Corona-Virus-Patientin aus Italien erzählt: «Ich habe das Vorzimmer der Hölle erlebt»

Das Corona-Virus verbreitet sich in Europa immer weiter. Für viele junge Menschen ist es ungefährlich, doch bei älteren können sich die Symptome viel stärker zeigen. Eine Seniorin aus Italien schildert, wie sie die Krankheit erlebt hat.

dab / watson
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Ein Corona-Virus-Patient wird in den Spital transportiert.

Ein Corona-Virus-Patient wird in den Spital transportiert.

Bild: Keystone

Seit geraumer Zeit sorgt das Coronavirus in Italien für Ausnahmezustand. Immer mehr Leute erkranken an COVID-19 und müssen ins Spital. Besonders gefährdet sind dabei ältere Leute. Bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass die Symptome stärker sind.

Unter Umständen ist es nämlich möglich, dass es nicht nur bei den anfänglichen Symptomen Husten und Fieber bleibt. So auch bei der 68-jährigen Fernanda aus San Paolo in der Provinz von Brescia. Die Seniorin erzählte dem «Giornale di Brescia», wie intensiv die Krankheit bei ihr verlief.

Zu Beginn seien die Symptome auch bei ihr nicht besonders stark gewesen, so Fernanda: «Ich hatte zwei, drei Wochen Fieber zwischen 37 und 38 Grad. Aber den Test wollten sie nicht machen, obwohl ich mehrmals nachgefragt habe.»

Brennende Schmerzen in der Brust

Dabei habe sie gewusst, dass es sich nicht um eine normale Grippe handeln könne. So seien die Schmerzen immer stärker geworden: «Du fühlst in dir ein Brennen. In der Nacht schwitzt du und am Tag fühlt es sich so an, als hättest du ein Feuer auf der Höhe der Lunge.» Als sie dann ins Spital nach Cremona ging, wurde sie direkt eingeliefert.

Mit der Zeit waren die Schmerzen dann so stark, dass sie nichts mehr zu sich nehmen konnte, so Fernanda: «Man kann nicht mehr essen und trinken. Man erkennt keinen Geschmack mehr, es ist ein ganz komisches Gefühl. Die Krankheit schwächt einen, sie raubt einem die Kräfte und den Appetit.»

Das Coronavirus erfordert teilweise intensive medizinische Behandlung.

Das Coronavirus erfordert teilweise intensive medizinische Behandlung.

Bild: Keystone

Aber nicht nur die Krankheit selbst setzte Fernanda zu. Auch das Umfeld bereitete ihr Unbehagen: «Wir waren zu viert in einem Zimmer, drei davon mussten rund um die Uhr mit Sauerstoff versorgt werden. Wir mussten tagelang die gleichen Kleider tragen, da uns natürlich niemand besuchen durfte. Ausserdem habe ich viel Leid und Schmerz sehen müssen. Wie den Leuten, die es etwas weniger brauchten, der Sauerstoff weggenommen wurde, um es denjenigen zu geben, die notfallmässig eingeliefert wurden. Ich habe das Vorzimmer der Hölle erlebt.»

Dem Personal unendlich dankbar

Doch obwohl sie im Spital eine äusserst unangenehme Zeit durchleben musste, ist Fernanda unendlich dankbar, dass sie wieder gesund wurde. Ein besonderer Dank geht dabei an das Spitalpersonal: «Ich habe Engel ohne Flügel gesehen, die über ihre Grenzen gehen, um Leute zu retten, sie geben alles, was sie haben.»

Mittlerweile konnte Fernanda das Spital wieder verlassen. Ganz fit ist sie noch nicht, aber sie fühlt sich viel besser: «Ich nehme heute Medikamente, die man auch Leuten gibt, die AIDS oder Malaria haben. Ich bin noch geschwächt, aber ich kann wieder stehen. Ich habe sogar wieder damit begonnen, etwas zu essen.»

Zum Schluss appelliert Fernanda noch an ihre Mitmenschen, man solle das Virus ernst nehmen: «Die Leute merken nicht alle, wie schlimm dieses Virus sein kann. Sie wollen immer noch raus gehen und joggen. So besteht das Risiko, dass sie andere anstecken, auch wenn sie nicht mal wissen, dass sie das Virus haben.» So unterstützt Fernanda das, was viele Regierungen mittlerweile fordern: Das Haus sollte man nur verlassen, wenn es wirklich nötig ist.