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In Venezuela herrscht nach fünf Tagen Stromausfall das Chaos

Wegen des seit Donnerstag andauernden Stromausfalls wird das Land von Raubüberfällen und Gewalt erschüttert. Präsident Nicolás Maduro versucht, mit Repression der Krise Herr zu werden.
Sandra Weiss, Puebla
Während des Stromausfalls wurden in Venezuela zahlreiche Geschäfte und Einkaufszentren verwüstet. (Bild: Chirinos Henry/Maracaibo, EPA, 12. März 2019)

Während des Stromausfalls wurden in Venezuela zahlreiche Geschäfte und Einkaufszentren verwüstet. (Bild: Chirinos Henry/Maracaibo, EPA, 12. März 2019)

Nach über 100 Stunden Stromausfall hat sich die Situation in Venezuela zugespitzt. Als am Dienstag in weiten Teilen des Landes der Strom langsam zurückkehrte und die Menschen wieder über Internet und geladene Handys verfügten, machten Bilder des Chaos’ und der Gewalt die Runde: In der Ölmetropole Maracaibo im Nordwesten des Landes wurden während des Stromausfalls, der auch zur Einstellung des Flugverkehrs geführt hatte, zahlreiche Geschäfte und Einkaufszentren geplündert. Die Menschen, die seit mehr als zwei Jahren unter der sozialistischen Mangelwirtschaft leiden, nahmen offenbar alles mit, was ihnen in die Hände fiel. Auch heruntergelassene Rollläden hielten sie nicht davon ab.

Die meisten Geschäfte hatten geschlossen, weil wegen der Hyperinflation und Geldknappheit fast nur noch per Bankkarte bezahlt wird – was ohne Strom nicht geht. Auch die Wasserversorgung kam wegen des Ausfalls der Pumpen ins Stocken. In Caracas gab es Raubüberfälle, unter anderem wurde eine Crew von Air Europa angegriffen. Ausserdem verbreiteten regierungsnahe paramilitärische Gruppen (colectivos) und das gefürchtete Sonderkommando der Polizei (FAES) am Dienstag Angst und Schrecken, wie Amateurvideos aus den Viertel Caricuao und dem Westen von Caracas zeigten. Sie schossen demnach willkürlich in Wohnblocks und auf Demonstranten und nahmen Zivilisten fest.

Fünf Attacken auf das nationale Stromnetz

Die Regierung verlängerte derweil bis Donnerstag den Zwangsurlaub im öffentlichen Dienst und an Schulen. Kommunikationsminister Jorge Rodriguez sprach von fünf elektromagnetischen und kybernetischen Attacken aufs nationale Stromnetz, die das Chaos verursacht hätten. Präsident Nicolás Maduro machte irritiert in einer TV-Ansprache die USA und Gegenpräsident Juan Guaidó für die ­Situation verantwortlich und ordnete Ermittlungen gegen ihn wegen Sabotage an. Die Regierung habe die Lage im Griff, aber sicherheitshalber sollten sich die Venezolaner auf weitere Stromausfälle vorbereiten.

Der Oppositionsführer Guaidó zeigte sich derweil auf mehreren Protestkundgebungen in Caracas und animierte seine Anhänger zum Durchhalten. Ihm zufolge starben wegen des Stromausfalls 21 Patienten in Krankenhäusern. Das von der Opposition kontrollierte Parlament erklärte für 30 Tage den nationalen «Alarmzustand» und bat um internationale Hilfe.

USA warnt vor Gewaltanwendung

Das regierungstreue Oberste Gericht, hiess es aus gut unterrichteten Kreisen, erwäge eine Express-Aufhebung der parlamentarischen Immunität Guaidós. Der Nationale Sicherheitsbeauftragte der USA, John Bolton, twitterte daraufhin, die USA würden Venezuelas Sicherheitskräfte für die Unversehrtheit von Guaidó und den oppositionellen Parlamentariern verantwortlich machen. Jegliche Gewaltanwendung gegen sie oder ihre Familien werde auf eine entschiedene Antwort von Seiten der USA treffen. «Die Welt schaut zu», so Bolton.

Der Stromausfall bringt Maduro auch wirtschaftlich in die Bredouille. Die Ölförderung sank weiter ab. Experten zufolge exportiert Venezuela seit der Verhängung der US-Sanktionen nur noch 930000 Fass täglich. Davor waren es 1,5 Millionen. Durch den Stromausfall büsst das Land laut Wirtschaftsberatern von «Ecoanalitica» zusätzlich rund 200 Millionen Dollar täglich ein.

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