Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DÄNEMARK: Geheimdienste in Alarmbereitschaft

Im Internet kursieren Listen, die zu Morden an Ministern, Parlamentariern und der Königin aufrufen. Dass Journalisten – und nicht der Geheimdienst – den Fall aufgedeckt haben, stösst nun auf Kritik.

Auf diversen Internetseiten und in Foren fordern laut Recherchen des dänischen Radios DR Unbekannte zum Mord an bekannten Persönlichkeiten auf. Mögliche Täter sollen nach Dänemark einreisen, um die auf einer langen Liste aufgeführten Prominenten umzubringen. Dazu gehören Minister, sämtliche Parlamentsmitglieder, Familiendynastien und Angehörige des Königshauses. Zuoberst auf der Liste steht der liberale dänische Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen.

Die Anweisung in dem Aufruf sind laut DR äusserst detailliert. So finden sich Adressangaben und Links zu Videos, die die Umgebung von Wohnungen der Betroffenen zeigen, darunter jene von Lökke.

Genauer Plan der königlichen Residenz

Enthalten sind überdies Informationen darüber, wo Familienmitglieder von Lökke und anderen Politikern zu finden sind. Und auch der Königshof ist im Visier der Unbekannten: Er befinde sich nur wenige hundert Meter von der Wohnung des Ministerpräsidenten entfernt, heisst es im Aufruf, dazu folgt ein Link mit einem genauen Plan der königlichen Residenz. Der schwedische Terrorexperte Magnus Ranstorp spricht von einer ernsthaften Bedrohung, es handle sich um eine klare Aufforderung mit spezifischen Zielen. Dies gehe über das hinaus, wofür ein bekannter dänischer Islamist verurteilt worden sei: Er hatte auf Youtube, Facebook und in Büchern zu Terror und Angriffen gegen bekannte Dänen aufgerufen, darunter gemässigte Muslime. Dem gebürtigen Marokkaner war deshalb zusätzlich zu einer Gefängnisstrafe die dänische Staatsbürgerschaft aberkannt worden. Unter den jetzt Betroffenen hat die Liste Schockwellen ausgelöst. «Das ist ja eine Gebrauchsanweisung», sagte Preben Bang Henriksen, der rechtspolitische Sprecher der Liberalen im Parlament. Er erlebe als Politiker oft auf die eine oder andere Art Unangenehmes, «aber wenn publiziert wird, auf welcher Etage der Ministerpräsident wohnt, dann läuft es einem schon kalt den Rücken runter».

Radio erstattet Anzeige bei der Polizei

Weder der Königshof noch ein Ministerium oder der Geheimdienst wollten sich zunächst zu den Fällen äussern. DR hat laut eigenen Angaben bei der Polizei Anzeige erstattet und mehrere Internetanbieter informiert. Einige hätten geantwortet, dass die fraglichen Einträge gegen ihre Regeln verstiessen, hiess es laut DR; ein Teil der Aufrufe wurde in der Zwischenzeit blockiert. Das Justizministerium erklärte lediglich, der Geheimdienst kümmere sich um «Online-Terrorpropaganda» und habe das nötige Personal, um dagegen vorzugehen.

Ausserdem würde versucht, mit Blockierungsfiltern den Zugang zu gefährlichen Inhalten auf ausländischen Websites zu sperren. Die Sozialdemokratin Trine Bramsen kritisierte hingegen: «Es ist ungenügend, dass Journalisten auf diese Listen stossen. Die Behörden sollen verstärkt im Netz patrouillieren und sie finden.»

Terrorexperte Ranstorp sagte zu DR, dass der Geheimdienst möglicherweise seine Gründe habe, die Entfernung der Listen auf dem Internet nicht sofort durchzusetzen. Vielleicht versuche der Staatsschutz herauszufinden, wer auf die entsprechenden Seiten zugreife oder die Informationen weiterverbreite.

Niels Anner, Kopenhagen

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.