthaber Pervez Musharraf aus dem Exil zurückgekehrt. Die pakistanischen Taliban drohen ihm mit dem Tod.

Willi Germund
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Der ehemalige Machthaber Musharraf ist wieder in Pakistan. (Bild: epa/ Rehan Khan)

Der ehemalige Machthaber Musharraf ist wieder in Pakistan. (Bild: epa/ Rehan Khan)

BANGKOK. Seine Rückkehr hatte sich Pakistans ehemaliger Diktator General Pervez Musharraf sicher glamouröser vorgestellt. Als er ganz in Weiss gekleidet am Sonntagnachmittag aus Dubai kommend nach einem selbstgewählten vierjährigen Exil in der pakistanischen Wirtschaftsmetropole Karachi eintraf, hatte sich nur ein kleines Grüppchen von Anhängern versammelt, um den markigen Sprüchen des ehemaligen Kommandokämpfers zuzuhören.

«Ich riskiere mein Leben, um Pakistan zu retten», tönte Musharraf angesichts der Morddrohungen der radikalislamischen Talibanmilizen gegen ihn.

Kränkelnde Partei

Aber das Land war mehr mit der Ernennung des 84jährigen Ex-Richters Mir Hazar Khan Khoso zum Interimspremierminister beschäftigt, der das Land bis nach den Parlamentswahlen am kommenden 11. Mai führen soll. Dabei hatte Musharraf, der seiner kränkelnden «All Pakistan Muslim League» vor dem Urnengang zu Leben verhelfen will, seine Rückkehr so wunderschön inszeniert. Denn schon einmal, im Jahr 1999, flog er handstreichartig als damaliger Armeechef aus Sri Lanka kommend in Karachi ein. Damals wollte er Pakistan vor dem gewählten Premierminister Nawaz Sharif retten, der versucht hatte, Musharraf in den vorzeitigen Ruhestand zu schicken.

Plötzlicher Abgang

Musharraf blieb bis zum Jahr 2008 als Präsident im Amt und ging erst, als sein Verbleib an Regierungs- und Armeespitze selbst seinen Generalskollegen zu lange dauerte. Historiker bedauern seinen plötzlichen Abgang, weil er in letzter Minute die Unterzeichnung eines Abkommens mit dem Nachbarn Indien verhinderte, der das Kaschmir-Problem der beiden Staaten endgültig zu lösen versprach.

Doch Musharraf, der 1943 in Delhi geboren wurde und mit seinen Eltern nach der Teilung Indiens und Pakistans nach Karachi floh, schickte im Jahr 1999 auch pakistanische Soldaten auf den indischen Bergrücken Kargil und startete so einen kurzen, aber brutal geführten Kleinkrieg gegen Indien. Es war gleichzeitig bislang der weltweit einzige konventionelle Krieg zwischen zwei Atommächten. Die Welt aber wird sich an Musharraf erinnern, weil er nach den Terroranschlägen von New York im Jahr 2001 zum wichtigsten Alliierten der USA im Krieg gegen den Terror aufrückte.

Haftbefehle ausgesetzt

In Pakistan erinnert man sich mit Grausen an Musharraf, weil unter seiner Führung die Wirtschaft des Landes weiter verrottete und die Bürgerrechte massiv eingeschränkt wurden. Die Justiz erliess in den vergangenen Jahren gleich drei Haftbefehle in zwei Verfahren gegen Musharraf: Wegen angeblicher Beteiligung am Mord der populären Ex-Premierministerin Benazir Bhutto und wegen der Ermordung von Nawab Aktar Bugti, einem angesehenen Stammesführer aus der Provinz Baluchistan.

Aber seinen Anwälten war es gelungen, kurz vor der Ankunft Musharrafs in Karachi in allen Verfahren den Haftbefehl gegen Kaution auszusetzen.

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