Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Das Weisse Haus als Irrenanstalt - Buch von «Watergate»-Journalist sorgt für rote Köpfe

Das neuste Buch des Star-Journalisten Bob Woodward sorgt in Washington für grossen Wirbel – weil der langjährige Redakteur der «Washington Post» ein höchst unvorteilhaftes Bild des Weissen Hauses unter Präsident Donald Trump zeichnet.
Renzo Ruf, Washington
Das neue Buch von Bob Woodward. (Bild: Simon & Schuster via AP)

Das neue Buch von Bob Woodward. (Bild: Simon & Schuster via AP)

Mit seinem neusten Buch hat Bob Woodward das Unmögliche geschafft. In einer schriftlichen Stellungnahme auf dem Kurznachrichtendienst Twitter stellte Präsident Donald Trump sich am späten Dienstagabend schützend vor seinen oft geschmähten Justizminister – oder, besser gesagt, er unternahm den Versuch, Jeff Sessions in Schutz zu nehmen. Es stimme nicht, schrieb Trump, dass er Sessions «geistig Zurückgeblieben» und einen «dummen Südstaatler» genannt habe, wie dies der Star-Reporter Woodward berichtet hatte. Warum auch: Ein Südstaatler zu sein, schrieb Trump, das sei eine «GROSSARTIGE Sache». Der Reporter lüge, um einen Keil zwischen dem Präsidenten und dem Justizminister zu treiben, als sei der Graben zwischen dem Weissen Haus und dem Justizministerium nicht bereits tief genug.

«Ich stehe zu meiner Berichterstattung»

Woodward, der seit den frühen Siebzigerjahren für die «Washington Post» arbeitet, gab sich nach dieser präsidialen Buchrezension völlig ungerührt. «Ich stehe zu meiner Berichterstattung», teilte er vielmehr mit. Und tatsächlich gibt es in Washington nur wenige Politiker, die belegen können, dass der 75-Jährige schluderig arbeitet oder Zitate erfindet. Denn Woodward ist berüchtigt dafür, dass er sämtliche Gespräche aufnimmt oder seine Quellen auffordert, schriftliche Notizen vorzulegen. Hingegen sind immer wieder Stimmen zu vernehmen, die sagen: Der Reporter spiegle den Leserinnen und Lesern seiner Bücher über amerikanische Präsidenten wie Bill Clinton, George W. Bush oder Barack Obama vor, er sei Zeuge dramatischer Vorfälle gewesen – obwohl er doch von diesen Ereignissen nur aus zweiter Hand (oder vielleicht gar nur aus dritter Hand) erfahren habe.

Patzer bei «Watergate»

Allein: In einer Karriere, die fast fünf Jahrzehnte umspannt, gab es nur wenige Momente, in denen Quellen nachweisen konnten, dass Woodward einen Fehler gemacht oder falsche Schlussfolgerungen gezogen habe. Der wohl grösste Schnitzer in der Karriere Woodwards ereignete sich während den Recherchen zum «Watergate»-Skandal, der mit dem Rücktritt von Präsident Richard Nixon endete. Woodward behauptete 1972, im Gespann mit seinem Arbeitskollegen Carl Bernstein, dass ein wichtiger Zeuge im Gespräch mit den Ermittlungsbehörden den Stabschef Nixons angeschwärzt habe. Dies war falsch.

Deshalb sind die furiosen Dementis von Figuren wie Anwalt Rudy Giuliani («komplett falsch») oder Verteidigungsminister Jim Mattis («das Produkt von jemandem mit einer blühenden Phantasie») mit Vorsicht zu geniessen. Auch lenken sie von der Tatsache ab, dass es vor dem Beginn der Präsidentschaft Trump nicht notwendig war, öffentlich abzustreiten, dass man den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika einen Idioten genannt habe – so wie dies der Stabschef des Weissen Hauses, John Kelly, am Dienstag tun musste. Woodward berichtete, dass Kelly zu Untergebenen gesagt habe, Trump sei vollständig durchgeknallt und das Weisse Haus gleiche einer Irrenanstalt («Crazytown»).

Trump schiesst auf Twitter zurück

Trump nannte das Buch auf Twitter «langweilig», «falsch» und «vollständig erfunden». In Tat und Wahrheit bestätigt Woodward aber auf fast 450 Seiten, was aufmerksame Leserinnen und Leser bereits wissen: Unter Präsident Donald Trump befindet sich das Weisse Haus stets am Rande eines Nervenzusammenbruchs, weil der ehemalige Geschäftsmann sich nicht an Normen und Regeln halten will, die gemeinhin auch für amerikanische Präsidenten gelten.

Illustriert ist dies These mit Dutzenden von Anekdoten. So berichtet Woodward detailliert darüber, wie Trump sich mit seinen Anwälten darüber stritt, die ihn für ein mögliches Interview mit Sonderermittler Robert Mueller vorbereiten wollten. «Die ganze Angelegenheit ist eine verdammte Erfindung», sagte der Präsident schliesslich und brach die Sitzung ab – worauf seine Anwälte angeblich einen Termin mit Mueller beauftragten, um dem Sonderermittler zu verkünden, dass Trump unter keinen Umständen unter Eid aussagen werde – weil er, der Präsident, ein notorischer Lügner sei.

Auf Deutsch soll das Buch von Bob Woodward übrigens am 11. Oktober erscheinen, unter dem Titel «Furcht».

Heftige Proteste bei Kavanaugh-Anhörung

Bei der Anhörung des Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh ist es zu Tumulten auf der Zuschauertribüne gekommen. Dutzende Menschen protestierten lautstark gegen den Wunschkandidaten von US-Präsident Donald Trump. Sie wurden wegen Ruhestörung in Gewahrsam genommen. Es handelte sich dabei vorwiegend um Frauen, die Kavanaughs konservative Haltung zum Abtreibungsrecht kritisierten.

Zuvor hatte der Richter, der bisher am Bundes-Berufungsgericht in Washington tätig war, aber deutlich gemacht, dass er einen Grundsatzentscheid zum Abtreibungsrecht von 1973 für geltendes Recht halte. Kritik hagelte es auch an der Einstellung Kavanaughs zur Wahlkampffinanzierung oder zum Waffenrecht. Hier gilt er als Verfechter einer wörtlichen Auslegung der US-Verfassung. (sda)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.