«Der Countdown hat begonnen»

Die spanische «Empörten»-Partei Podemos hat die Muskeln spielen lassen. Zehntausende Menschen folgten dem Demonstrationsaufruf in Madrid und protestierten gegen die konservative Regierung.

Ralph Schulze
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Empörte Demonstranten auf ihrem Protestzug gegen die konservative spanische Regierung. (Bild: ap/Andres Kudacki)

Empörte Demonstranten auf ihrem Protestzug gegen die konservative spanische Regierung. (Bild: ap/Andres Kudacki)

MADRID. Ende Jahr finden im Eurokrisenland Spanien Parlaments- und Regierungswahlen statt. Aktuellen Wahlumfragen zufolge hat die Aufsteigerpartei Podemos («Wir schaffen es») durchaus Chancen, die Macht zu erobern und ähnlich wie Syriza in Griechenland Spaniens künftige Regierung anzuführen. Die aus der Protestbewegung der «Empörten» entstandene Linkspartei ist erst vor einem Jahr gegründet worden und binnen Monaten zur ernsthaften Gefahr für den konservativen spanischen Regierungschef Mariano Rajoy geworden.

«2015 ist das Jahr des Wechsels in Spanien – genauso wie in Griechenland», rief an der Demonstration vom Samstag Podemos-Chef Pablo Iglesias: «Der Countdown für Rajoy hat begonnen.» Iglesias, redegewandter Politologe mit Pferdeschwanz, bejubelte die Machtübernahme von Syriza in Griechenland: «Mit Syriza beginnt die Hoffnung.»

«Eine gerechtere Gesellschaft»

Iglesias' linke Protestpartei hat der in Spanien verbreiteten Korruption und Amigowirtschaft den Kampf angesagt. Genauso wie sie ein Ende der bisherigen «ungerechten Sparpolitik» fordert, die überwiegend der Unter- und Mittelschicht Opfer abverlange, während die Wohlhabenden geschont würden. «Wir wollen eine gerechtere Gesellschaft», riefen die Menschen auf ihrem Protestmarsch in Madrid.

Umfrage sieht Podemos voran

Die Anhängerschaft von Podemos rekrutiert sich vor allem aus den Opfern der spanischen Finanz- und Wirtschaftskrise: Fast ein Viertel der aktiven Bevölkerung ist ohne Job, bei den Unter-25-Jährigen sind es sogar über 50 Prozent. Zudem haben Lohnkürzungen und Einschnitte bei staatlichen Leistungen viele Familien in Not gebracht. Auch tritt Podemos – wie die neue Athener Syriza-Regierung – für Neuverhandlungen der Schuldenlast Spaniens an. Obwohl der immer noch wachsende Schuldenberg mit derzeit etwa 100 Prozent des Bruttoinlandprodukts noch nicht so hoch sei wie in Griechenland, stranguliere die Tilgung doch das Land: Spanien muss Tag für Tag 100 Millionen Euro an seine Gläubiger zahlen.

In der neusten Wahlumfrage der Tageszeitung «El País» liegt Podemos mit 28 Prozent der Stimmen vorn. Die Konservativen von Rajoy, 2011 bei über 44 Prozent, stürzten in der Erhebung auf 19 Prozent. Die oppositionellen Sozialisten verlieren mit 23 Prozent ebenfalls.