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«Das wäre wie ein Krieg in Rotterdam»

Die USA verbieten der «Arabischen Koalition» einen Angriff auf den Überlebenshafen von Hodeida – und hoffen auf eine politische Lösung des Konfliktes.
Michael Wrase, Limassol
Ein jemenitischer Soldat zielt in Richtung Hafen Hodeida, der unter Kontrolle der Huthi-Rebellen ist.(Bild: Nabil Hassan/AFP (7. Juni 2018))

Ein jemenitischer Soldat zielt in Richtung Hafen Hodeida, der unter Kontrolle der Huthi-Rebellen ist.(Bild: Nabil Hassan/AFP (7. Juni 2018))

Um drohende humanitäre Katastrophen zu veranschaulichen, dürfen auch drastische Vergleiche gezogen werden, dachte sich Jan Egeland. Der für die norwegische Flüchtlingshilfe NRC im Jemen arbeitende Diplomat hatte zu Wochenbeginn eindringlich vor einem drohenden Angriff der «Arabischen Koalition» auf den jemenitischen Überlebenshafen von Hodeida gewarnt: «Das wäre wie ein Krieg in Antwerpen oder Rotterdam», betonte der Hilfskoordinator, dessen Einschätzung auch von den USA geteilt wird.

Der wichtigste Verbündete der von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten geführten «Arabischen Koalition» sprach sich am Mittwoch gegen einen Angriff auf den Hafen von Hodeida aus, über den knapp 80 Prozent der Lebensmittel und andere Hilfsgüter eingeführt werden. «Alle Aktionen, welche zur Zerstörung der überlebenswichtigen Infrastruktur führen könnten, würden nicht unterstützt», sagte ein amerikanischer Regierungssprecher. Zudem ist man in Washington der Ansicht, dass die «Koalition» nicht in der Lage sei, Angriffe durchzuführen, die «sauber ausfallen und katastrophale Zwischenfälle vermeiden».

USA wollen Initiative der UNO unterstützen

Neu sind diese Erkenntnisse nicht. Menschenrechtsorganisationen haben immer wieder darauf hingewiesen, dass mehr als die Hälfte der saudischen Luftangriffe im Jemen ihre Ziele verfehlen. Für knapp zwei Drittel der zivilen Opfer und der zivilen Zerstörungen sei die Kriegskoalition der arabischen Golfstaaten verantwortlich, kritisiert die Menschenrechtskommission der UNO. Um die von Hilfsorganisationen befürchtete «totale Katastrophe» im Jemen – eine Hungersnot, die 22 Millionen Menschen treffen könnte – zu verhindern, wollen die USA jetzt eine diplomatische Initiative der UNO zur Beendigung des Bürgerkrieges unterstützen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sollen die pro-iranischen Huthi-Milizen ihre ballistischen Raketen abgeben. Im Gegenzug müsse die «Arabische Koalition» dann ihre Bomben­angriffe und andere Kampfhandlungen im Jemen einstellen.

Falls der Waffenstillstand hält, soll eine Übergangsregierung in Sanaa gebildet werden, in der alle Gruppen «angemessen vertreten» sind – ein Schritt, der selbst in UNO-Kreisen als «höchst schwierig» bezeichnet wird. Teil des Plans ist zudem die Internationalisierung des Hafens von Hodeida, die Vorrang hat.

Sprecher der in die Defensive geratenen Huthis sollen den noch unveröffentlichten Friedensplan der UNO «vorsichtig begrüsst» haben. In den Medien der «Koalition» wird dagegen weiterhin eine militärische Lösung des Konfliktes propagiert. Die in Dubai publizierte Tageszeitung «Al Khaleej» vertritt die Ansicht, dass mit der Eroberung des Hafens von Hodeida durch die «Koalition» die iranische Militärhilfe für die Hu­this – und damit auch der Krieg – beendet werden könne.

Kenner der Region bezweifeln dies. Alle Schiffe, die Hodeida anlaufen, werden von der saudischen und der amerikanischen Marine zuvor kontrolliert. Die von den Huthis auf Saudi-Arabien abgefeuerten Raketen kämen vermutlich nicht aus dem Iran, sondern würden mit iranischer Unterstützung im Jemen selbst hergestellt. Auch Militärexperten der libanesischen Hisbollah könnten ihre Glaubensbrüder im Jemen unterstützen.

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