Das Ende eines Oligarchen

Russlands bekanntester politischer Flüchtling Boris Beresowski ist tot. Der russische Oligarch der ersten Stunde und Putin-Intimfeind starb im Alter von 67 Jahren im Londoner Exil.

Sebastian Borger
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Todesursache noch unklar: Der russische Oligarch Boris Beresowski starb in London. (Bild: epa/ Karel Prinsloo)

Todesursache noch unklar: Der russische Oligarch Boris Beresowski starb in London. (Bild: epa/ Karel Prinsloo)

LONDON. Am Ende eines turbulenten Lebens starb Boris Beresowski in seiner edlen Villa westlich von London einen einsamen Tod. Am Samstagnachmittag rief ein Bodyguard des exilierten Oligarchen, 67, eine Ambulanz zum Haus in Ascot (Grafschaft Berkshire). Doch die Sanitäter konnten nur noch den Tod feststellen. Die genaue Ursache muss erst durch eine Obduktion geklärt werden; allerdings schloss die Kriminalpolizei gestern einen Giftmord à la KGB aus. Starb der gelernte Mathematiker und spätere Milliardär an einem Herzinfarkt? Nahm er sich das Leben? Die Reaktionen seines Umfeldes liessen erkennen, dass der einstige Oligarch zuletzt den Eindruck eines gebrochenen Mannes vermittelte. «Ich würde nichts lieber als nach Russland zurückkehren», diktierte er kürzlich einem russischen Journalisten des Finanzmagazins «Forbes» in den Block.

Langjähriger Kritiker Putins

Der Rückkehr in sein Heimatland stand Beresowskis langjährige Kritik am autoritären Präsidenten Wladimir Putin im Weg. Unter dessen Vorgänger Boris Jelzin hatte der frühere Professor und erste Moskauer MercedesHändler sein Vermögen zusammengerafft, galt bald als Einflüsterer des zunehmend alkoholkranken Reform-Präsidenten. Als der einstige KGB-Oberst Putin die Macht im Kreml übernahm, wollte Beresowski sich als eine Art Mentor aufspielen. Bald darauf fand er sich im überstürzten Exil in London wieder. Grossbritannien gewährte ihm 2003 Asyl mit der Begründung, sein Leben sei bedroht.

Tatsächlich hatte Beresowski schon 1994 in Moskau einen Bombenanschlag überlebt, der seinem Fahrer den Kopf abriss. 2007 musste er auf Anraten des Geheimdienstes kurzzeitig das Land verlassen, weil ihm ein russischer Killer nach dem Leben trachtete. Ob der Kreml diesen geschickt hatte? Beresowski besass aus alten Zeiten Feinde in Hülle und Fülle, wie Edward Lucas in seinem Buch «The new cold war» (Der neue Kalte Krieg) 2008 schrieb: «Bei jedem Unternehmen, das er anfasste, neigten die anderen Aktionäre, Angestellten und Kunden bald dazu, seinen Namen zu verfluchen.»

Beziehungen belastet

Für das britisch-russische Verhältnis stellte Beresowski eine schwere Belastung dar. Schwerer wiegt freilich der ungesühnte Mord an Alexander Litwinenko. Der Dissident und harte Putin-Kritiker wurde an Allerheiligen 2006 mitten in London mit dem radioaktiven Isotop Polonium-210 vergiftet und starb drei Wochen später qualvoll. Die Briten bezichtigen den Geschäftsmann und Duma-Abgeordneten Andrej Lugowoj des Mordes, dessen Auslieferung verweigert Moskau.

Klage gegen Abramowitsch

Beresowskis Ruf in London erlitt einen irreparablen Schaden durch seine Schadensersatzklage auf 3,5 Milliarden Euro gegen Roman Abramowitsch, einen einstigen Geschäftspartner und heutigen Besitzer des Fussballclubs FC Chelsea. Der Kläger sei ein «gänzlich unzuverlässiger Zeuge, der die Wahrheit als flexibles Konzept betrachtet», lautete das vernichtende Verdikt der Richterin. Sie wies die Klage ab, Beresowski blieb auf Gerichtskosten in zweistelliger Millionenhöhe sitzen.

Auch sonst war ihm die britische Justiz wenig gewogen. Seiner Ex-Frau und Mutter von zwei Kindern sprach das Scheidungsgericht 2011 117 Mio. Euro zu. Zuletzt fror der High Court auf Antrag seiner langjährigen Lebensgefährtin und Mutter zweier weiterer Kinder, Jelena Gorbunowa, 234 Mio. Euro seines bereits stark zusammengeschmolzenen Vermögens ein.

Bei dem Rechtsstreit ging es um Gorbunowas Anteil an einem grosszügigen Anwesen in der Grafschaft Surrey, das der Ex-Oligarch für 29 Mio. Euro verkaufen musste.

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