Covid-19
In Amerika wurden bereits Millionen von Kindern gegen Covid-19 geimpft

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA lässt die Kinderimpfung zu. In den USA läuft die Impfkampagne für 5- bis 11-Jährige bereits auf Hochtouren. Seit Monatsbeginn erhielten bereits 13 Prozent aller Kinder den Piks. Der Erfahrungsbericht unseres Korrespondenten.

Renzo Ruf, Washington
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Der 10 Jahre alte Iker Santiago-Sias wird in Odessa (Texas) gegen Covid-19 geimpft.

Der 10 Jahre alte Iker Santiago-Sias wird in Odessa (Texas) gegen Covid-19 geimpft.

Jacob Ford / AP

Sie überraschen mich immer wieder, meine Kinder. Als der langersehnte Tag endlich da ist und mein 9-Jähriger und meine 7-Jährige ihre erste Covid-Impfung bekommen, da geschieht ... gar nichts. Die beiden lassen die Prozedur geradezu stoisch über sich ergehen, und beklagen sich weder über die Warterei im Impfzentrum meines Wohnorts in der Agglomeration von Washington noch über allfällige Schmerzen. Eine Stunde später essen wir Donuts, zur Belohnung. Und sind irgendwie erleichtert, dass unsere Familie auf dem langen Weg zur «neuen Normalität» einen weiteren wichtigen Schritt vorwärts gekommen ist.

Meine Familie ist dabei keine Ausnahme. Seitdem die Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) zu Monatsbeginn grünes Licht für Corona-Impfungen bei Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren gab, registrieren staatlichen Impfzentren und lokale Apotheken und Arztpraxen eine hohe Nachfrage. Bereits sollen mehr als 3,5 Millionen Kinder den ersten Pieks bekommen haben, meldete die Gesundheitsbehörde dieser Tage. Dies entspräche rund 13 Prozent aller 5- bis 11-Jährigen, die in Amerika wohnen. Weil wöchentlich landesweit deutlich mehr als eine Million Impfdosen gespritzt werden, wird diese Quote nun höher liegen.

Mit ein Grund für dieses positive Echo: Die hohe Wirksamkeit der Pfizer-Impfung bei Kindern. Gemäss den Zahlen der Heilmittelkontrollstelle FDA (Food and Drug Administration) hat die Covid-Impfung eine Wirksamkeit von 90,7 Prozent. Und, ebenso wichtig für besorgte Eltern: Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass der Pfizer-Impfstoff zu ernsthaften Nebenwirkungen führen kann. (Der Hersteller Moderna zog sein Gesuch für eine Zulassung seines Impfstoff zurück, um herauszufinden, ob zwischen einer selten Herzmuskelerkrankung und der Covid-Impfung ein Zusammenhang bestehe.)

Die Skeptiker werden sich von solchen Erkenntnissen wohl nicht überzeugen lassen. So gibt es Stimmen, die sagen: Noch sei es zu früh, Schlussfolgerungen über die Nebenwirkungen zu ziehen, weil die meisten Kinder ihren zweiten Pieks noch nicht bekommen hätten. (Wie die Erwachsenen müssen die 5- bis 11-Jährigen drei Wochen warten, um sich die zweite Dosis verabreichen zu lassen.) Auch gibt es immer wieder Menschen, die darauf verweisen, dass eine Covid-Erkrankung bei Kindern meist mehr oder weniger harmlos verlaufe. Vergleiche zwischen Covid bei 5- bis 11-Jährigen und der saisonalen Grippe sind durchaus angebracht, sind doch die Hospitalisierungsraten etwa gleich hoch.

Bereits gab der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom allerdings bekannt, dass die Covid-Impfung ab dem kommenden Schuljahr zu den Pflicht-Vakzinen gehören werde. «Es gibt keinen Grund, warum wir dies für Covid-19 nicht tun würden», nachdem Kinder ja auch gegen Masern oder Mumps geimpft werden müssten, sagte der Demokrat. Republikanisch dominierte Landesteile wollen allerdings von einer Impfpflicht nichts wissen, obwohl in Amerika immer noch täglich etwas mehr als 1000 Menschen sterben.

Zurück zu meinen stoischen Kindern. Auch am Tag nach dem ersten Corona-Pieks beklagen sich die beiden nicht über Nebenwirkungen. Enttäuscht sind sie eigentlich nur darüber, dass alle Menschen in ihrem Schulhaus weiterhin eine Gesichtsmaske tragen müssen – egal, ob sie geimpft oder nicht geimpft sind.

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