Clinton sagt Mexiko Hilfe zu

Die USA wollen ihren südlichen Nachbarn im Kampf gegen die Drogenkriminalität unterstützen. US-Aussenministerin Hillary Clinton tritt für «Sicherheit auf beiden Seiten der Grenze» ein.

Sandra Weiss
Drucken
Teilen
Besuch bei der Nachbarin: US-Aussenministerin Hillary Clinton trifft ihre mexikanische Amtskollegin Patricia Espinoza. (Bild: rtr/Daniel Aguilar)

Besuch bei der Nachbarin: US-Aussenministerin Hillary Clinton trifft ihre mexikanische Amtskollegin Patricia Espinoza. (Bild: rtr/Daniel Aguilar)

Mexiko-Stadt. Es war ein Schuldbekenntnis, das in der Geschichte der schwierigen US-mexikanischen Beziehungen seinesgleichen sucht: Der unstillbare Hunger der USA nach Drogen und die Unfähigkeit Washingtons, den Waffenschmuggel nach Mexiko einzudämmen, mache die USA mitverantwortlich für der Gewalteskalation im Nachbarland, sagte US-Aussenministerin Clinton Mitte Woche während ihres Besuchs in Mexiko-Stadt. Und an anderer Stelle fügte sie hinzu: «Wir schreiten gemeinsam voran, und wir straucheln auch gemeinsam.»

Verbaler Schlagabtausch

Der demonstrative Schulterschluss wurde mit der Einrichtung eines bilateralen Drogenstabs besiegelt. In den vergangenen Wochen war die Stimmung zwischen den beiden Nachbarländern verbal eskaliert, nachdem US-Funktionäre von Mexiko als «gescheitertem Staat» gesprochen hatten, worauf der mexikanische Präsident Felipe Calderón den Amerikanern vorwarf, mit ihrem Drogenkonsum die Wurzel des Übels zu sein und wenig zu dessen Lösung beizutragen.

Calderón hat den Krieg gegen die Drogenmafia zu seiner Priorität erklärt und geht mit militärischer Härte gegen die Kartelle vor. Das hat zu einer beispiellosen Gewaltspirale geführt. Im vergangenen Jahr starben etwa 6000 Menschen als Folge des Drogenkriegs.

«Ein beiderseitiges Geschäft»

Nun versprach Hillary Clinton, die Grenzkontrollen auf US-Seite zu verstärken und Mexiko zudem mit mehr als 80 Millionen Dollar im Drogenkrieg zu unterstützen. Produziert werden Drogen zwar grösstenteils in Lateinamerika – ihr Ziel aber sind meistens die USA. Dort werden sie mit grossem Gewinn verkauft, die Gelder gewaschen und 90 Prozent der Waffen erworben, die im Besitz der mexikanischen Drogenkartelle sind. «Es ist ein beiderseitiges Geschäft, die USA bringen die Konsumenten und die Waffen ein, wir die Drogen und die Toten», hatte Calderón nüchtern resümiert.

Seit Jahrzehnten betreibt die US-Regierung einen hauptsächlich auf militärische Aspekte konzentrierten Drogenkrieg in Lateinamerika. Höhepunkt war der drei Milliarden Dollar schwere Kolumbien-Plan, mit dem das Andenland Anfang der 1990er-Jahre aufgerüstet wurde. Dessen Erfolge aber sind mager: Kolumbien ist noch immer klarer Spitzenreiter in der Kokainproduktion; zwischen 2006 und 2007 steigerte sich die Koka-Anbaufläche auf 99 000 Hektar. Zwar wurden die kolumbianischen Kartelle geschwächt – doch ihre Routen und Marktanteile übernahmen die Mexikaner.

Neuer Ansatz in den USA

Bisher stiessen fast alle Appelle, das Drogenproblem nicht nur militärisch zu bekämpfen, in Washington auf verschlossene Ohren. Jetzt aber deutet sich ein Richtungswechsel an. Der designierte US-Drogenbeauftragte Gil Kerlikowske ist kein Hardliner, sondern einer, der auf Prävention setzt und Drogen als gesellschaftliches Problem sieht, das vielschichtig bekämpft werden muss.

Aktuelle Nachrichten