Der aus Patriotismus kandidiert

Ein Superstar ist er längst – nicht nur in Afrika, aber immer noch dort. Wie vielen afrikanischen Musikern ermöglichte in den 90er-Jahren der Boom der sogenannten Weltmusik auch Youssou N'Dour eine internationale Karriere.

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Vom Weltmusiker zum Wahlkämpfer: Der senegalesische Sänger und Komponist Youssou N'Dour will Präsident werden. (Bild: Keystone)

Vom Weltmusiker zum Wahlkämpfer: Der senegalesische Sänger und Komponist Youssou N'Dour will Präsident werden. (Bild: Keystone)

Ein Superstar ist er längst – nicht nur in Afrika, aber immer noch dort. Wie vielen afrikanischen Musikern ermöglichte in den 90er-Jahren der Boom der sogenannten Weltmusik auch Youssou N'Dour eine internationale Karriere. Er arbeitete mit Popgrössen wie Peter Gabriel zusammen. Und mit der schwedischen Sängerin Neneh Cherry nahm er seinen bisher wohl grössten Hit auf – «Seven Seconds». Anders als viele afrikanische Musiker blieb der senegalesische Sänger Bandleader und Komponist aber seiner Heimat treu und emigrierte nicht nach Europa oder in die USA. Und jetzt will er sogar Präsident Senegals werden.

Auch mit diesem Ansinnen steht er nicht allein. Wyclef Jean, mit dem er ebenfalls musiziert hatte, wollte schon Staatschef von Haiti werden. Der Haitianer war aber nur zum Wahlkampf aus den USA in die alte Heimat gereist – und scheiterte.

Sozial engagierte Symbolfigur

Ob Youssou N'Dours Chancen, an die Spitze Senegals gewählt zu werden, viel besser sind, ist offen. In den Ruch eines karrierefördernden PR-Gags kommt der afrikanische Musiker aber kaum. Er ist in seiner westafrikanischen Heimat über die Musik hinaus eine populäre Symbolfigur. Seit Jahren ist er in sozialen Bewegungen engagiert. Seine Kandidatur bezeichnet er als «patriotische Pflicht».

Allein dass der Amtsinhaber Abdoulaye Wade in schlechtester afrikanischer Tradition bereit war, für eine weitere Amtsperiode die Verfassung zu ändern, macht diese Aussage schon glaubwürdig. Und sein offener Umgang mit Herkunft und Qualifikation mindert in den Augen seiner Landsleute diesen Eindruck sicher nicht. «Es stimmt», sagt der Musiker, «ich habe keine höhere Bildung genossen. Ich habe in der Schule des Lebens gelernt. Aber eine Präsidentschaft ist eine Funktion und kein Beruf.»

Und Funktionen scheut Youssou N'Dour nicht. Im Rahmen der UNO ist er seit 2007 Mitglied des World Future Council (Welt-Zukunfts-Rat). In seiner Heimat hat er das Projekt «Joko» initiiert, das Internet-Cafés für junge Afrikaner betreibt und auch den Menschen in Senegal helfen soll, sich weltweit zu vernetzen, ohne zu emigrieren.

Youssou N'Dour ist also ein populärer, engagierter und wohlhabender Afrikaner, der nicht aus wirtschaftlichem Interesse und Geldgier in die Politik einsteigen will.

Demokratische Nagelprobe

Das stimmt und ist doch Grund zur Vorsicht. Youssou N'Dour ist nicht nur sozial engagierter Aktivist. Er ist auch Medienunternehmer. Seine Kritik an Präsident Wade verbreitet er über seine privaten Radio- und Fernsehstationen und über die eigene Tageszeitung. Auch seine Kandidatur hat er über diese Kanäle lanciert.

Seine regierungskritischen Medien hat Youssou N'Dour mit einer Volksbewegung gegen ein drohendes Verbot des Präsidenten erstritten. Doch was für einen «freien» Medienunternehmer legitim ist, kann einem Präsidentschaftskandidaten leicht zum Pferdefuss gereichen.

Dem italienischen Ex-Premier und Hobbysänger Silvio Berlusconi hat die Welt die Einsicht zu verdanken: Wer über Medienmacht verfügt, sollte diese nicht für ein politisches Amt einsetzen. Und wer ein politisches Amt anstrebt, sollte sich glaubhaft von seinen medialen Machtmitteln trennen. So wird nicht nur der Verfassungsrat Senegals über die Legitimität der Kandidatur von Youssou N'Dour entscheiden, sondern auch seine Bereitschaft, die Gewaltentrennung auch gegen das eigene Interesse zu respektieren. (W.Br.)

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