Das Wallis ist nicht die USA

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Oskar Freysinger abgewählt, übertrumpft von einem politisch unerfahrenen Migros-Kadermann. Wer noch vor einem Monat auf dieses Resultat gewettet hätte, wäre nun um eine schöne Stange Geld reicher. Denn damit rechnete kaum jemand. Gleichzeitig zeigt das Glanzresultat von CVP-Mann Christophe Darbellay, der ein uneheliches Kind hat, dass die Zeiten von moralisierender Politik glücklicherweise auch im katholischen Wallis vorbei sind – und dass Freysingers Kampagne, die auf ebendiese Werte der heilen Familie setzte, ins Leere zielte.

Die von Freysinger gegeisselte Elite identifizierte sich nie mit seinem unorthodoxen Politverständnis, nicht damals in Bern, nicht seither im Wallis. Er hingegen konnte sich stets darauf berufen, die Bevölkerung hinter sich zu haben. Lange ging das gut, und die SVP-Parteileitung verzieh ihm angesichts seiner Popularität so manche Ausfälligkeit. Umso schmerzhafter ist für den SVP-Zampano nun, dass das Wahlvolk an seiner Stelle gar einen Nobody bevorzugte.

Zum Verhängnis wurde ihm eine Mischung aus zweifelhafter Amtsführung, hemmungsfreiem Umgang mit Extremisten aller Couleur und einem Wahlkampf, der ans Strickmuster von US-Präsident Donald Trump erinnerte. Freysinger fühlte sich gar geschmeichelt, mit dem starken Mann vom Weissen Haus verglichen zu werden. Doch das Wallis ist nicht die USA – und auch die Restschweiz dürfte mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen, dass hierzulande die Bäume aufwieglerischer Populisten zumindest bei Exekutivwahlen weiterhin nicht in den Himmel wachsen. Seite 24