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Das neutrale Schweden probt den Ernstfall

Niels Anner, Kopenhagen

Skandinavien Schweden führt seit Montag seine grösste Militärübung in der neueren Zeit durch. Noch bis Ende September sind in dem neutralen Land 21 500 Soldaten im Einsatz – so viele wie seit 24 Jahren nicht mehr. Beteiligt sind auch zahlreiche zivile Organisationen, darunter der Zivilschutz, die Polizei und mehrere Spitäler.

Geübt wird unter dem Namen ­«Aurora 17» in vielen Teilen Schwedens, schwergewichtig jedoch in der Region der Hauptstadt Stockholm und auf der strategisch wichtigen Ostseeinsel Gotland. Der Einsatz von Infanterie, Luftwaffe und Marine kostet umgerechnet 70 Millionen Franken; fast doppelt so viel, wie die Armee normalerweise pro Jahr für Übungen ausgibt. Die Bevölkerung spürte den Anfang unter anderem gestern in Westschweden, als Gripen-Jets auf einer gesperrten Landstrasse Landungen und Starts trainierten.

Simulation einer Invasion aus dem Osten

Worum es bei dem Militäraufmarsch hauptsächlich geht, ist klar: Der Angriff kommt von Osten, auch wenn Russland nicht wörtlich erwähnt wird. «Die verschlechterte Lage in der umliegenden Welt, auch in der Region, macht diese Art von Übung notwendig», erklärte Generalmajor Bengt Andersson, der die Manöver leitet, «und zur Region rechnen wir auch die Ukraine.» Schweden sieht sich durch die russischen Machtdemonstrationen zunehmend bedroht. Nach den Krisen um die Krim und die Ukraine folgten U-Boot-Jagden vor der Küste Stockholms, Fälle von Spionage gegen die schwedische Armee, Drohungen gegen das Baltikum und immer wieder riskante Flugmanöver russischer Kampfjets. Zuletzt wurde im Juni der Botschafter des Kremls in Schweden einbestellt, nachdem sich ein russischer Jet im internationalen Luftraum einem schwedischen Aufklärungsflugzeug gefährlich genähert hatte. Betroffen waren auch schon Passagiermaschinen.

Wehrpflicht wieder eingeführt

Schweden hat vor diesem Hintergrund mit klarer politischer Mehrheit die Aufrüstung der Streitkräfte beschlossen. Letztes Jahr wurde zudem die Wehrpflicht wieder eingeführt, sie gilt nun auch für Frauen. Damit, sagte Verteidigungsminister Peter Hultqvist, sei die benötigte Aufstockung des Personalbestandes besser machbar. Die Übung Aurora bezeichnete er als «wichtiges Signal in der Verteidigungspolitik». Dies nicht zuletzt, weil auch 1500 Soldaten aus diversen Nato-Ländern beteiligt sind; zudem aus dem Russland-Nachbarland Finnland. Letztere sollen zusammen mit US-Truppeneinheiten in der Übung den «Feind» darstellen – Generalmajor Andersson freut sich, dass «wir damit qualifizierte Systeme als Gegner haben».

Wie Finnland hat Schweden ein Gastland-Abkommen mit der Nato: Dieses erlaubt in Krisenzeiten Übungen, logistische Unterstützung und Einsätze von Nato-Truppen in den beiden Ländern, sofern diese das Bündnis einladen. Einen Nato-Beitritt lehnt die links-grüne schwedische Regierung ab, nicht aber eine enge Zusammenarbeit. Peter Hultqvist betonte allerdings, «Aurora» sei keine Nato-Übung, Schweden habe die alleinige Befehlsgewalt inne. Kritik gibt es von Friedensorganisationen. Für sie erhöht eine solche Übung die Spannungen in der Region weiter. Es sind mehrere Demonstrationen gegen die Manöver angekündigt worden.

Niels Anner, Kopenhagen

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