Coronavirus
Das Stäbchen muss nur zwei Zentimeter in die Nase: Mit neuen «Wohlfühltests» will Dänemark raus aus dem Lockdown

Dänemark sagt Corona den Kampf an: Per Grossoffensive mit Hunderttausenden von Schnelltests will das Land die Öffnung der Gesellschaft schaffen. Dabei setzen die Skandinavier auf einen neuartigen Test.

Niels Anner aus Kopenhagen
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Das tiefe Bohren hat bald ein Ende - zumindest in Dänemark. Dort setzen die Behörden auf neue «Wohlfühltests» und hoffen auf eine breitere Akzeptanz in der Bevölkerung.

Das tiefe Bohren hat bald ein Ende - zumindest in Dänemark. Dort setzen die Behörden auf neue «Wohlfühltests» und hoffen auf eine breitere Akzeptanz in der Bevölkerung.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Es ist eine signifikante Änderung: Bloss 2 bis 3 Zentimeter muss das Wattestäbchen bei den neuen Schnelltests in die Nase hinein, ein kurzes Kitzeln – fertig. «Man spürt fast nichts, es ist, wie wenn man kurz in der Nase bohrt», erklärte ein TV-Moderator, der die neuen «Wohlfühltests» als erster Däne ausprobierte.

Ein grosser Unterschied zu den bisherigen Tests, bei denen das Stäbchen bis zu 14 Zentimeter tief in die hintere Nasenhöhle gesteckt wird, um das Probematerial zu entnehmen – eine Prozedur, die viele als schmerzhaft oder zumindest sehr unangenehm empfinden.

Mit Know-how aus der Schweiz

Der neue Antigen-Schnelltest ist sensitiver und zeigt deshalb bereits bei kleinen Virenkonzentrationen zuverlässige Resultate an. Entwickelt wurde er von Roche zusammen mit dem Unternehmen Biosensors aus Singapur, das seinen europäischen Sitz in Morges VD hat.

Die dänischen Behörden haben in eigenen Analysen die Untersuchungen der Hersteller zur Zuverlässigkeit bestätigt. Dänemark hat deshalb bereits 10 Millionen der «Wohlfühltests» bestellt; der Einsatz beginnt in den nächsten Tagen. Gemäss Gesundheitsminister Magnus Heunicke sollen mit der Zeit alle herkömmlichen Schnelltest durch die neuen ersetzt werden. Dies nicht nur, weil sie viel angenehmer sind und deshalb sicher besser akzeptiert werden, sondern auch, weil das Land mit einer neuen Testoffensive aus dem Lockdown kommen will.

«Diese Tests sind der Schlüssel für die Öffnung der Gesellschaft», so Heunicke. Damit alle wieder in die Schule dürften und Läden öffnen könnten, solle eine Testpflicht eingeführt werden: Um in die Schule zu kommen, sei für Lehrer- und Schülerschaft zwei Mal pro Woche ein Test nötig – zumindest für die 250'000 älteren Schüler, da die jüngeren weniger ansteckend seien. Danach kämen auch andere Bevölkerungsgruppen für regelmässige Testprogramme in Betracht, wobei laut den Behörden auch der Selbsttest eingeführt werden könnte, wenn die Probeentnahme in der Nase nun so einfach werde.

Dänemark testet zehnmal mehr

Dänemark ist bereits jetzt zusammen mit Österreich Europameister in Sachen Tests pro Bevölkerungszahl. Die Tests sind gratis und jederzeit ohne Symptome möglich. Das skandinavische Land testet dadurch im Schnitt fast zehnmal so viel wie die Schweiz und erreicht eine Positivrate von gerademal 0,4 Prozent. Dies bedeutet, dass die Coronalage gut unter Kontrolle ist.

Dennoch hat die Regierung aus Furcht vor den neuen Mutationen seit Weihnachten einen Lockdown verfügt. Einzig die bis 10-Jährigen dürfen zur Schule. Doch der Druck steigt, dass endlich mehr geöffnet wird – und die neuen Tests sollen nun den Befreiungsschlag bringen.

Einmal pro Woche gehts zum Covid-Test

Viele Angestellte in dänischen Kindergärten, Schulen sowie Altersheimen werden bereits jetzt regelmässig getestet, und grundsätzlich werden sämtliche Arbeitnehmer aufgefordert, einmal pro Woche einen Test zu machen. Allerdings hat sich gezeigt, dass grosser Widerwillen gegen die unangenehmen Nasen-Schnelltests besteht.

Viele machen, wenn überhaupt, lieber einen PCR-Test; dieser erfordert in Dänemark nur einen Halsabstrich, das Resultat kommt aber erst nach 24 Stunden. Die 15-Minuten-Schnelltests sind da wesentlich effizienter – und für die Schulen ist der «Wohlfühltest» auch der einzige gangbare Weg. Der Aufschrei dürfte riesig sein, würde man eine Testpflicht mit den herkömmlichen, oft schmerzhaften Nasentests einführen.