Corona-Ausbruch in Ferienort in Österreich: Wird der Wolfgangsee zum neuen Ischgl?

Zu Beginn der Pandemie verbreiteten Tirol-Touristen das Coronavirus über ganz Europa. Nun haben sich Dutzende Hotel-Mitarbeiter in St. Wolfgang in Oberösterreich angesteckt. Wie viele Touristen das Virus bereits nach draussen getragen haben, ist unklar.

Stefan Schocher aus Wien
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Das berühmte Hotel Weisses Rössl in St. Wolfgang am Wolfgangsee: Auch hier hat Corona zugeschlagen.

Das berühmte Hotel Weisses Rössl in St. Wolfgang am Wolfgangsee: Auch hier hat Corona zugeschlagen.

Keystone

Ein Coronaausbruch in einem Feriengebiet, und das mitten in der Saison – ein Alptraum für Österreich-Touristen und für die dortige Tourismuswirtschaft gleichermassen. Und genau der realisiert sich dieser Tage in St. Wolfang am Wolfgangsee. 53 bestätigte Infektionen meldeten die lokalen Gesundheitsbehörden am Montag.

Zugleich äusserten sich die Behörden in Oberösterreich aber vorsichtig optimistisch: Der Ausbruch sei gut eingrenzbar, so die Leitung des Krisenstabes des Landes. Eine Schliessung von Betrieben, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit oder gar die Abriegelung ganzer Orte in der Region seien derzeit nicht angedacht. Die Region verzeichnet dennoch bereits eine massive Stornierungswelle.

Kulthotel «Weisses Rössl» vom Ausbruch betroffen

Betroffen sind in Summe elf Betriebe in St. Wolfgang. Darunter auch das legendäre Hotel «Weisses Rössl». Und wie sich laut der derzeit bekannten Zahlen abzeichnet, sind vor allem Angestellte von Beherbergungsbetrieben betroffen. Unter den 53 Infizierten sind 52 Mitarbeiter der Hotellerie sowie ein Gast. Unter den Hotellerie-Mitarbeitern selbst scheinen vor allem Praktikanten betroffen.

Wie es seitens der Landesbehörden hiess, könne man aber nicht ausschließen, dass sich bereits abgereiste Touristen infiziert hätten. Alle Urlauber, die seit dem 15. Juli in den betroffenen Betrieben untergebracht waren, sollen informiert werden.

Zwei Lokale in St. Wolfgang wurden in Folge des Ausbruchs vorübergehend geschlossen: das «13ner Haus» sowie das «W3». Zahlreiche Betroffene sollen in diesen Bars unterwegs gewesen sein. In St. Wolfgang wurde auch ein Test-Drive-in eingerichtet. Der Andrang war dem Vernehmen nach gross, es kam zu Wartezeiten von bis zu einer Stunde.

Hat man gelernt aus den Fehlern von Ischgl?

St. Wolfgangs Stadtpräsident Franz Eisl gab sich am Sonntag bereits zuversichtlich. Er sah die Infektionskette durch die «rasche und konsequente Reaktion» bereits durchtrennt. Die infizierten Praktikanten seien nicht mehr in St. Wolfgang sondern bereits zu Hause. Und über den Sommer wolle man Mitarbeiter der Hotellerie weiter konsequent testen.

Was sich da aufdrängt ist eine Binsenweisheit: Im Nachhinein ist man immer schlauer. Denn an sich hatte das Gesundheitsministerium in Kooperation mit der Tourismuswirtschaft bereits vor Beginn der Sommersaison flächendeckende, regelmässige Tests in der Hotellerie organisiert, um genau ein solches Szenario zu vermeiden.

Weniger Tests als geplant

Das gesamte Personal sollte in Brennpunktorten auf freiwilliger Basis durchgecheckt werden. Testkapazitäten von 65000 Tests pro Woche wurden frei gemacht. Genutzt wurde dieses Angebot aber nur zu einem Bruchteil: Bundesweit war Mitte Juli von rund 10200 Testungen pro Woche die Rede. St. Wolfgang liegt administrativ zwar in Oberösterreich, kann allerdings rein räumlich zur Urlaubsregion Salzburg gezählt werden: Dort wurden nur 3000 der angepeilten 10000 Tests in der Hotellerie durchgeführt.

Und in Oberösterreich? Oberösterreich hatte seit Anfang Juli massive Zuwächse an Neuinfektionen verzeichnet. Vor allem der Großraum Linz sowie Wels sind betroffen. Ursache war allerdings nicht der Urlauberandrang sondern Gottesdienste in evangelikalen Freikirchen. Oberösterreich war in Folge aber das erste Bundesland, das wieder eine Maskenpflicht im Handel einführte – wie sie mittlerweile wieder Bundesweit gilt.

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