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Datenklau in Deutschland: «Das ist ein Weckruf»

Kanzlerin Angela Merkel, Entertainer Jan Böhmermann und Schauspieler Til Schweiger: Daten von Hunderten Politikern und Prominenten wurden im Netz veröffentlicht. Ein professioneller Hacker fordert nun, dass Cybersicherheit endlich ernster genommen wird.
Christoph Reichmuth, Berlin
Kanzlerin Angela Merkel wurde nicht zum ersten Mal Opfer eines Hackerangriffs. (Bild: Jens Büttner/DPA-Zentralbild (Berlin, 23 Oktober 2018))

Kanzlerin Angela Merkel wurde nicht zum ersten Mal Opfer eines Hackerangriffs. (Bild: Jens Büttner/DPA-Zentralbild (Berlin, 23 Oktober 2018))

Eine aus dem Ausland gesteuerte Cyberattacke? Ein «blosser» Datenklau? Teilweise sensible Informationen von Hunderten von Politikern, Künstlern und Prominenten wurden im Netz veröffentlicht, darunter Dokumente wie Ferienfotos, Kontoinformationen, private E-Mails und Handynummern. Die Angriffe auf die Daten endeten bereits Ende Oktober des letzten Jahres, wurden daraufhin im Dezember veröffentlicht und erst am Donnerstag entdeckt. Betroffen von den Angriffen waren Politiker wie Kanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, SPD-Chefin Andrea Nahles, aber auch Prominente wie Til Schweiger, der Rapper Sido oder Moderator Jan Böhmermann sowie Journalisten von ARD und ZDF.

Immerhin: Brisante Informationen aus dem Kanzleramt wurden durch die Angriffe nicht erbeutet. «Nach jetzigem Erkenntnisstand liegt keine Betroffenheit der Regierungsnetze vor», gab das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) teilweise Entwarnung.

US-Geheimdienst NSA soll bei Aufklärung helfen

Im Fokus der Angriffe waren vor allem Politikerinnen und Politiker von CDU, CSU, aber auch sämtlicher anderer im Bundestag vertretenen Parteien – gemäss ersten Informationen indes mit Ausnahme der Alternativen für Deutschland (AfD). Die Daten wurden nicht nur über Bundestagsabgeordnete und Regierungsvertreter gesammelt, sondern auch über Landes-, Europa- und Kommunalpolitiker. Informationen wurden über einen inzwischen gesperrten Twitteraccount in Form eines Adventskalenders täglich im Dezember scheibchenweise veröffentlicht. Erinnerungen an die Cyberattacken auf Regierung und Bundestag in den letzten Jahren wurden dadurch wach. Gemäss «Bild» beantragten die deutschen Sicherheitsbehörden den US-Geheimdienst NSA bei der Aufklärung um Mithilfe.

Stecken hinter der Attacke Dienste aus Russland oder China – mit dem Ziel, das wichtigste EU-Land politisch zu destabilisieren? Im Verlaufe vom Freitag wurde diese Theorie zunehmend verworfen – die Daten lassen eher darauf schliessen, dass eine Einzelperson oder eine Gruppe von Einzelnen mit relativ einfachen Methoden über Monate hinweg akribisch Daten gesammelt hat.

Kräfte aus Russland könnten versuchen, AfD zu stärken

So sieht das auch der professionelle Hacker und Experte für Spionage im Internet, Götz Schartner: «Opfer wurden Politiker und Prominente, die einen Kardinalsfehler begangen haben und Passworte offenkundig für mehrere Konten benutzt haben.» Dass die rechtskonservative AfD nicht von den Attacken betroffen ist und der inzwischen gelöschte Twitteraccount mit rechten bis rechtsextremen Usern verknüpft war, lasse darauf schliessen, dass die Attacke aus dem rechten Spektrum erfolgt sei. Schartner: «Es ist auf jeden Fall ein Weckruf, damit die Cybersicherheit endlich ernster genommen wird.»

Die Gefahr von Cyberattacken aus dem Ausland ist so gross wie kaum je zuvor. In Deutschland stehen 2019 wichtige Wahlen an – zuerst die Europawahl, im Spätsommer drei Landtagswahlen im Osten des Landes, wo die AfD stärkste Kraft werden könnte. «Durch Cyberattacken können gezielt Stimmungen vor Wahlen beeinflusst werden.» Wer der EU schaden wolle, sei daran interessiert, in Deutschland die AfD zu stärken. Schartner: «Es ist primär Russland, das ein Interesse an einer geschwächten EU hat.»

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