Chaos in Jemen – ratlose USA

Der Sturz der Regierung in Jemen versetzt der Antiterrorstrategie der USA einen schweren Rückschlag. US-Präsident Barack Obama steht vor einer schwierigen Wahl.

Thomas Spang
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Wie weiter, fragen sich viele Jemeniten nach dem Rücktritt von Präsident Hadi. Die Frage muss sich auch US-Präsident Barack Obama stellen. (Bild: epa)

Wie weiter, fragen sich viele Jemeniten nach dem Rücktritt von Präsident Hadi. Die Frage muss sich auch US-Präsident Barack Obama stellen. (Bild: epa)

WASHINGTON. Der bisherige jemenitische Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi hat sich stets gerühmt, jeden Drohnenangriff der USA in Jemen persönlich genehmigt zu haben. Damit ist nun Schluss.

Das US-Aussenministerium ist ob der Ereignisse ratlos: «Wir sind nicht in der Lage, abzuschätzen, was das zu diesem Zeitpunkt bedeutet», erklärt die Sprecherin Jen Psaki. Und Pentagonsprecher John Kirby sagte: «Wir versuchen zu verstehen, was passiert ist.»

Rücktritt statt Machtteilung

Die Huthi-Rebellen, die von Iran unterstützt werden, haben Hadi eine Machtteilung vorgeschlagen. Statt darauf einzugehen, trat dieser trotz einer zuvor erreichten Einigung zurück. Ob der Machtverzicht ein Versuch ist, die Huthi zur Übernahme von Verantwortung in Jemen zu zwingen, ist noch unklar.

«Von schlecht zu schlechter»

Der bisherige Staatschef galt als verlässlicher Verbündeter der USA. Seit seiner Machtübernahme 2012 lieferte Hadis Geheimdienst den USA wichtige Informationen für den Drohnenkrieg gegen Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap).

Der Kongressabgeordnete Adam Schiff, der für die US-Demokraten im Kontrollausschuss der Geheimdienste sitzt, sagte: «In Jemen hat sich die Situation von schlecht zu noch schlechter verändert.» Mit gravierenden Konsequenzen für den Antiterrorkampf gegen die Aqap . «Unsere Beziehungen zu Jemen sind lebenswichtig für die Konfrontation mit Al Qaida», sagte Schiff. Es müsse alles versucht werden, die Partnerschaft fortzusetzen. Die Frage ist, mit wem?

Stärkere Al Qaida befürchtet

Die schiitischen Huthi-Rebellen sind zwar Erzfeinde der sunnitischen Al Qaida, stehen aber auch mit den USA auf Kriegsfuss. Das stellt Obama vor eine unschöne Wahl. Entweder ignoriert er die Souveränität des arabischen Staates und setzt den Drohnenkrieg ohne Segen der neuen Machthaber in Sana fort, oder er stoppt die Einsätze. Letzteres hätte die mögliche Konsequenz eines weiteren Erstarkens der Qaida.

Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die Rebellion der Schiiten der sunnitischen Terrororganisation ohnehin neuen Zulauf an frustrierten Sunniten bescheren dürfte.

Annäherung an Huthi suchen

Jemen-Experten wie Andrew Terrill vom «US-War College» raten der Regierung, über informelle Kanäle eine Annäherung zu den Huthi zu suchen. «Wir müssen mehr über die Aqap besorgt sein als über alle anderen Probleme des Landes.» Zudem gebe es Anknüpfungspunkte mit den Rebellen. «Wir haben zum Teil überlappende Interessen mit den Huthi.»