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CHINA: Tempelbrand entfacht Streit um Tibet neu

Ein Feuer im Jokhang-Tempel in Lhasa ruft die harsche Realität der Besetzung Tibets in Erinnerung. Die Motive dahinter sind eindeutig: Indem die chinesische Führung die buddhistischen Institutionen unterwandert, will sie den Widerstand der Tibeter brechen.
Ulrike Putz, Singapur
Der 1300 Jahre alte Jokhang-Tempel in Lhasa vor dem Brand. (Bild: Jason Yu/Getty ()

Der 1300 Jahre alte Jokhang-Tempel in Lhasa vor dem Brand. (Bild: Jason Yu/Getty ()

Ulrike Putz, Singapur

Gross soll der Schaden nicht gewesen sein: Gerade mal 50 Quadratmeter des 1300 Jahre alten Jokhang-Tempels in der tibetischen Hauptstadt Lhasa sollen zerstört worden sein, als dort am vergangenen Samstag in einem Lüftungsschacht ein Feuer ausgebrochen war. Keines der Hauptgebäude des bedeutendsten Heiligtums der tibetisches Buddhisten sei beschädigt worden. Alle 6500 Reliquien, die in dem als Unesco-Weltkulturerbe deklarierten Gebäudekomplex aufbewahrt würden, seien in Sicherheit. Das teilte die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua drei Tage nach dem Brand mit.

Ob der Brand auf dem drei Fussballfeder grossen Gelände wirklich so glimpflich abgelaufen ist, lässt sich vorerst nicht überprüfen: Peking kontrolliert alle Nachrichten, die aus dem seit 1950 von China besetzten Tibet nach aussen dringen. Auf Handyvideos des Feuers, die – von Augenzeugen aufgenommen – vorübergehend auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zu sehen waren, sah es so aus, als fielen mehrere grosse Gebäude den Flammen zum Opfer.

Inzwischen sind die meisten der Videos nicht mehr zu sehen: Wenn es um den Jokhang-Tempel geht, sind Chinas Zensoren besonders streng, denn er ist mehr als nur ein Gotteshaus. Seine heiligen Hallen wurde bereits mehrfach zum Schauplatz von Protesten gegen die chinesische Besetzung. Zuletzt kam es im März 2008 zu einem Zwischenfall. Vor dem Hintergrund eines blutigen Aufstands der Tibeter gegen Peking störte rund ein Dutzend Mönche den orchestrierten Besuch einer Delegation westlichen Journalisten. «Tibet ist nicht frei», riefen sie, bevor sie abgeführt wurden. Seither patrouillieren in der Anlage noch mehr Sicherheitskräfte, Überwachungskameras filmen jede Bewegung.

Peking will eigenen Nachfolger des Dalai Lama

China benutzt verschiedene Werkzeuge, um seine Macht über Tibet auszubauen. Nach den Unruhen von 2008 begann es, mehr Geld in die militärstrategisch und aufgrund seiner Wasserreserven wichtige Region zu investieren: Die unterdrückten Tibeter sollen bei Laune gehalten werden. Gleichzeitig versucht Peking, die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung zu manipulieren. Dazu siedelt es loyale Staatsbürger aus Zentralchina auf das Hochplateau um. Inzwischen ist jeder vierte Einwohner von Lhasa Chinese.

Nicht weniger nachdrücklich sind die Versuche, die Institutionen des tibetanischen Buddhismus zu unterwandern. Im Januar warnte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), dass China eine Art feindliche Übernahme eines der wichtigsten Klöster der Glaubensgemeinschaft vorbereite. Larung Gar in der westchinesischen Provinz Sichuan ist Heimat von bis zu 40 000 Nonnen und Mönchen. Laut HRW werden etwa 100 Kader der Kommunistischen Partei Chinas demnächst die Verwaltung des Klosters übernehmen.

Peking hat ausserdem deutlich gemacht, dass es gedenkt, ­einen dem Regime genehmen Nachfolger des Dalai Lama zu installieren. Der im indischen Exil lebende Führer der Tibeter selbst hat in den vergangenen Jahren immer wieder gesagt, dass es nach seiner Auffassung nicht unbedingt einen weiteren Dalai Lama geben müsse, sondern die lange Reihe der Reinkarnationen zu einem Ende kommen soll.

Das würde einem vom chinesischen Regime bestimmten Nachfolger die Legitimation entziehen, weshalb das sonst so atheistische Peking auf einer Reinkarnation besteht. Nach dem Tod des zweithöchsten tibetischen Würdenträgers, des Panchen Lama, hatte China 1995 das als Reinkarnation des Mönches ausgewählte Kind verschleppen lassen. Gleichzeitig bestimmte es einen ihm genehmen Jungen, der heute in Peking zum linientreuen Kommunisten erzogen wird.

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