Clinton gegen Trump

Hillary Clinton und Donald Trump geben nach ihren Erdrutschsiegen bei den Vorwahlen im Nordosten der USA einen Vorgeschmack auf die wahrscheinliche Wahlschlacht im Herbst.

Thomas Spang
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Hillary Clinton feiert ihre überzeugenden Siege vom «Kleinen Superdienstag» gegen Bernie Sanders. (Bild: ap/Matt Rourke)

Hillary Clinton feiert ihre überzeugenden Siege vom «Kleinen Superdienstag» gegen Bernie Sanders. (Bild: ap/Matt Rourke)

NEW YORK/PHILADELPHIA. Donald Trump hat es wieder einmal allen gezeigt. In den fünf bevölkerungsreichen Bundesstaaten Connecticut, Delaware, Maryland, Pennsylvania und Rhode Island holte der Nationalist fünf Siege. Dabei durchbrach er in einem Feld mit drei Kandidaten locker die 50-Prozent-Marke und gewann im Durchschnitt mit 59 Prozent.

«Sehe mich als Kandidaten»

Als Trump in der Wahlnacht im Foyer seines Wolkenkratzers in Manhattan vor die Kameras trat, setzte er sein breitestes Grinsen auf. Wie er die Dinge sehe, sei das Rennen bei den Republikanern gelaufen, postulierte der Rechtspopulist selbstzufrieden. «Ich betrachte mich als den voraussichtlichen Präsidentschaftskandidaten.» Damit übertrieb er diesmal nicht. Ted Cruz und John Kasich kamen nirgendwo überhaupt nur in Reichweite des Spitzenreiters.

Dabei wären Staaten wie Connecticut oder Pennsylvania einem Moderaten wie Kasich auf den Leib zugeschnitten gewesen. Für den frisch geschmiedeten «Stop-Trump»-Pakt der beiden Mitbewerber hat der Nationalist nur Häme übrig. «Ein trauriges Unternehmen, das schon gescheitert war, bevor es überhaupt erst losging.» Obwohl es rechnerisch weiterhin möglich bleibt, Trump die Mehrheit der 1237 Delegierten auf dem Parteitag in Cleveland zu verweigern, spricht politisch wenig dafür. Der Favorit hat den Wind voll im Segel und könnte bereits nächste Woche in Indiana der «Never-Trump»-Bewegung den Todesstoss versetzen.

«Eine fürchterliche Präsidentin»

In der Wahlnacht richtete der Milliardär sein Augenmerk bereits auf den Herbst und seine voraussichtliche Rivalin Hillary Clinton, die in vier von fünf Bundesstaaten Erdrutsch-Siege errang. Die frühere Aussenministerin wäre eine «fürchterliche Präsidentin», stänkerte Trump in seiner Siegesrede. «Wenn Hillary Clinton ein Mann wäre, bekäme sie nicht einmal fünf Prozent der Stimmen. Sie kann nur die Frauen-Karte spielen, aber glücklicherweise mögen auch Frauen sie nicht.»

Die demokratische Spitzenreiterin trat ungefähr zur selben Zeit in Philadelphia vor ihre Anhänger, die sie enthusiastisch mit «Hillary, Hillary»-Rufen feierten. Ohne Umschweife schlug Clinton hart gegen den Vorwurf zurück, Geschlechter-Politik zu betreiben. «Wenn es die Frauen-Karte ist, sich für die Gesundheit von Frauen einzusetzen und bezahlte Familienzeit und gleiche Bezahlung, dann spiele ich sie gerne.»

Sanders kämpft um Programm

Bernie Sanders punktete in Rhode Island, kann bei den ausstehenden zehn Wahlen aber nicht mehr genügend Delegierte gewinnen, Clinton die Nominierung streitig zu machen.

Sanders gab zu erkennen, dass er verstanden hat, wie aussichtslos seine Situation nach den Wahlen im sogenannten «Eisenbahn»-Korridor der USA nun ist. Statt um die Nominierung kämpft der demokratische Sozialist nun um Einfluss auf das Wahlprogramm. «Deshalb wird dieses Wahlkampfteam mit so vielen Delegierten wie möglich zum Parteitag der Demokraten nach Philadelphia gehen, um ein progressives Programm durchzusetzen.»

Dieser Realismus fehlt bisher auf Seiten der Trump-Konkurrenten, die sich mit immer unwahrscheinlicheren Szenarien trösten. Der republikanische Demoskop Neil Newhouse sagt: «Cruz und Kasich versuchen kurz vor Spielschluss einen Befreiungsschlag. Sie können sich nicht sicher sein, dass dies funktioniert, wollen aber nichts unversucht lassen.»

Trump spottet: «Hillary Clinton wäre eine fürchterliche Präsidentin.» (Bild: ap/Julie Jacobson)

Trump spottet: «Hillary Clinton wäre eine fürchterliche Präsidentin.» (Bild: ap/Julie Jacobson)

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