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Das Ende der Debatten im Spielerparadies

Die dritte TV-Konfrontation war inhaltlich die spannendste. Für den Sieg aber musste Hillary Clinton nur auf den Ausraster Donald Trumps warten.
Walter Brehm

Las Vegas – was hätte eine bessere Kulisse sein können für die letzte Fernsehdebatte in dem einer Fernseh-Reality-Show gleichenden Präsidentschaftswahlkampf in den USA als das Spielerparadies in Nevada.

Eine klare Siegerin oder gar einen klaren Sieger hat es aber erneut nicht gegeben. In der Nacht auf gestern (MEZ) war der Gewinner am ehesten der Moderator von Fox-TV. Dieser schonte weder Hillary Clinton noch Donald Trump.

Unterschiedliche Auslegung der Verfassung

Angefangen hatte die Debatte eigentlich für beide Kontrahenten recht gut. Trotz gegenseitiger persönlicher Angriffe zeichnete sich schnell die an Inhalten reichste Konfrontation zwischen den beiden Kandidaten ab. Aber auch dies war vor allem dem Moderator geschuldet. Selbstbewusst zwang Chris Wallace die beiden zumeist kalkuliert ausschweifenden Anwärter auf das Weisse Haus mehrfach, konkreter auf seine Fragen einzugehen.

An den Themen Waffen, Abtreibung und Einwanderung wurde einem Millionenpublikum ein ums andere Mal überdeutlich, wie unterschiedlich Clinton und Trump die Verfassung der USA auslegen. Während Trump ohne Wenn und Aber um Amerikas Waffenfanatiker buhlte, mit Horrorgeschichten den Frauen ein Recht auf Abtreibung streitig machte und Millionen von papierlosen Migranten mit Abschiebung drohte, war Clinton stets bemüht, sich als prinzipientreu, sachlich und besonnen zu präsentieren. Sie wolle das Recht auf Waffen nicht abschaffen, sondern nur einschränken, erklärte Clinton und verwies auf die jährlich 33 000 Opfer von Schusswaffengebrauch.

Aus der schwierigen, aber stets persönlichen Entscheidung über einen Schwangerschaftsabbruch müsse sich der Staat heraushalten. Und die Ausweisung von elf Millionen Papierlosen – mit vier Millionen Kindern – würde das Land nicht nur wirtschaftlich schädigen, sondern moralisch zerreissen sagte Clinton. Fast alles war von beiden Kandidaten schon mehrfach gesagt worden. Und das meiste diente beiden dazu, überzeugte Anhänger zu bedienen.

Mit seiner ultrakonservativen Position zum Abtreibungsrecht versuchte Donald Trump allerdings erstmals deutlich, um die Gunst evangelikaler Christen zu werben – eine Wählerschaft, ohne die kein Republikaner Präsident wird.

Defensive Clinton und unbeherrschter Trump

Aber auch Hillary Clinton geriet in der Debatte in Sachen jüngerer Vergangenheit mehrfach in die Defensive. Die Fragen, welche die sonst so flotte und kenntnisreiche Argumentation der Demokratin in Stocken brachten, waren nicht neu. Sie offen zu beantworten für Clinton aber nach wie vor unangenehm: Mögliche Interessenkonflikte in ihrer Zeit als Aussenministerin, mögliche Gegenleistungen für Zahlungen an die Clinton- Stiftung in Form von Posten oder Regierungsaufträgen – Clinton blieb vage und war nicht willig zu Transparenz.

Und da war er wieder, der unbeherrschte Trump, der nach-tritt, statt die erkennbaren Schwächen seiner Kontrahentin einfach wirken zu lassen. «Die Clinton-Foundation ist eine kriminelle Organisation und Hillary Clinton durch und durch korrupt.» Laut und aufgeregt spielte er die Lieblingsmelodie seines Wahlkampfes, ohne zu merken, dass seine beleidigenden Überspitzungen ihm selber – nicht zum ersten Mal – mehr schadeten als der Angegriffenen.

So sehr sich Trump wohl vorgenommen hatte, nicht auszuflippen, war er letztlich auch in der dritten Fernsehdebatte selber sein ärgster Feind. Die Spitze der Unflätigkeit war damit noch nicht erreicht. Auf die Frage des Moderators, ob Trump bereit sei, auch ein für ihn negatives Wahlergebnis zu respektieren, setzte der Republikaner erneut auf seine Neigung zu Verschwörungstheorien.

Statt eines klaren Ja erklärte er: «Ich werde dies zu gegebener Zeit entscheiden.» Sein bisher unbegründeter und paranoid wirkender Verdacht, die Wahlen könnten von Clinton-Anhängern manipuliert werden, war ihm wichtiger als die Anerkennung demokratischer Spielregeln. Einen knappen Wahlausgang überprüfen zu lassen, nimmt man keinem Politiker übel, aber schon im Vorfeld von Manipulation zu fabulieren, ist skandalös.

Das Fazit vieler kritischer Zuschauer nach den drei Fernsehdebatten der beiden Kontrahenten dürfte deshalb klar ein: Donald Trump kann es einfach nicht, und Hillary Clinton ist definitiv das kleinere Übel.

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