Der flammende Hass

Vor 150 Jahren gründeten Verlierer des amerikanischen Bürgerkriegs den Geheimbund Ku-Klux-Klan. Von der Organisation blieb nicht viel übrig. Aber das rassistische Gedankengut lebt in den USA weiter.

Thomas Spang/Washington
Drucken
Teilen
Im Süden der USA über Jahrzehnte Angst und Schrecken verbreitet: Mitglieder des Ku-Klux-Klans mit ihrem Symbol, dem brennenden Kreuz im Jahre 1987. (Bild: ap/Bill Cramer)

Im Süden der USA über Jahrzehnte Angst und Schrecken verbreitet: Mitglieder des Ku-Klux-Klans mit ihrem Symbol, dem brennenden Kreuz im Jahre 1987. (Bild: ap/Bill Cramer)

Am Heiligabend des Jahres 1865 heckten sechs weisse Offiziere der unterlegenen Südstaaten-Armee in der Kleinstadt Pulaski im amerikanischen Bundesstaat Tennessee einen teuflischen Plan aus. Sie gründeten einen Geheimbund mit dem Namen Ku-Klux-Klan (KKK), der sich zum Ziel setzte, die Vorherrschaft der Weissen in der Konföderation wiederherzustellen.

Zu ihrem Markenzeichen machten sie nächtlichen Terror gegen befreite Sklaven und brutale Lynchmorde. Die Anhänger des schnellwachsenden Klans versteckten sich unter Roben und Masken, um den oft noch abergläubischen Schwarzen einen Schrecken einzujagen.

Im Süden der USA über Jahrzehnte Angst und Schrecken verbreitet: Mitglieder des Ku-Klux-Klans mit ihrem Symbol, dem brennenden Kreuz im Jahre 1987. (Bild: ap/Bill Cramer)

Im Süden der USA über Jahrzehnte Angst und Schrecken verbreitet: Mitglieder des Ku-Klux-Klans mit ihrem Symbol, dem brennenden Kreuz im Jahre 1987. (Bild: ap/Bill Cramer)

Die enttäuschten Verlierer

Das harsche Besatzungsregime der siegreichen Nordstaaten-Union aber auch die herumvagabundierenden Veteranen der zerschlagenen Konföderierten-Armee lieferten dem «ersten Klan» einen Pool an enttäuschten Verlierern, in dem sich nur allzu leicht fischen liess.

Geschickt setzten die Gründer des KKK auf die Folklore um den schottischen «Lost Cause» gegen England. Deshalb nannten sich die letzten Aufrechten im Kampf gegen die Sklavenbefreiung «Klan». In dieser kruden Mythologie hat auch das erst sehr viel später eingeführte Feuerkreuz seine Wurzeln. Wobei das Wort «Klux» wohl eher von dem griechischen Wort für Kreis «kuklos» abgeleitet ist.

Die Bundesregierung der Vereinigten Staaten verhängte in Reaktion auf die Gewalt des Klans seine ersten Antiterrorgesetze und ging entschlossen dagegen vor. Anfang der Siebzigerjahre des 19. Jahrhunderts schien der Spuk zu einem Ende zu kommen.

Rote Kappe statt weisser Kapuze

Am 150. Gründungstag hoffen die 5000 bis 8000 Mitglieder der versprengten Gruppen, die sich in den USA heute in der Nachfolge des KKK sehen, auf eine Renaissance. Angefeuert von einem, der keine weisse Kapuze trägt, sondern eine rote Kappe mit der Aufschrift «Make America Great Again».

Die Rede ist von Donald Trump, der sich nicht unter Leinenroben versteckt, sondern im feinen Anzug vor seine grölenden Anhänger tritt. Umso vertrauter klingt seine Botschaft. Amerika müsse seine Grenzen für Moslems schliessen, bis die Regierung herausgefunden habe, was im Land vor sich gehe.

So ähnlich hetzte der Ku-Klux-Klan nach seiner Neugründung im November vor hundert Jahren gegen Juden und Katholiken, die als neue Einwanderer in die USA kamen. Kein Wunder, dass ausgerechnet der letzte einflussreiche «Imperiale Hexenmeister» des Klans in den USA, David Duke, eine Lanze für Trump bricht. «Er macht es akzeptabel, über die unglaublichen Sorgen zu sprechen, die sich Amerikaner mit europäischen Wurzeln heute machen», lobt Rassist Duke in seiner eigenen Radioshow den Rechtspopulisten, der sein Haar genauso blondiert wie er.

Wenn Duke von «European American» spricht, meint er damit Weisse, die um ihre Dominanz in der US-Gesellschaft fürchten. Beifall für Trump hatte es von dem KKK-Mann schon im vergangen August gegeben, als er den republikanischen Präsidentschaftsbewerber «als den besten im Rennen» lobte. Anerkennung für die Mexikaner-Hetze des Kandidaten, die in der Forderung kulminierte, zwölf Millionen Einwanderer ohne Dokumente zu deportieren.

Eine verschrobene Welt

Obwohl Trump die Unterstützung durch Duke zurückgewiesen hat, erkennt Mark Potok vom «Southern Poverty Law Center» (SPLC) in Birmingham Alabama viele Schnittstellen zwischen dem Nativismus Trumps und der Ideenwelt des Klans. «Er gibt ihnen neue Energie. Sie sind begeistert.»

Rachel Pendergraft, deren in Arkansas ansässige Knights Party sich als Sprachrohr des Restbestands des Ku-Klux-Klan versteht, erkennt in dem Milliardär ebenfalls ein wunderbares Rekrutierungswerkzeug. Sehen sich die Anhänger des KKK doch genauso als Opfer wie die Wutbürger, die Trump folgen. In deren sonderbar verschrobenen Welt muss sich das weisse Amerika verteidigen. Gegen Islamisten, die es terrorisieren, und Latinos, die ihm die Arbeit wegnehmen. Der Unterschied zwischen den Anhängern Trumps und denen des KKK ist die Bereitschaft, Gewalt einzusetzen.

Allerdings gab es schon einmal eine Zeit, in der nicht alle Klan-Mitglieder Gewalt ausübten. Das war nach der Wiederbelebung des Kapuzen-Kults durch den Film «The Birth of a Nation». Regisseur David Wark Griffith traf einen Nerv, als er den dreistündigen Streifen 1915 erstmals in einem Lichtspielhaus von Los Angeles aufführte.

Das Kreuz geht in Flammen auf

Griffith erzählt darin eine historisch verfälschte Version der «Rekonstruktion»-Zeit im Süden. Aus heutiger Sicht lieferte er ein rassistisches Machwerk ab, in dem der Ku-Klux-Klan den Süden vor Chaos und der Herrschaft des schwarzen Mannes rettet. Filmhistoriker Dick Lehr erinnert daran, wie die Leute auf dem Höhepunkt des Stummfilms auf den Beinen standen. «Das war ein Riesenhit.» Präsident Woodrow Wilson liess ihn als ersten Film überhaupt im Weissen Haus aufführen. Trotz öffentlicher Proteste der jungen schwarzen Bürgerrechtsbewegung NAACP trug er seine rassistische Botschaft in den letzten Winkel der Vereinigten Staaten.

In Georgia nutzte der selbsternannte Oberst William J. Simmons die Popularität des Filmes, am Thanksgiving-Tag 1915 auf dem Stone Mountain theatralisch ein Kreuz in Flammen aufgehen zu lassen. Drumherum standen die Gründer des «zweiten Klans» in weissen Roben und Kapuzen.

Einst Millionen von Mitgliedern

Simmons verstand es, die Ängste der weissen Protestanten vor dem Verlust ihrer kulturellen Dominanz auszubeuten. Neue Einwanderungswellen brachten aus Europa rund fünfzehn Millionen Katholiken und drei Millionen Juden in die neue Welt. Hinzu kam die innere Migration der schwarzen Bevölkerung aus dem ländlichen Süden in den städtischen Norden.

In den Zwanzigerjahren wuchs der Ku-Klux-Klan zu einer Bewegung mit mindestens vier Millionen Mitgliedern an. Ganze Nachbarschaften im Süden und Mittleren Westen der USA traten dem KKK bei. Auch Frauen durften mitmachen.

Der Klan durchdrang den Alltag. Er veranstaltete Schönheitswettbewerbe für Babies, sponserte Sportteams, lud zu Feiern am Unabhängigkeitstag ein und sorgte mit eigenen Bands für Unterhaltung. Im September 1926 marschierten Tausende Kapuzenträger auf einer Parade über die Pennsylvania Avenue in Washington.

Gewalt in der Zeit Martin Luther Kings

Auf dem Höhepunkt seiner Popularität sollen neben protestantischen Predigern, Geschäftsleuten und Bürgermeistern bis zu achtzig Kongressmitglieder unter der weissen Robe gesteckt haben. Und mit Warren G. Harding sogar ein US-Präsident.

Interne Querelen und Skandale, vor allem aber die anhaltende Ausübung von Gewalt, liessen den KKK schrumpfen. Die Presse berichtete unerbittlich über die brutalen Morde, die in scharfem Kontrast zu den gepredigten «christlichen Werten» des Klans standen.

In den Tagen der Bürgerrechtsbewegung Martin Luther Kings lebte der Ku-Klux-Klan noch einmal auf. Auf seine Rechnung ging der mörderische Brandanschlag auf eine schwarze Kirche 1963 in Birmingham, der Lynchmord von Bürgerrechtlern in Mississippi sowie eine Reihe anderer Gewalttaten im Süden der USA. Zahlreiche Polizeistationen, aber auch Staatsanwälte und Politiker in der Region, sympathisierten mit dem Klan, schützten ihn oder steckten unter der weissen Robe.

Zersplittert in Dutzende Gruppen

Das letzte Mal machte der KKK als politische Kraft mit der gescheiterten Kandidatur des «Imperialen Hexenmeisters» David Duke 1991 als Gouverneur von Louisiana Schlagzeilen. Danach zersplitterte der Klan in Dutzende Suborganisationen, die einander zum Teil spinnefeind sind.

Donald Trump macht mit seinem kalkulierten Appell an die Ängste des weissen Kleinbürgers das Gedankengut des Klans in dessen 150. Gründungsjahr wieder hoffähig. Aber er wird damit genauso kläglich scheitern. Ob die Ressentiments unter weissen Kapuzen versteckt oder roten Baseballkappen offen ausgesprochen werden, es bleibt eine Ideologie von Verlierern, die in der optimistisch nach vorn gerichteten Einwanderernation niemals mehrheitsfähig wird.

David Duke, der «Imperiale Hexenmeister», wirbt für Donald Trump. (Bild: ap/Rene Macura)

David Duke, der «Imperiale Hexenmeister», wirbt für Donald Trump. (Bild: ap/Rene Macura)

Aktuelle Nachrichten