«Chinesische» Lösung in Bahrain

Zur Sicherung seines Throns hat sich Bahrains König Al Khalifa für die Gewalt entschieden. Bahrains Sicherheitskräfte gehen mit Tränengas und Schrotflinten gegen schlafende Demonstranten vor. Es gab vier Tote und etwa 300 Verletzte.

Michael Wrase
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Ein verletzter Demonstrant wird ins Salamynia-Spital eingeliefert. (Bild: epa/Mazen Mahdi)

Ein verletzter Demonstrant wird ins Salamynia-Spital eingeliefert. (Bild: epa/Mazen Mahdi)

Limassol. Es ist 3.00 Uhr morgens, als die Bereitschaftspolizei des Königs auf den zentralen Perlen-Platz von Manama vorrückt. Ohne Vorwarnung eröffnet sie das Feuer auf etwa 6000 schlafende Demonstranten.

Zu Tode geprügelt

Laut Augenzeugen greift die von Panzern unterstützte Polizei in mehreren Wellen an: Zum Auftakt geht 15 Minuten lang ein Hagel von Tränengasgranaten auf die wehrlosen Menschen nieder, gefolgt von einem Dauerfeuer mit Gummigeschossen. Dann werden die in Nebelschwaden um ihr Leben rennenden Regimegegner mit Schrotflinten angegriffen, in den Seitenstrassen warten Polizisten mit Schlagstöcken.

Drei Regimegegner erliegen den Schussverletzungen. Etwa 300 Menschen werden ebenfalls durch Schüsse verletzt. Ärzte müssen getroffenen Demonstranten Dutzende Schrotkugeln aus dem Körper entfernen. Mindestens ein Demonstrant ist nach Auskunft der Ärzte im Salamynia-Spital in Manama «totgeprügelt» worden.

«Keine Daseinsberechtigung»

Ein Sprecher der bahrainischen Menschenrechtsorganisation sagt: «Über 100 Verletzten ist der Zugang zu den Spitälern von prügelnden Polizisten verwehrt worden.» Er wirft dem sunnitischen Königshaus vor, sich «für die chinesische Lösung» entschieden zu haben. «Eine Regierung, die auf schlafende Demonstranten schiessen lässt, hat keine Daseinsberechtigung mehr», sagt Sheikh Ali Salman, Chef der schiitischen Wifak-Gesellschaft. Die Opposition werde ihre Proteste fortsetzen. Dazu gehöre die Umstrukturierung der Sicherheitskräfte, in denen überwiegend Söldner aus Jemen, Syrien und Pakistan dienen. Zudem müsse Bahrain eine konstitutionelle Monarchie werden, die Regierung demokratisch gewählt und nicht mit Günstlingen des Königs besetzt werden.

Des Königs Kollegen gratulieren

Vor allem die letzte Forderung birgt enorme politische Sprengkraft. Denn keiner der Könige und Emire auf der Arabischen Halbinsel hat eine demokratische Legitimierung. In Saudi-Arabien, Kuwait und anderen Emiraten am Persischen Golf schrillen daher die Alarmglocken. Bahrains Nachbarn reagieren auf das brutale Vorgehen von König Issa al-Khalifa mit Solidaritätsadressen.

Bereit zum Märtyrertod

Anwar Abdul Rahman, Chefredaktor der bahrainischen Staatszeitung «Akhbar al-Khalij», schreibt: «Eine Gruppe von Menschen, welche die Regierung und die Gesellschaft in Geiselhaft nimmt, lässt der Regierung keine andere Wahl, als Massnahmen zu ergreifen. Vor dem Salamynia-Spital reagieren aufgebrachte Demonstranten so: «Wir sind bereit, als Märtyrer zu sterben.»

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