Dem Ruch des Rassismus ausgesetzt

Hat der weisse Polizist Darren Wilson den 18jährigen Schwarzen Michael Brown in Ferguson wirklich in Notwehr erschossen? Eine juristisch nachvollziehbare Antwort auf diese Frage wird es wohl nie geben.

Walter Brehm
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Hat der weisse Polizist Darren Wilson den 18jährigen Schwarzen Michael Brown in Ferguson wirklich in Notwehr erschossen? Eine juristisch nachvollziehbare Antwort auf diese Frage wird es wohl nie geben. Das hat eine sogenannten Grand Jury, überwiegend mit weissen Laienrichter besetzt, in einer geheimen Anhörung so entschieden.

Der Skandal ist nicht, dass der Weisse Polizist freigesprochen wurde. Der Skandal ist, dass es nicht zu einem Prozess kommt, der den Vorfall so weit aufklärt, wie es in einem Rechtsstaat nur möglich ist. Dass dies nicht geschieht, wird von vielen Schwarzen als Indiz dafür gesehen, dass es vielerorts in den USA immer noch am Willen von Politik und Justiz fehlt, versteckten oder offenen Rassismus wirklich zu bekämpfen.

Grand Juries, darüber sind sich Experten in den USA einig, schicken selten weisse Polizisten vor Gericht. Laienrichter stehen – weil sie eben keine Juristen sind – immer unter dem Eindruck ihrer sozialen Herkunft und ihrer Sicht der Welt. Deshalb hat auch die Hälfte aller US-Bundesstaaten diese Art, über eine Klage zu entscheiden, bereits abgeschafft.

Es ist unbestritten, dass in Ferguson die Proteste gegen den gewaltsamen Tod des schwarzen Teenagers schnell in einer Weise ausarteten, die ein Rechtsstaat nicht hinnehmen kann: Es wurde gebrandschatzt, geplündert und geschossen. Doch aus der fast zwangsläufigen Abfolge von umstrittenen Untersuchungsverfahren und absehbaren Ausschreitungen werden sich die USA kaum befreien können, solange Laien-Urteile als Ersatz für ein ordentliches Verfahren im Ruch des Rassismus stehen.

walter.brehm@tagblatt.ch