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Das IS-Kalifat ist «vollständig eliminiert»

Die letzte Hochburg der Terrormiliz ist gefallen. Seine militärische Niederlage will der «Islamische Staat» jedoch nicht einräumen – und den Kampf fortsetzen.
Michael Wrase, Amman
Waffen von IS-Kämpfern in der befreiten ostsyrischen Stadt Al-Mayadin. (Bild: Chris McGrath/Getty, 22. März 2019)

Waffen von IS-Kämpfern in der befreiten ostsyrischen Stadt Al-Mayadin. (Bild: Chris McGrath/Getty, 22. März 2019)

Die Erfolgsmeldung kam per Twitter: «Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) erklären die vollständige Eliminierung des sogenannten Kalifats und die territoriale Niederlage zu 100 Prozent.» Mehr als sechs Wochen hatte die Terrormiliz ihre am Ufer des Tigris gelegene Hochburg Baghouz verteidigt. Ihre letzten Kämpfer hatten sich in einem Netz aus Gräben und unterirdischen Tunneln verschanzt, das die überwiegend kurdischen Kämpfer der SDF am Samstagmorgen überrannten. Sie bezeichneten ihren Sieg als einen «historischen Moment».

60 000 Zivilisten sind seit Anfang Februar aus dem umkämpften Gebiet geflohen. Unter ihnen waren 5000 IS-Kämpfer, die sich ergaben. Noch einmal so viele Terroristen sollen ums Leben gekommen sein.

Siegeszug begann vor sechs Jahren

Mit der Eroberung der ostsyrischen Grossstadt Rakka im März 2013 hatte der sogenannte Islamische Staat (IS) seinen Siegeszug begonnen. Nach der Einnahme der irakischen Grossstädte Tikrit und Mosul im Frühjahr 2014 proklamierte der «IS» sein «Kalifat», das ein Jahr später mehr als doppelt so gross wie die Schweiz war und acht Millionen Einwohner hatte.

Militärisch zerschlagen wurde der von der «New York Times» einmal als «teuflisch effizient» beschriebene Terrorstaat von der kurdischen SDF, die bei ihren Offensiven massive Unterstützung der US-amerikanischen Luftwaffe erhielt, sowie der irakischen Armee und pro­iranischen Milizen.

Allerdings bedeutet der schwer errungene Sieg vermutlich noch nicht die endgültige Niederlage der Dschihadisten. Ideologisch zeigt sich ihr harter Kern weiterhin ungebrochen. IS-Propagandisten hatten in den letzten Wochen ihre Terrororganisation als «Opfer böser Mächte» präsentiert und versucht, selbst aus dem Untergang noch politisches Kapital zu schlagen. So stellte IS-Sprecher Abu Hassan al-Muhajir das Massaker im neuseeländischen Christchurch auf eine Stufe mit dem «Kreuzzug der gottlosen Mächte» zur Erobe-rung der Dschihadistenhochburg ­Baghouz und forderte die «Gefolgsleute des Kalifats» zu weltweiten Racheaktionen auf.

Verloren, so die wirre IS-Logik, habe man die Kleinstadt am Euphrat «nur nach westlichen Massstäben». Diese besässen für wirklich gläubige Muslime aber keine Gültigkeit, versuchen Sprecher der Extremisten ihren Anhängern einzuhämmern. Der Kampf werde auf vielfältige Weise fortgesetzt. Entsetzt hatten Kämpfer der SDF Anfang März zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Moral der aus Baghout evakuierten IS-Frauen noch immer ungebrochen ist. Mit hassverzerrten Gesichtern hatten sie vor den Kameras westlicher Medien geschworen, weitere Generationen von Dschihadkämpfern auf die Welt zu bringen.

Bis es so weit ist, könnten bis zu 20 000 in Syrien und dem Irak untergetauchte IS-Gefolgsleute für neue Unruhe im Mittleren Osten sorgen, befürchten amerikanische Offizielle. Die Aktivisten würden in Schläferzellen auf Befehle für neue Anschläge warten. Betroffen könnte auch Westeuropa sein, wohin viele IS-Anhänger angesichts der sich abzeichnenden militärischen Niederlage der Terror­miliz in den letzten Monaten zurückgekehrt sind.

Dem Anführer soll die Flucht gelungen sein

«Amerika schickt seine Raketen und wir schicken unsere Bomben», hatte IS-Kalif Abu Bakr al Baghdadi in einer seiner Audiobotschaften gedroht. Dem Anführer der Terrormiliz soll die Flucht aus der letzten IS-Hochburg gelungen sein. Nach Angaben seines Sprechers erfreue er sich «guter Gesundheit». Arabische Geheimdienste vermuten den Hassprediger in einem Wüstengebiet unweit der syrischen Ruinenstadt Palmyra. Die aus Baghouz evakuierten 66 000 Zivilisten, von denen die Hälfte als Sympathisanten der Terrororganisation gilt, wurden dagegen im Internierungslager Al-Hol untergebracht.

Das im kurdischen Nordosten Syriens gelegene Camp ist nach Angaben von Hilfsorganisationen völlig überlastet. Die Kurden seien mit der Versorgung der Insassen überfordert. Die Gefahr sei deshalb gross, dass das Lager zu einer «Brutstätte neuen Terrors» werden könnte.

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