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Chinas KP und die böse Frau

Die Funktionärsgattin Gu Kailai steht wegen Mordes vor Gericht. Ein Schauprozess soll Schaden von der Kommunistischen Partei abwenden.
Bernhard Bartsch
Gu Kailai und ihr Gatte Bo Xilai. (Bild: ap)

Gu Kailai und ihr Gatte Bo Xilai. (Bild: ap)

PEKING. Gu Kailai ist mit vielen bösen Frauen verglichen worden: Zum Beispiel mit Shakespeares Lady Macbeth, die ihren Mann zum Mord verführte. Der Vergleich hinkt, doch die Suche nach einem Vorbild zeigt, was für grosses Kino auf Chinas politischer Bühne derzeit geboten wird.

Ab heute steht Gu Kailai, Gattin des ehemaligen Spitzenfunktionärs Bo Xilai, wegen Mordes vor Gericht. Sie soll im vergangenen Jahr den britischen Geschäftsmann Neil Heywood vergiftet haben. Der Anlass sei ein Streit um schmutziges Geld gewesen, das der Brite für Gu ins Ausland schmuggeln sollte. Bo, einst Parteisekretär von Chongqing und Anwärter auf einen Führungsposten in Peking, soll von alledem nichts geahnt haben.

Drehbuch der Partei

Ob das die Wahrheit ist, wird in China weithin bezweifelt. Doch das Verfahren gegen die 53jährige Gu dürfte einem Drehbuch folgen, an dem die Kommunistische Partei monatelang gefeilt hat. Denn der Fall hat dem Image der Partei geschadet, weil er auch offenbarte, dass Amtsmissbrauch und Korruption bis in die höchsten Ebenen reichen.

Mit Gus Verurteilung, womöglich zum Tode, soll der Skandal nun vor dem Parteitag im Herbst aus der Welt geschafft werden. Dass Chinas Staatspresse vorab berichtete, Gu habe ein Geständnis abgelegt und die volle Verantwortung übernommen, zeigt, dass Bo aus der Schusslinie genommen werden soll. Seine Karriere ist zwar vorbei, aber eine weitere Demontage soll ihm – und der Partei – erspart bleiben.

Dabei waren der 63-Jährige und seine Ehefrau seit langem umstritten. Der Sohn eines verdienten Revolutionsveteranen und die Tochter eines Generals hatten sich 1984 kennengelernt. Während Bo in der Partei Karriere machte, profitierte Gu als Wirtschaftsanwältin von seinen Beziehungen. Als Bo zum Provinzgouverneur von Liaoning aufgestiegen war, betreute Gu den dort ansässigen Pharmakonzern Northeast Pharmaceutical Group, eines der grössten Unternehmen Chinas.

Die Flucht des Polizeichefs

Zwar gab Gu ihre Mandate später demonstrativ auf, um das Ansehen ihres Mannes nicht zu gefährden. Doch wie in vielen Kaderfamilien üblich, machten sie und ihre Verwandten hinter den Kulissen weiter Millionengeschäfte. Seinen Sohn schickte das Paar mit Hilfe des Briten Heywood auf die teure britische Eliteschule Harrow und später zum Studium nach Oxford und Harvard.

Anfang des Jahres eröffnete Chongqings Polizeichef Wang Lijun seinem Chef, dass er gegen seine Frau ermittle. Wenig später floh Wang aus Angst vor Bos Rache in ein US-Konsulat. Der Skandal liess sich nicht mehr verheimlichen. Seitdem versucht Peking, das Drama unter Kontrolle zu bekommen.

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